Häagen-Dazs
Ein Denkmal in Eis

Weil die Dänen die Juden im Zweiten Weltkrieg menschlich behandelt haben, widmete ihnen ein Amerikaner sein Produkt: Häagen-Dazs. Die Eismarke entwickelte sich schnell zum Marktführer in den USA und eroberte neue Märkte im Ausland. Heute wird ihre Entwicklung weiter vorangetrieben.

HAMBURG. Der Eiskremhersteller Reuben Mattus will sich im New York der 60er Jahre von den populären US-Eiskrem-Ketten Baskin-Robbins und Howard Johnson’s absetzen. Er sucht nach einem neuen Namen für sein Speiseeis, für das seine Familie seit den wilden Zwanzigern im Stadtteil Brooklyn berühmt ist.

Der künftige Markenname, ein reines Produkt seiner Fantasie, soll an Frische, Tradition und Qualität erinnern und europäisch klingen. Und er ist schnell gefunden: Häagen-Dazs (sprich: Hagen-Dass). Vor seinem inneren Auge sieht Mattus schmucke dänische Milchmädchen, die sorgfältig den Rahm von der Milch schöpfen. Der Umlaut „ä“, den er hinzufügt, ist allerdings kein Bestandteil der dänischen, sondern der deutschen Sprache. Ein Irrtum, der lange unentdeckt bleibt. Nichts liegt Mattus seinerzeit ferner, als auf deutsche Ursprünge zu verweisen.

Als Sohn polnischer Einwanderer jüdischen Glaubens will er mit „Häagen-Dazs“ den Dänen ein Denkmal auch dafür setzen, dass sie ihre jüdischen Bürgerinnen und Bürger während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg außerordentlich menschlich behandelt hatten und vor der Verfolgung durch das deutsche Unrechtsregime schützen wollten. Dies berichtet Mattus’ Gattin Rose in ihren Memoiren „The Emperor of Ice Cream“. Folglich lässt Mattus auf jeden Eiskrem-Karton noch eine Karte Dänemarks drucken.

Die Eis-Marke „Häagen-Dazs“, die im Gegensatz zu vielen anderen Nachkriegsprodukten keine künstlichen Aromen, sondern reine Sahne als Geschmacksträger enthält, entwickelt sich schon bald zum Marktführer in den USA und beginnt Anfang der 70er Jahre die Expansion nach Kanada und Asien. Zwar verkaufen die Mattus’ ihr Lebenswerk 1983 für 70 Mill. Dollar an den US-Nahrungsmittelhersteller Pillsbury, doch die couragierte Rose behält die Kontrolle über die Rezepturen, bis der Konzern Ende der 80er Jahre von Grand Met übernommen wird. Rose stirbt schließlich im Jahr 2006 – zwölf Jahre nach dem Tod ihres Ehemanns. Sie wird 90 Jahre alt.

Nach der Zerschlagung von Grand Met ist heute der US-Lebensmittelkonzern General Mills Eigentümer der Markenrechte von „Häagen-Dazs“ außerhalb Nordamerikas. Das Geschäft auf dem Heimatkontinent übernahm kurz nach der Jahrtausendwende der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller, die Schweizer Nestlé AG. Beide Teile des Geschäftes entwickeln sich seitdem prächtig.

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