Grundchemie wird an die Börse gebracht, Spezialchemie wird verselbstständigt
Ölkonzern Total baut seine Chemiesparte Atofina radikal um

Die Total SA, der viertgrößte Ölkonzern der Welt, will seine Chemiesparte Atofina radikal umbauen. Aus ihr soll Anfang Oktober ein Grundchemieunternehmen ausgegliedert werden, das Total binnen zwei Jahren an die Börse bringen und an die eigenen Aktionäre abgeben will. Doch die Umbaupläne gehen über die im Frühjahr angekündigte Ausgliederung deutlich hinaus.

PARIS. „Eine integrierte Chemie ist nicht mehr im Kerninteresse des Konzerns“, verlautet aus Unternehmenskreisen. Total werde Atofina auflösen und die Geschäftseinheiten künftig direkt unter dem Konzerndach führen. „Bei der Fusion 1999 mit Elf waren 29 Prozent unseres Kapitals in der Chemie gebunden“, sagte Total-Vorstandschef Thierry Desmarest kürzlich vor Journalisten. „Derzeit sind es etwa 25 Prozent, und wir wollen auf rund 20 Prozent herunter.“ Damit liegt Total im Trend: Auch BP Plc. trennt sich von Teilen seiner Chemie, Royal Dutch Shell Plc/NV verkaufte die Spezialchemie schon vor Jahren.

Außerdem legt Desmarest für die im Konzern verbleibende Chemie die Rendite-Messlatte auf 14 Prozent des eingesetzten Kapitals – davon ist Atofina nach Angaben von Konzernkennern noch ein paar Prozentpunkte entfernt. Der Umbau der Total-Chemie ist der Abschied von der Idee, aus Atofina den zweitgrößten reinen Chemiekonzern in Europa nach der BASF AG zu machen: Atofina hat im vergangenen Jahr rund 18 Mrd. Euro umgesetzt und ist damit gut anderthalb mal so groß wie die Degussa AG.

„Obwohl Atofina rund ein Sechstel zum Total-Umsatz beisteuert, hat die Chemie bei der Bewertung des Ölkonzerns bisher keine besondere Rolle gespielt“, sagt die Ölanalystin der Landesbank Rheinland-Pfalz, Katja Blanke. Die Rechnung der Ölkonzerne, sich in der Chemie auf die margenstärkeren Geschäfte zu beschränken, gehe bei BP und Shell durchaus auf. Total müsse aber bei der Chemie-Neugliederung die Kosten im Blick behalten.

In der Übernahmeschlacht der Atofina-Muttergesellschaften Total und Elf im Jahre 1999 hatte Elf-Boss Philippe Jaffré auf eine Abspaltung von Atofina hin gearbeitet. Doch der Gewinner im innerfranzösischen Kampf ums Öl, Total-Chef Desmarest, wollte die Chemie nicht aus dem vereinten Konzern entlassen. „Es ist nur logisch, dass Total den Verbund von Raffinerien und Petrochemie aufrecht erhält“, sagt der Vorstandschef eines europäischen Chemiekonkurrenten. „Dort liegen klare Synergien.“

Seite 1:

Ölkonzern Total baut seine Chemiesparte Atofina radikal um

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%