Gutachten der Regierung
Kritik an PSA Peugeot Citroën-Führung

Falsch aufgestellt und zu klein: Ein französischer Gutachter zeichnet ein düsteres Bild und hält dem angeschlagenen französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën eine heftige Standpauke.
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ParisDer angeschlagene französische Autobauer PSA Peugeot Citroën muss sich heftige Kritik von einem Sondergutachter der Regierung gefallen lassen. Die Führung des Unternehmens habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten schwerwiegende strategische Fehlentscheidungen getroffen, heißt es in einem am Dienstag vorgestellten Zwischenbericht zur Lage des Konzern. Eine umfassende Restrukturierung inklusive Stellenabbau sei unumgänglich. Dabei müssten aber viel mehr als zuvor Gespräche mit den Gewerkschaften geführt werden, empfiehlt Gutachter Emmanuel Sartorius in seinem ersten Bericht.

Nach Einschätzung des Experten leidet der Volkswagen-Konkurrent vor allem unter Überkapazitäten und ist zu abhängig vom krisengeschüttelten Absatzmarkt in Europa. Statt in Wachstums- und Schwellenländer zu investieren, habe die Nummer Zwei in Europa lieber höhere Dividenden gezahlt und eigene Aktien aufgekauft, kritisierte Sartorius. Insgesamt seien dafür zwischen 1999 und 2011 rund sechs Milliarden Euro ausgegeben worden. Die PSA-Führung wies die Vorwürfe zurück und erklärte, in den vergangenen zwölf Jahren 40 Milliarden Euro investiert zu haben.

Hintergrund des von der Regierung beauftragten Gutachtens sind die Sparpläne der PSA-Führung. Sie will das im Großraum Paris gelegene Werk Aulnay ganz schließen und insgesamt rund 8000 Arbeitsplätze in Frankreich streichen. Seit dem Bekanntwerden des Sanierungskonzepts Mitte Juli gibt es Proteste gegen das Vorhaben. Gewerkschaften wollen Großdemonstrationen organisieren, wenn es nicht abgeändert wird. Das nun vorgestellte Regierungsgutachten gibt ihnen allerdings kaum Rückendeckung. Ein Stellenabbau und eine Reorganisation der industriellen Aktivitäten seien „leider unumgänglich“, heißt es im Bericht.

Sartorius sieht den PSA-Konzern in die Zange genommen zwischen den in osteuropäischen Niedriglohnländern produzierenden anderen Generalisten und den deutschen Premiumherstellern wie Audi, BMW und Mercedes. Als Generalist sei PSA wahrscheinlich mittlerweile zu klein, schreibt Sartorius. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern lediglich 3,55 Millionen Fahrzeuge. Die hauptsächlich auf Frankreich konzentrierten Produktionskapazitäten sind allerdings nach dem Sartorius-Bericht auf einen Absatz von jährlich vier Millionen ausgerichtet.

PSA steckt mittlerweile tief in den roten Zahlen. Weiter einbrechende Verkäufe auf den wichtigen Märkten Frankreich, Spanien und Italien sorgten im ersten Halbjahr für einen Verlust von 819 Millionen Euro.

Die Gewerkschaften geben sich unterdessen kampfbereit. Nur wenn sich kein Mitarbeiter arbeitslos melden müsse, werde man einen Kompromiss akzeptieren, hieß es von einem CFTC-Vertreter. Die Regierung hat nur indirekt Einfluss auf den Konzern. Im Gegensatz zu Renault ist der französische Staat nicht an PSA beteiligt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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