GTI-Treffen in Kärnten
Die Geiselnahme des Wörthersees

Beim GTI-Treffen am Wörthersee, einem der größten Autoevents Europas, inszeniert sich Volkswagen mit seiner Markenwelt. 150.000 Besucher sind extra nach Kärnten gereist – die kriselnde Region profitiert von den Autofans.
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WienFlankiert von haushohen Rauchsäulen fährt der Traum aller GTI-Freunde auf die Bühne: 265 PS stark, mächtige Frontstoffhänger und Seitenschweller, aggressiver Dachkantenspoiler. Applaus der angereisten Fans brandet auf, als das Geschoss langsam in Richtung der Zuschauer rollt. Heinz-Jakob Neußer, Entwicklungsvorstand der Marke VW, umschmeichelt das Publikum: „Hier sind die richtigen Fans, die unsere Autos und unsere Marken lieben.“ Der ansonsten nüchterne Ingenieur schwärmt von der Sportlichkeit der Geschwindigkeitsrakete und den „schönen 19-Zöllern“, gemeint sind die Reifen. Anfang nächsten Jahres wird der neue Golf GTI Clubsport mit seiner überdimensionierten Motorleistung in den Läden weltweit stehen. Dann will VW Kasse machen.
Von Geschwindigkeit können die VW-Fans beim GTI-Treffen in Reifnitz am Wörthersee nur träumen. Auf den Straßen rund um das alpine Gewässer geht gar nichts mehr. Stoßstange an Stoßstange quälen sich die VW-Aficionados in einer Maximalgeschwindigkeit von fünf Stundenkilometer vor. Ein Polizeihubschrauber kreist am Himmel. Zwei Russen haben mit ihren Audi offenbar Motorprobleme und trösten sich mit einer Flasche Wodka.

Rund 150.000 Menschen, vor allem aus Deutschland und Österreich, suchen den Wörthersee über das Vatertags-Wochenende heim. Epizentrum ist der Reifnitz, der Hauptort der Seegemeinde Maria Wörth. Dort hat Volkswagen, aber auch die anderen Konzernmarken wie Audi, Skoda und Seat ihre Stände aufgebaut.

Volksmusikrocker Andreas Gabalier schmettert auf der VW-Bühne ein paar seiner Songs von Liebe und Heimat. Auf dem GTI-Treffen, das in diesem Jahr zum 34. Mail stattfindet, geht es schließlich um Emotionen. Vernunft spielt bei einem der größten Autoevents in Europa keine Rolle.

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