Hakan Samuelsson
Neuer MAN-Chef trimmt den Konzern auf mehr Profit

Seit dem Stabwechsel Anfang Januar weht beim Maschinenbauer und Nutzfahrzeughersteller MAN ein anderer Wind. Hakan Samuelsson, der frühere Chef der Nutzfahrzeugsparte, hat nach dem Aufstieg an die Spitze des Unternehmens innerhalb weniger Monate gravierende Einschnitte vorgenommen.

dpa-afx FRANKFURT. Der 54-jährige Schwede, dem zuvor die Sanierung des Nutzfahrzeuggeschäfts gelungen war, machte bereits zur Bilanzpräsentation im Februar klar, dass er große Verluste in einzelnen Sparten in diesem Jahr nicht mehr akzeptieren wird.

Was das bedeutet, bekam die verlustreiche Bogendrucksparte nur einen knappen Monat später zu spüren: Samuelsson besiegelte die Schließung des Werkes im hessischen Geisenheim - über 300 Mitarbeiter müssen sich nun einen neuen Job suchen. Mancher kann möglicherweise auch im solide laufenden Rollendruck in Augsburg unterkommen. Bei den übrigen Bogendruck-Mitarbeitern in Mainhausen und in Offenbach drückte der Konzern kräftig die Kosten. Drei beziehungsweise bis zu vier Stunden länger müssen die Betroffenen nun arbeiten, ohne Lohnausgleich.

Auch bei B & W Diesel in England streicht der Konzern mehr als 300 Jobs, im Busbereich sollen etwa 1 000 Stellen eingespart werden. Bereits in den vergangenen Jahren waren bei MAN konzernweit mehrere tausend Jobs weggefallen. Vor allem bei der von Samuelsson verantworteten Nutzfahrzeugsparte wurde der Rotstift angesetzt.

Mitarbeiter berichten, dass mit Samuelsson nun auch ein neuer Führungsstil in die Münchener Zentrale eingezogen ist. "Das geht nun alles ein bisschen schneller", heißt es. Zu einer schlagkräftigen Einheit will der studierte Maschinenbauingenieur den häufig von Beobachtern als Konglomerat verschrienen Konzern machen. Aus dem häufig zu behäbigen Koloss soll ein agiles und reaktionsschnelles Unternehmen werden. Freie Bahn bekam der Konzernlenker Anfang des Jahres, als die bisherigen Großaktionäre Allianz , Commerzbank und Münchener Rück komplett ausstiegen. Seitdem befindet sich MAN komplett in Streubesitz.

Der Weg, den der neue MAN-Chef für seine ehrgeizigen Ziele vorgegeben hat, heißt: Konzentration auf fünf Kernbereiche. Alles Überschüssige und nicht Gewinnträchtige wird abgestoßen. So stehen derzeit vor allem kleinere Konzerneinheiten auf der Verkaufsliste - die Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) etwa, über die MAN schon seit längerem verhandelt, und MAN Wolffkran.

Mit den ersten Verkäufen ging es bereits nach Samuelssons Antritt Knall auf Fall: MAN Logistics etwa ging an das Management der Firma, das Geschäft mit mobilen Brücken erwarb der Rüstungskonzern Krauss Maffei. Erst jüngst ging zudem das Gießerei-Geschäft von SHW über den Tisch, Käufer war wieder das eigene Management. Als letzter Coup gelang Samuelsson noch zwei Tage vor der Hauptversammlung der Verkauf des verlustreichen, an den Bau der Ariane fünf gekoppelten Geschäfts der MAN Technologie an die Bremer OHB Technology.

Den übrigen Konzernteilen hat Samuelsson inzwischen nicht nur ein enges Korsett verordnet, sondern auch mit Blick auf das Ergebnis die Messlatte deutlich höher gesetzt. Konzernweit erhöhte er die Renditeziele. Und so muss selbst der aktuell größte Goldesel bei MAN, die Nutzfahrzeugsparte, noch bei den Kosten abspecken. Diese, so monierte Samuelsson, seien im Vergleich zu ausländischen Mitbewerbern - wie etwa seinem früheren Arbeitgeber Scania - zu hoch. Bereits seit geraumer Zeit wird daher mit den Gewerkschaften über weitere Kostensenkungen verhandelt.

Samuelssons Vorgänger Rudolf Rupprecht, der sich an diesem Freitag auf der MAN-Hauptversammlung in München als einfaches Mitglied in den Aufsichtsrat wählen lassen will, dürfte seinem Nachfolger derzeit zufrieden zuschauen. Denn so hatte der Konzern allein im ersten Quartal den Überschuss mehr als verdoppelt - dabei profitiert MAN noch immer vor allem von dem andauernden Nutzfahrzeugboom. Freudig registrieren das derzeit auch die Aktionäre. Ihre Aktien haben seit Jahresbeginn über 20 Prozent an Wert gewonnen.

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