Grundsatzeinigung mit Banken
Merckle muss ans Tafelsilber

Die angeschlagene Unternehmensgruppe Merckle hat sich mit ihren mehr als 30 Gläubigerbanken auf eine Refinanzierung verständigt. Das bestätigte eine Sprecherin der Merckle-Holding VEM Vermögensverwaltung am Sonntag. Eine entsprechende Grundsatzvereinbarung sei von Merckle unterzeichnet worden. Details will VEM aber erst im neuen Jahr bekannt geben.

FRANKFURT. Die mit etwa fünf Mrd. Euro verschuldete Firmengruppe des Ulmer Unternehmers Adolf Merckle war durch Wertverluste ihrer Mehrheitsbeteiligung Heidelberg Cement sowie Spekulationsverluste in Liquiditätsnöte geraten und verhandelte seit Wochen um eine Überbrückungs-Finanzierung. Der nun ausgehandelte Deal gibt der Gruppe Zeit und Spielraum für eine grundlegende Neuordnung ihrer angespannten Finanzstruktur. Das Konzept sieht nach Informationen aus Bankenkreisen den weitgehenden Verkauf der wichtigsten Merckle-Unternehmen Heidelberg Cement, Ratiopharm und Phoenix Pharmahandel AG & Co vor.

Es umfasst ferner Stillhalteabkommen für die beiden Holding-Firmen VEM und Spohn Cement sowie für die ebenfalls angeschlagene Phoenix Pharmahandelsgruppe. Im Rahmen eines Überbrückungskredits sollen VEM und Phoenix frische Mittel von rund 400 Mill. Euro erhalten. Vor allem für Phoenix ist das extrem wichtig, da dem zweitgrößten Pharmahändler Europas ansonsten im Laufe der nächsten Wochen Zahlungsschwierigkeiten drohen. Merckle hatte nach Informationen aus Finanzkreisen Liquidität aus Phoenix abgezogen, um damit Finanzlöcher bei der Holding VEM zu stopfen.

Alle kreditfinanzierten Anteile von Merckle an Heidelberg Cement sollen in einer gesonderten Einheit gepoolt werden, um so einen geordneten Verkauf im nächsten Jahr, möglichst an einen strategischen Investor, zu ermöglichen.

Unternehmen der Merckle-Gruppe halten nach letzten Angaben insgesamt rund 100 Mio. Aktien oder knapp 80 Prozent an dem führenden deutschen Baustoff-Konzern. Allerdings sind offenbar nicht alle diese Anteile über Kredite finanziert. Knapp 13 Prozent an Heidelberg Cement hielt Merckle bereits, bevor er 2005 im Rahmen eines öffentlichen Übernahme-Angebots für 60 Euro je Aktie eine Mehrheit erwarb. Später zeichnete die Merckle-Holding VEM noch zwei Kapitalerhöhungen zu Kursen von mehr als 100 Euro je Aktie. Die Heidelcement-Aktie hat 2008 indessen mehr als zwei Drittel ihres Wertes verloren und notierte zuletzt bei 30,65 Euro. Merckles Anteil ist auf dieser Basis nur noch etwa drei Mrd. Euro wert.

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