Gute Bilanz, aber Querelen
RAG muss sich bei Börsengang gedulden

Der RAG-Konzern – der frühere Ruhrkohle AG – fühlt sich fit für die Börse, lief es beim Essener Mischkonzern mit seinen Sparten Chemie, Immobilien und Energie im vergangenen Jahr doch hervorragend. Doch Querelen behindern den Gang aufs Parkett. Die Frage ist: Was passiert mit der Kohle?

HB ESSEN. Der Vorstand machte am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Essen deutlich, dass es mit der eigentlich für dieses Jahr geplanten milliardenschweren Emission wohl vor Frühjahr 2008 nichts werden wird. Gründe seien ausstehende politische Beschlüsse und unternehmerische Vorbereitungen. Müller zeigte sich optimistisch, durch den Börsengang mehr als die bislang veranschlagten 5,1 Mrd. Euro erlösen zu können. Zahlreiche Investoren hätten bereits angeklopft.

„Der Börsengang kann erst dann konkret geplant, rechtlich vorbereitet und terminiert werden, wenn das Kohlefinanzierungsgesetz in Kraft ist“, betonte RAG-Chef Werner Müller. Er gehe davon aus, dass das Gesetzeswerk, in dem der im Februar beschlossene Kohle-Kompromiss festgeschrieben werden soll, im kommenden Herbst den Bundestag passieren könnte. Ohne das Gesetz sei der Konzern in Gefahr, denn dann müssten die profitablen Sparten für Verluste aus dem Bergbau gerade stehen.

Der Kompromiss sieht neben einem Ausstieg aus der subventionierten Kohleförderung im Jahr 2018 auch vor, Risiken aus dem Bergbau mit den Einnahmen aus dem Börsengang zu decken. Dazu sollen Immobilien, Chemie und Energie von dem unter dem Dach der RAG gebündelten Steinkohlebergbau abgetrennt und in eine Stiftung eingebracht werden. Diese muss ebenfalls noch gegründet werden. Zudem soll ein neuer Name für den Konzern gefunden werden, mit dem dann auch der Name der Chemietochter Degussa wegfallen soll. Nach Verabschiedung des Gesetzes werde es wohl noch fünf bis sechs Monate dauern, bis der Gang aufs Börsenparkett erfolge, prognostizierte Finanzvorstand Heinz-Joachim Wagner.

Schutz vor feindlicher Übernahme

Wagner geht davon aus, dass zunächst 25 bis 30 Prozent der Anteilsscheine an den Kapitalmarkt gebracht werden. Damit könne der Konzern zunächst im MDax landen. Mit dem Verkauf weiterer Anteile könne er aber zum Kandidat für das Spitzensegment Dax werden. Allerdings sollen nicht alle Anteile versilbert werden. Müller strebt an, dass die Stiftung einen Rest von 25,1 Prozent an dem Börsen-Konzern hält, um einer kompletten Übernahme und einer Zerschlagung einen Riegel vorzuschieben.

Dem Verkauf einzelner Konzernteile als Alternative zum Börsengang erteilte Müller eine entschiedene Absage. Dieser würde zur Vernichtung von Tausenden von Arbeitsplätzen und dazu führen, dass die Stiftung nicht von den künftigen Dividenden des Konzerns profitieren könne. Er gehe nicht davon aus, dass die Politik dies wolle. Interesse an der RAG-Chemietochter Degussa hatte bereits Konkurrent Lanxess angemeldet. Müller betonte, es habe keinerlei Gespräche mit Lanxess gegeben – ebensowenig wie mit dem russischen Gazprom-Konzern, dem in Medienberichten ein Interesse an einem Einstieg bei der Energie-Tochter Steag nachgesagt worden war.

2006 hatte die RAG auch dank des Verkaufs von Teilbereichen einen Gewinnsprung verbucht. Der Nettogewinn kletterte von 200 Mill. auf 1,05 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) der fortgeführten Bereiche des RAG-Beteiligungskonzerns legte auf von 1,108 auf 1,234 Mrd. Euro und der Umsatz um 4 Prozent auf 14,8 Mrd. Euro zu. 2007 erwartet der Konzern laut Geschäftsbericht wegen weiterer Verkäufe von Randbereichen einen leichten Rückgang beim Umsatz und eine Stagnation beim Ebit. Um das Wachstum anzukurbeln, will Müller in den kommenden drei Jahren 4,4 Mrd. Euro investieren. Zudem plant er Zukäufe.

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