Hamburgs Politik und Wirtschaft sind eng verbunden
Hanseaten unter sich

Hamburg gilt als Tor zur Welt. Wenn sich allerdings ausländische Konzerne in Hamburger Unternehmen einkaufen, bekommen sie heftigen Widerstand zu spüren. Kein anderes Bundesland vertritt seine Standortinteressen so offensiv wie der Stadtstaat. Nicht nur bei Hapag-Lloyd mischt die Stadt mit.

DÜSSELDORF. Rund 400 Beschäftigte der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd haben sich kürzlich auf den Weg nach Berlin gemacht. Vor der Botschaft Singapurs demonstrierten sie gegen den Verkauf ihres Unternehmens an den fernöstlichen Rivalen Neptune Orient Lines (NOL). Die Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze, falls der Mutterkonzern Tui das Tochterunternehmen an ausländische Investoren verkauft.

Doch die Beschäftigten haben einen mächtigen Verbündeten: den Stadtstaat Hamburg. Während sich anderswo in der Republik Politiker bei Übernahmeschlachten auf wohlfeile Appelle beschränken, die von den Investoren nur müde belächelt werden, will sich Hamburg in das bedrohte Schifffahrtsunternehmen selber einkaufen. Die Hansestadt hat sich an die Spitze eines Bieterkonsortiums gesetzt, das NOL mit einem höheren Angebot ausstechen will.

Hapag-Lloyd ist kein Einzelfall: Die Hansestadt vertritt ihre Standortinteressen offensiver als jede andere Landesregierung. Immer wieder tritt der Stadtstaat auf wie ein Investor.

Als 2003 bei dem Kosmetikhersteller Beiersdorf der Konkurrent Procter & Gamble einsteigen wollte, fädelte der damalige Finanzsenator Wolfgang Peiner mit der örtlichen Wirtschaft einen Deal ein. Der Hamburger Handelskonzern Tchibo übernahm die Mehrheit an Beiersdorf, die Stadt kaufte zehn Prozent. Inzwischen hat die Stadt ihren Anteil mit einem Gewinn von sieben Millionen Euro wieder verkauft.

In diesem Frühjahr stieg der Stadtstaat bei dem Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie ein. Das Unternehmen und der Senat befürchteten, dass der österreichische Investor Mirko Kovats die Norddeutsche Affinerie mit einem ausländischen Konzern fusionieren und abziehen könnte. Die Stadt sicherte sich kurz vor der Hauptversammlung für rund 59 Millionen Euro fünf Prozent der Anteile, um mit befreundeten Investoren gegen eine Standortverlagerung anzukämpfen. Die Aktion glückte. Vor eineinhalb Monaten hat Hamburg sein Engagement beendet, ebenfalls mit einem Gewinn von rund sieben Millionen Euro. Die Anteile hat die Salzgitter AG übernommen - "ein Partner, der die positive Entwicklung der Norddeutschen Affinerie am Standort Hamburg weiter fördert", wie die Landesregierung vermeldete.

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