Halbjahr
Zahl der Firmeninsolvenzen steigt deutlich

Der heftige Konjunktureinbruch treibt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland weiter in die Höhe. Ihre Zahl stieg im ersten Halbjahr um fast 15 Prozent - und die Entwicklung im Juni macht keine Hoffnung auf Besserung.

HB WIESBADEN/BERLIN. Der heftige Konjunktureinbruch treibt die Zahl der Firmen-Insolvenzen in Deutschland weiter in die Höhe. Im Juni stieg die Zahl der Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,9 Prozent auf 2788, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Bei den Verbrauchern ergab sich ein Anstieg um 4,1 Prozent auf 8434. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Insolvenzen einschließlich ehemals Selbstständiger um 7,0 Prozent auf 13 655. Trotz der leichten Erholung der Wirtschaft erwarten die deutschen Insolvenzverwalter in den kommenden Monaten einen weiteren deutlichen Anstieg der Firmenpleiten.

Insgesamt meldeten im ersten Halbjahr 16 142 Unternehmen Insolvenz an. Das ist ein Plus von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hingegen ging die Zahl der Privatinsolvenzen im Halbjahresvergleich um 2,6 Prozent auf 48 284 zurück. Insgesamt registrierten die Gerichte 78 846 Insolvenzen (plus 0,9 Prozent). Die offenen Forderungen der Gläubiger bezifferten die Gerichte auf 24,4 (Vorjahreszeitraum 14,7) Mrd. Euro. Für den Vergleich wurden die Daten aus 15 Bundesländern ausgewertet, da es in Nordrhein- Westfalen 2008 Probleme mit der Datenerhebung gab.

Der Insolvenzverwalterverband VID warnte am Mittwoch in Berlin davor, von 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal gleich auf eine nachhaltige Erholung zu schließen. Erstens gehe die Erholung von einem historischen Tief aus. Zweitens seien hier vermutlich Einmaleffekte am Werk, die durch staatliche Hilfen ausgelöst worden seien. Und drittens stehe bei wichtigen Schlüsselbranchen eine nachhaltige Erholung noch in weiter Ferne. Dies gelte etwa für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die Möbelindustrie. „Von einem Rückgang der Insolvenzanmeldungen bei Unternehmen ist deshalb vermutlich erst Ende 2010 auszugehen“, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands Siegfried Beck.

Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des VID, dass eine große Zahl eigentlich gesunder Unternehmen Insolvenz anmelden müsste. „Viele Unternehmen bleiben noch kurz vor Ende der Durststrecke liegen. Sie haben keine Reserven mehr, um ans rettende Ufer zu gelangen“, sagte Beck. Die Kreditvergabe der Banken sei weiterhin sehr vorsichtig. Die staatlichen Kreditprogramme hätten vor allem im Mittelstand noch nicht zu einer wirklichen Entlastung geführt.

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