Haldex-Übernahme
Knorr-Bremse übertrumpft ZF Friedrichshafen

Zwei deutsche Automobilzulieferer kämpfen um die schwedische Haldex. Das Familienunternehmen Knorr-Bremse hat mit seinem Angebot für den Lkw-Zulieferer jetzt den Konkurrenten ZF Friedrichshafen übertrumpft.

FrankfurtDer Bremsen-Hersteller Knorr-Bremse fährt ZF Friedrichshafen bei der Übernahme des schwedischen Lkw-Zulieferers Haldex in die Parade. Das bayerische Familienunternehmen überbot das Kaufangebot des Branchenriesen vom Bodensee am Montag um ein Zehntel. Insgesamt bietet Knorr-Bremse umgerechnet 508 Millionen Euro für Haldex und hält nach eigenen Angaben bereits 8,4 Prozent an dem Spezialisten für Bremsen und Luftfederungen für Lkw.

ZF hatte bei Haldex zuvor den deutsch-amerikanischen Lkw-Kupplungshersteller SAF-Holland ausgestochen. Bisher ist das Management von Haldex auf der Seite von ZF, auch wenn Knorr-Chef Klaus Deller in einer Telefonkonferenz betonte: „Das Angebot ist auf jeden Fall freundlich.“

Knorr, Haldex und die amerikanisch-belgische Wabco sind die drei größten Hersteller von Nutzfahrzeugbremsen weltweit. Bedenken, die Übernahme könnte an Kartellproblemen scheitern, wischte Deller beiseite. „Wir sind da sehr optimistisch.“ Er sei seit mehreren Wochen im Gespräch mit der Haldex-Spitze. „Das ist kein spontaner Schritt, wir sind sehr gut vorbereitet“, beteuerte der Knorr-Bremse-Chef.

„Wir werden unsere umfassende Expertise im Truck-Geschäft, unsere globale Technologieführerschaft und unsere langfristige Orientierung als Familienunternehmen einbringen“, umwarb Deller die Schweden. Haldex reagierte nüchtern: Der Vorstand werde die Knorr-Offerte prüfen und entsprechend die Öffentlichkeit informieren. Deller liest daraus eine wohlwollende Reaktion.

ZF zeigte sich überrascht von dem Vorstoß des Patriarchen Heinz Hermann Thiele, dem Knorr seit gut 30 Jahren gehört und der auch am Bahntechnik-Konzern Vossloh beteiligt ist. „Wir glauben, dass unser Barangebot über 100 Kronen je Aktie fair ist und den langfristigen Wert einer Kombination aus ZF und Haldex angemessen widerspiegelt“, hieß es aus Friedrichshafen. ZF werde die Lage nun neu bewerten.

Die Haldex-Aktionäre setzen bereits auf eine Fortsetzung des Bieterkampfs: Das Papier schoss an der Stockholmer Börse um zehn Prozent auf 114,50 schwedische Kronen - über die von Knorr-Bremse gebotenen 110 Kronen hinaus. „Das war es noch nicht, wenn man bedenkt, dass ZF so ein starker Bieter ist“, erklärte Analyst Hampus Engellau von Handelsbanken Capital Markets. Ein erfolgreiches Gebot werde zwischen 115 und 120 Kronen je Haldex-Anteil liegen.

Deller verwies auf die tiefen Taschen von Knorr-Bremse. Der Kauf könne aus den Barreserven finanziert werden, sagte er. Das Unternehmen sei schuldenfrei und habe 1,4 Milliarden Euro an liquiden Mitteln. Offiziell vorgelegt werden soll das Angebot von Knorr-Bremse rund um den 26. September – kurz vor dem Auslaufen der ZF-Offerte. Diese läuft bis 30. September.

Knorr hatte dieselbe Investmentbank und denselben PR-Berater angeheuert wie zuvor SAF-Holland. Als Mindestannahmequote hat Knorr 90 Prozent der Haldex-Anteile festgelegt – ebenso wie ZF. Allerdings können Bieter für Unternehmen in Schweden darauf nachträglich leichter verzichten als in Deutschland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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