Halbleiter
Optimismus und schwarze Zahlen bei Infineon

Dem defizitären Chipunternehmen Infineon ist die Rückkehr in die Gewinnzone geglückt. Umsatz und Gewinn übertrafen die Erwartungen der Analysten leicht. Und der Ausblick auf das Gesamtjahr fällt optimistisch aus.
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HB NEUBIBERG. Der Halbleiterkonzern Infineon hat dank massiver Kosteneinsparungen und einer Erholung der Nachfrage erstmals seit fast drei Jahren wieder einen Gewinn eingefahren. Wie das Unternehmen am Donnerstag in Neubiberg bei München mitteilte, fiel in dem Ende September abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal ein Überschuss von 14 Mio. Euro an. Die Bilanz für das Geschäftsjahr 2008/2009 rettete das solide Schlussquartal zwar nicht, Vorstandschef Peter Bauer gab sich für die kommenden Monate aber wieder optimistischer. An der Börse wurden die Nachrichten am Morgen gut aufgenommen. Die Infineon-Aktie legte am Morgen um gut 1,7 Prozent auf 3,52 Euro zu.

Im Gesamtjahr brach der Umsatz allerdings von 3,9 auf 3,0 Mrd. Euro ein. Das Betriebsergebnis verschlechterte sich von minus 46 Mio. Euro auf einen Verlust von 220 Mio. Euro. Zumindest unter dem Strich sah das Ergebnis aber besser aus, da im Vorjahr die defizitäre Speicherchiptochter Qimonda den Mutterkonzern fast mit in den Abgrund gerissen hätte. Nach einem Netto-Verlust von mehr als 3,7 Mrd. Euro im vergangenen Jahr kam Infineon 2008/2009 auf einen Verlust von 671 Mio. Euro. Qimonda ist mittlerweile pleite und steckt in der Liquidation.

Infineon-Chef Peter Bauer zog die Notbremse und verordnete dem Konzern ein hartes Sparprogramm, dem im vergangenen Jahr rund 3500 Stellen zum Opfer fielen. Außerdem schaffte es der Vorstand, neue Aktien am Markt zu platzieren und löste so seine Geldsorgen. Die Kapitalerhöhung spülte rund 725 Mio. Euro in die Kasse, der Verkauf der Sparte für drahtgebundene Kommunikationschips brachte nochmals 243 Mio. Euro. Infineon ist damit nicht nur schuldenfrei, sondern hat nun auch wieder rund 650 Mio. Euro in der Kasse.

Für die kommenden Monate gab sich Bauer am Donnerstag vorsichtig optimistisch. Vorausgesetzt, die Weltwirtschaft erholt sich weiter, rechnet Infineon 2009/2010 mit einem Umsatzplus von mindestens zehn Prozent. Besonders das Geschäft mit Autochips dürfte sich erholen und auch auf das Geschäft mit Chips für Handys setzt der Konzern Hoffnungen. Das operative Ergebnis soll deutlich steigen.

Allerdings macht Infineon seinen Ausblick vom Verkauf seiner französischen Fertigungsstätte Altis abhängig. Die hatte der Konzern bislang vergeblich versucht loszuschlagen. Schon im dritten Quartal hatte das Gemeinschaftsunternehmen für Abschreibungen gesorgt. Sollte der Verkauf misslingen, stellt sich Infineon im schlimmsten Fall auf neue Belastungen ein.

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