Günstige Gelegenheit für Übernahmen
Starker Euro beschert Konzernen dicke Brieftasche

Während viele von den Risiken eines starken Euro sprechen, nutzen andere die sich dadurch bietenden Chancen – gerade jetzt ist es für europäische Unternehmen günstig, sich durch Zukäufe in den USA zu vergrößern. Auch deutsche Konzerne lassen sich angesichts prall gefüllter Kriegskassen nicht lange bitten.

FRANKFURT. Der schwache Dollar macht für Europäer Zukäufe in den USA attraktiv wie selten zuvor. "Für ausländische Unternehmen erhöht sich die Kaufkraft“, sagt Steffen Leckert, Leiter für Mergers & Acquisitions (M&A) im deutschsprachigen Raum bei der Bank of America. Patrick Schmitz-Morkramer, Co-Head des deutschen InvestmentBankings von Lehman Brothers, sieht ebenfalls "zusätzliche Impulse“ durch den Euro-Höhenflug: "Unternehmen, die in den USA wachsen möchten, können sich heute Ziele in einer Größenordnung anschauen, die ihnen bisher vielleicht verschlossen war.“

In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres haben nach Zahlen der Bank of America ausländische Firmen Zukäufe im Wert von rund 280 Mrd. Dollar in den USA getätigt. Dies entspricht gut 20 Prozent aller Übernahmen in Nordamerika. Zum Vergleich: 2004 lag der Anteil nur bei gut acht Prozent. Alleine im laufenden Jahr hat der Euro im Vergleich zum Dollar mehr als zwölf Prozent an Wert gewonnen. Erst am Freitag erreichte die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,4966 Dollar ein Rekordhoch. Experten rechnen damit, dass die Marke von 1,50 Dollar bald fällt – und womöglich gar die 1,60 Dollar überwunden wird.

Experte Leckert schränkt allerdings ein, dass die Wechselkurse nicht Haupttreiber der Entwicklung sind. Letztlich bleibe die Unternehmensstrategie der bestimmende Auslöser für Übernahmen. "Entscheidend ist, dass der Zukauf strategisch Sinn macht. Wechselkurse haben bestenfalls einen unterstützenden Faktor“, meint auch Berthold Fürst, Leiter des Bereichs M&A Deutschland bei der Deutschen Bank. Allerdings verlieren mit wachsender Dollar-Schwäche auch die Erträge des Investments – gemessen in Euro – an Wert.

Deutsche Konzerne haben in den vergangenen Jahren durch Kosteneinsparungen, moderate Lohnerhöhungen und Umstrukturierungen ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöht. Dank sprudelnder Unternehmensgewinne sind ihre Kriegskassen meist prall gefüllt. Außer Frage steht, dass für sie die USA als Zielland für Übernahmen zunehmend an Attraktivität gewinnen. So haben 2007 beispielsweise Siemens oder auch die Deutsche Börse Milliardenkäufe in Nordamerika angekündigt.

Nach Zahlen des Datenanbieters Thomson Financial stemmten heimische Firmen im Jahresverlauf Übernahmen von insgesamt 34,5 Mrd. Dollar. Das ist mehr als das Vierfache des Jahres 2004. Die Zahl der Transaktionen erhöhte sich im gleichen Zeitraum ebenfalls von 59 auf 76. Umgekehrt dürfte der starke Euro dämpfend auf die Kauflust amerikanischer Unternehmen in Deutschland wirken. Hier spricht die Statistik eine deutliche Sprache: Kauften US-Firmen 2004 noch für 31,3 Mrd. Dollar deutsche Unternehmen, erreichte das Übernahmevolumen 2007 bislang lediglich 17,9 Mrd. Dollar.

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