Handel lotet künftige Preisstrategie aus
Höhere Preise wird es schon früher geben

Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte wird nach Meinung von Experten vor allem die Hersteller und weniger den Handel treffen.

DÜSSELDORF „Die meisten Lieferanten des Einzelhandels müssen sich darauf gefasst machen, dass sie am Ende die Zeche zahlen“, sagt Andreas von der Gathen, Handelsexperte bei der auf Preispolitik spezialisierten Beratungsfirma Simon-Kucher. Die Gewinnmarge des Handels dürfte dagegen nur in wenigen Fällen unter der staatlich verordneten Preiserhöhung leiden: „Nur wo Markenhersteller besonders stark sind, werden sie den Händlern ab Anfang 2007 höhere Rechnungen schreiben“, glaubt von der Gathen.

Als Beispiele nennt er den Möbelhersteller Rolf Benz, den amerikanischen iPod-Lieferanten Apple oder den Computerriesen Hewlett-Packard. „Der Handel wird die Industrie massiv pressen, um bei den ursprünglichen Schwellenpreisen zu bleiben“, prognostiziert auch Ulrich Eggert, Geschäftsführer der Kölner Unternehmensberatung BBE. Einige Lieferanten werden vermutlich im Gegenzug an den Produkten sparen – etwa bei Fernsehgeräten auf Sonderfunktionen oder bei Computern auf teure Software verzichten.

Die Rollen in der Konsumgüterbranche wurden schon vor Wochen klar verteilt, als Handel und Industrie noch mit einem fulminanten Wahlsieg der CDU rechneten. Dieser hätte eine Mehrwertsteuererhöhung schon für 2006 bedeutet. „Die schwachen Marken sollten zahlen“, berichtet Preisfachmann von der Gathen. Die meisten Handelshäuser könnten die damit verbundenen Preiserhöhungen von durchgerechnet 2,6 Prozent ohnehin nicht auffangen. Im Schuheinzelhandel etwa lag die Umsatzrendite zuletzt gerade einmal bei 3,4 Prozent, den Textilhändlern blieben im Durchschnitt lediglich 1,7 Prozent vom Umsatz.

Wo selbst den Lieferanten die Luft für Preisnachlässe fehlt, wie etwa in der Bekleidungs- oder Schuhindustrie, lotet der Handel bereits jetzt künftige Preisstrategien aus. Wie das Handelsblatt erfuhr, planen zwei größere Bekleidungshäuser, ab Januar 2007 auf traditionelle „Neuner“-Schwellenpreise zu verzichten. Mit Preisen wie „51,30 Euro“ wollen sie ihren Kunden deutlich machen, dass an den Nettopreisen nichts verändert wurde.

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