Halbleiterindustrie
Chipfirmen locken Investoren

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen hat es in der Chipindustrie bislang nur wenige große Übernahmen durch Private-Equity-Häuser gegeben. Doch das wird sich nach Ansicht von Experten schon bald ändern. Die Preise für die Unternehmen sinken, das macht sie für Finanzinvestoren attraktiv.

DRESDEN. „Finanzinvestoren werden sehr aktiv werden, weil sie sehen, dass viele Firmen unterbewertet sind“, sagte Derek Lidow, Chef des amerikanischen Marktforschers iSuppli, am gestrigen Dienstag auf der Halbleitertagung des Handelsblatts in Dresden. „Die Preise für die Unternehmen sinken und sind jetzt wieder auf einem Niveau, mit dem man langfristig leben kann“, sagte Uwe Steinbacher von der Frankfurter Brockhaus Private Equity. Nach Ansicht des Fondsverwalters sind die Halbleiter heute „einer der wichtigsten Bereiche, in die man investieren kann“. Der Grund: Die Umsätze der Branche werden in den nächsten Jahren kräftig zulegen. Der Manager rechnet Jahr für Jahr mit einem zweistelligen Plus. Steinbacher: „Der langfristige Aufwärtstrend ist intakt, das ist wichtig für einen Finanzinvestor.“

In der Chipbranche gab es in den vergangenen Jahren zwar viele kleinere Übernahmen durch Finanzinvestoren. Große Akquisitionen wie in anderen Branchen waren aber eher selten. Die ersten wirklich bedeutenden Deals gab es vergangenes Jahr. Dabei kaufte ein Konsortium von Blackstone, Carlyle und Texas Pacific die Firma Freescale, die Chipsparte von Motorola, für 17,6 Mrd. Dollar. Das entsprach dem Zweieinhalbfachen eines Jahresumsatzes von Freescale. Für 4,5 Mrd. Dollar übernahm eine Gruppe um KKR den Halbleiterbereich von Philips. Dies war deutlich weniger als ein Jahresumsatz der inzwischen in NXP umbenannten Sparte.

Im laufenden Jahr kam es noch zu keiner großen Transaktion. Für Aufsehen sorgte lediglich Francisco Partners. Das Private-Equity-Unternehmen aus Kalifornien beteiligte sich unter der Regie des ehemaligen Infineon-Chefs Ulrich Schumacher an einem neuen Gemeinschaftsunternehmen der Chipriesen Intel und ST Microelectronics. In dem Joint-Venture werden die Konzerne ihr angeschlagenes Speicherchipgeschäft bündeln.

Weltweit gibt es derzeit nach Schätzungen der Marktforscher von iSuppli mehr als 700 Firmen in der Chipindustrie. Obwohl seit Jahren über eine Konsolidierung spekuliert wird, ist es aber nicht dazu gekommen. Im Gegenteil: Vor allem in China entstehen laufend neue Anbieter. Auch die Private-Equity-Branche hat sich bislang nicht daran gemacht, mehrere große Firmen zusammenzufassen.

Dabei wäre das nach Ansicht von Experten der Schlüssel, um viel Geld zu verdienen. „Wer Käufe gut meistern kann, dem winken enorme Gewinne“, sagte Analyst Lidow. Das größte Hindernis: Statistiken beweisen, dass die meisten Übernahmen in der Chipbranche in den vergangenen Jahren nicht erfolgreich waren. „Die Firmen waren damit überfordert“, so iSuppli-Chef Lidow.

Das scheint sich mit dem Einstieg der Finanzinvestoren nun zu ändern. „Wir sind seit der Trennung von Philips schneller, flexibler und aggressiver geworden“, sagte NXP-Manager Kurt Sievers in Dresden.

Finanzinvestoren haben mehrere Möglichkeiten, den Wert von Chipfirmen zu steigern. Ein Weg ist, die eigenen Fabriken zu verkaufen und sich ganz auf die Entwicklung zu konzentrieren. „Anbieter ohne Werke werden in der Regel höher bewertet“, sagte Experte Lidow.

Derzeit sieht es nicht so aus, als würde die Finanzkrise in Amerika weitere Deals verhindern. „Womöglich werden manche Transaktionen verschoben. Da sich Finanzinvestoren inzwischen aber oft für einen Kauf zusammenschließen, sind auch immer größere Deals möglich“, sagte Brockhaus-Manager Steinbacher.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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