Grundlegender Umbau
Daimler verschärft sein Sparprogramm

In einem Interview hat Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche angekündigt, dass die bisher geplanten Sparmaßnahmen angesichts der Milliardenverluste des Konzerns im ersten Halbjahr noch ausgebaut werden sollen. Das Unternehmen brauche keine einmaligen Effekte, sondern dauerhafte strukturelle Veränderungen.

HB DÜSSELDORF. Zetsche kündigte an, die angestrebte Einsparung von vier Mrd. Euro noch übertreffen zu wollen. Im Gespräch mit der am Montag erscheinenden Wirtschaftswoche sagte er: „Wir sparen an allem, was nicht unseren Fahrzeugen zugute kommt. Investitionen etwa, die nicht direkt dem Produkt dienen, haben wir teilweise komplett gestrichen. Wir haben uns für dieses Jahr ein Sparvolumen von vier Milliarden Euro vorgenommen und werden dies deutlich überschreiten“, so Zetsche. „Die Überschreitung liegt im zweistelligen Prozentbereich. Wir sehen, dass ein Unternehmen wie Daimler trotz des Sparprogramms immens viel Potenzial hat, effizienter zu werden. Das heißt, wir werden das bestehende Sparprogramm forcieren. Danach müssen wir die einmaligen Spareffekte durch Maßnahmen ersetzen, die dauerhafte Effizienzgewinne bringen. Dabei geht es dann um strukturelle Veränderungen. Es gibt praktisch keinen Prozess, den wir nicht noch deutlich effizienter machen könnten.“

Zetsche kündigte an, dass der Konzern schon bald über eine Kooperation mit einem anderen Hersteller zum Bau von kleinen Modellen entscheiden wird. Zetsche wollte die Namen Toyota und Renault nicht kommentieren. „Aber ich bin mir sicher, dass wir relativ bald ein grundsätzliches Ja oder Nein als Antwort geben können“, sagte Zetsche. Bei der seit mehreren Jahren diskutierten Kooperation mit BMW werde dagegen „nichts Spektakuläres“ angekündigt werden, sagte Zetsche. Es gebe eine Reihe von Komponenten, bei denen die Unternehmen zusammenarbeiten wollten. Große Teile wie Getriebe oder Motoren seien aber nicht darunter.

Enorme Fortschritte hat Daimler laut Zetsche bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes gemacht. So habe Mercedes den Abstand zu BMW deutlich reduzieren können. „Wir haben gewaltig aufgeholt und sind im ersten Halbjahr 2009 mit einer Emission von durchschnittlich rund 160 Gramm CO2 pro Kilometer fast gleichauf mit unserem Wettbewerber BMW, der 2008 auf einen Wert von 155 Gramm kam.“ 2008 lag der Flottenverbrauch von Mercedes noch bei 175 Gramm pro Kilometer. Zugleich kündigte Zetsche an, dass Mercedes den strengen Wert von 135 Gramm im Jahr 2015 erreichen wird und deshalb keine Strafzahlungen leisten wird, wie bislang befürchtet. „Wir werden die zukünftigen europäischen Grenzwerte für Emissionen voll erfüllen.“

Zu den jüngst bekannt gewordenen Qualitätsproblemen bei Dieselmotoren der neuen E-Klasse sagte Zetsche: „Natürlich hatten wir den Motor in der Erprobungsphase den üblichen und sehr strengen Mercedes-Qualitätstests unterzogen, das Problem ist erst danach durch Umstellungen in der Produktion beim Zulieferer aufgetaucht, konnte aber inzwischen gelöst werden. Wir werden in Zukunft noch genauer auf die Qualitätsprozesse auch bei unseren Lieferanten schauen.“ Die betroffenen Injektoren kommen vom amerikanischen Autozulieferer Delphi. Offenbar hat Mercedes Probleme, funktionierende Injektoren zu bekommen: „Wir haben die Produktion der Motoren gedrosselt, um mehr dieser Injektoren für den Kundendienst bereitstellen zu können“, sagte Zetsche.

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