HB FRANKFURT. In den ersten sechs Monaten stieg das Betriebsergebnis um 34 Prozent auf gut 1 Mrd. Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz legte um 17 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro zu, womit der weltweit größte vollständig im Familienbesitz befindliche Pharmakonzern auf eine Umsatzrendite von 19 Prozent kam. In den USA verzeichnete Boehringer mit rezeptpflichtigen Medikamenten ein Umsatzwachstum von 36 Prozent.
„Wir werden alles daran setzen, das hohe Niveau auch über das Gesamtjahr zu halten“, sagte Firmenchef Alessandro Banchi. Für das Gesamtjahr rechnet Boehringer mit einem Wachstum, das über dem des Weltpharmamarktes liegt. Wegen der Konkurrenz für das Medikament Mobic zur Behandlung von Gelenk-Erkrankungen durch Nachahmermedikamente in den USA werde das Umsatzplus 2006 aber nicht so stark wie 2005 ausfallen, als der Konzernumsatz um 17 Prozent auf 9,5 Mrd. Euro geklettert war. Die Umsatzrendite solle auf dem Niveau des ersten Halbjahrs bleiben. 2005 war der Welt-Pharmamarkt nach Angaben des Marktdatenanbieters IMS Health um 7 Prozent gewachsen.
Von der Fusionswelle in der Branche will sich das auf seine Unabhängigkeit pochende Unternehmen nicht mitreißen lassen. Boehringer-Chef Banchi hatte in einem Interview erklärt, an dem zum Verkauf stehenden Pharmageschäft des deutschen Rivalen Altana nicht interessiert zu sein. Da Boehringer keine großen Zukäufe plant, nimmt das Unternehmen auch in Kauf, nach der Übernahme von Schering durch Bayer vom ersten Platz unter den Arzneimittelherstellern in Deutschland auf Rang zwei zurückzufallen. In der Rangliste der weltweit größten Pharmakonzerne belegte das Unternehmen 2005 den 14. Platz.</</p>
US-Geschäft am wichtigsten
Im Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien legte Boehringer im ersten Halbjahr beim Umsatz um 21 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro, was rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Fast die Hälfte der Umsätze erzielte das Unternehmen in den USA. In Deutschland kam der Konzern mit rezeptpflichtigen Präparaten auf einen Umsatz von 230 Mill. Euro, ein Plus von 3 Prozent.
Als wichtige Umsatzstütze erwies sich nach Firmenangaben das Atemwegsmedikament Spiriva, das erste Medikament des Konzerns, das auf einen Jahresumsatz von mehr als 1 Mrd. Dollar kommt. Im ersten Halbjahr stiegen die Erlöse mit dem Präparat um 55 Prozent auf 640 Mill. Euro. Auch der Blutdrucksenker Micardis, der im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 32 Prozent auf 480 Mill. Euro schaffte, könnte Banchi zufolge auf dem Weg sein, dieses Jahr die Umsatzmilliarde zu knacken.
Dank des starken Wachstums schuf der Konzern im ersten Halbjahr weltweit 1 300 neue Stellen und beschäftigte weltweit rund 37 000 Menschen. In Deutschland kamen 300 Arbeitsplätze hinzu.