Haldex-Übernahme
Knorr-Bremse bietet EU Zugeständnisse an

Im Ringen um die Übernahme des Bremsenherstellers Haldex hat Knorr-Bremse den EU-Wettbewerbshütern den Verkauf von Geschäftsfeldern der Schweden vorgeschlagen. Die Entscheidung der Behörde soll bis 30. November fallen.
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MünchenIm Ringen um die Übernahme des Bremsenherstellers Haldex hat Knorr-Bremse den EU-Wettbewerbshütern den Verkauf von Geschäftsfeldern der Schweden vorgeschlagen. „Wir haben Zugeständnisse auf den Gebieten ‚Scheibenbremse‘ und ‚Bremssteuerung‘ angeboten“, sagte Knorr-Bremse-Chef Klaus Deller in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview.

„Wir haben für beide Produktbereiche Käufer gesucht und Angebote auf dem Tisch liegen.“ Details wollte Deller nicht nennen. Die EU-Kommission hatte Ende Juli eine eingehende Prüfung der geplanten Übernahme angeordnet, um sicher zu stellen, dass der Wettbewerb bei Bremsen nicht eingeschränkt wird. Die Entscheidung der Behörde soll bis 30. November fallen. Die Haldex-Spitze stemmt sich gegen die Übernahme.

Deller bekräftigte seine Zuversicht, dass Knorr-Bremse die Bedenken der Wettbewerbshüter ausräumen und die schwedische Firma übernehmen kann. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sind vorbereitet für Phase II und in enger Kommunikation mit den Behörden.“ Die Wettbewerbshüter müssten jetzt ihre Bedenken konkret mit Fakten belegen.

In Phase II muss nach Dellers Angaben die EU-Kommission Beweise liefern. Knorr-Bremse habe genaue Angaben „auf technischer, rechtlicher und Wettbewerbsseite“ gemacht und sich dies einen zweistelligen Millionenbetrag kosten lassen. „Wir überlassen nichts dem Zufall und tun alles von unserer Seite, um diese Transaktion zu Bedingungen umzusetzen, die für uns tragbar sind.“

Knorr-Bremse sei zudem „in engem Kontakt“ mit Aktionären von Haldex. „Wir haben mit einer ganzen Reihe von Investoren gesprochen.“ Fast überall sei man auf Unterstützung gestoßen. „Letztendlich gehört die Firma den Anteilseignern. Wir werden uns daran halten, was die Aktionäre wollen.“ Knorr-Bremse hat veranlasst, dass Haldex eine außerordentliche Hauptversammlung einberuft, die in zwei Wochen stattfinden soll.

Auf die Frage, ob er am 17. August mit mehrheitlicher Zustimmung zum Übernahmeangebot rechne, antwortete Deller: „Ich habe Hoffnung, aber die Aktionäre sind frei in ihrer Entscheidung. Wir werden ihr Votum respektieren.“ Das sollte nach seinen Worten auch die Haldex-Spitze tun.

Die Schweden, die vor vier Wochen ihre Unterstützung für das rund 580 Millionen Euro schwere Angebot aus München überraschend zurückgezogen hatten, kündigten zuletzt an, von dieser Entscheidung nicht abzurücken – unabhängig vom Ausgang des Aktionärstreffens.

Die Kritik, die Übernahmeofferte beeinträchtige inzwischen das Geschäft der Schweden, kann Deller nach eigenen Worten nicht nachvollziehen. Haldex habe selbst „ordentlich dazu beigetragen, dass der Prozess sich verlängert“. Er könne gut verstehen, dass alle Beteiligten Klarheit wollten, auch die Beschäftigten.

Zugeständnisse an die Haldex-Arbeitnehmer macht Deller aber nicht: „Es gibt keinen Freifahrtsschein, keine Bestandsgarantie für irgendeinen Standort – auch nicht bei Knorr-Bremse“. Ziel der Übernahme sei, gemeinsam mit Haldex zu wachsen. Die Frage, ob dies bedeute, dass keine Stellen abgebaut würden, ließ der Manager offen. „Jeder Standort hat die Freiheit, um für sich zu kämpfen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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