Handelsblatt Auto-Gipfel „Ohne großen Metallblock gibt es mehr Platz“

Die Elektrifizierung wird auch das Design eines Autos gehörig verändern. Schon sprechen die Chef-Gestalter in den großen Autokonzernen von „Goldenen Zeiten“. Wie sich Designer das Auto der Zukunft vorstellen.
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Volkswagen-Chefdesigner Michael Mauer (r.) zeichnet seine Vision vom Auto von morgen auf Papier. Franz W. Rother, Paolo Tumminelli und Laurens van den Acker (v.l.n.r) schauen ihm dabei über die Schulter. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Handelsblatt Auto-Gipfel in München

Volkswagen-Chefdesigner Michael Mauer (r.) zeichnet seine Vision vom Auto von morgen auf Papier. Franz W. Rother, Paolo Tumminelli und Laurens van den Acker (v.l.n.r) schauen ihm dabei über die Schulter.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

MünchenDie sich abzeichnende Elektrifizierung der nächsten Autogeneration erlaubt auch den Designern ganz neue Möglichkeiten. Vor allem im Innenraum eines Autos dürfte es deutlich mehr Platz geben. Beispielhaft ist der Prototyp ID, den Volkswagen auf dem Pariser Automobilsalon Ende September vorgestellt hatte. „Von außen ein Golf, von innen ein Passat“, propagierte der Wolfsburger Konzern die Vorzüge eines Elektromotors. Auf dem Münchener Auto-Gipfel des Handelsblatts haben die Design-Chefs der großen Autokonzerne über die neuen Möglichkeiten diskutiert.

Es klang fast ein wenig euphorisch, als Volkswagen-Chefdesigner Michael Mauer über die künftige Ausgestaltung eines Autos spekulierte. „Erst jetzt beginnen für uns Designer die goldenen Zeiten“, sagte Mauer, der von Porsche kommt und vor kurzem erst das Design des gesamten VW-Konzerns übernommen hat. Rein theoretisch könnte er einzelne Automarken über das Design komplett neu positionieren. Die entscheidende Frage sei dabei allerdings, ob das wirklich nötig und gewollt sei. Für die Designer gebe es jedenfalls keine Grenzen.

In den Autos der nächsten Generation mit Batterieantrieb dürfte es auf jeden Fall mehr Platz geben, davon ist Mauer überzeugt, „weil es den großen Metallblock nicht mehr gibt.“ Verbrennungsmotoren, ob nun Diesel oder Benziner, nehmen im Inneren eines Fahrzeugs deutlich mehr Raum ein. Die Motorisierung eines Autos sei allerdings nur eine von mehreren Komponenten, die die Architektur eines Wagens bestimmten.

Mit der weiter fortschreitenden Elektrifizierung gibt es auch neue Komponenten, die zusätzlich ins Auto kommen werden. BMW-Designchef Adrian van Hooydonk nannte etwa die vielen Sensoren, die für das Autonome Fahren gebraucht und die auch etwas von dem Platz in Anspruch nehmen werden, den die Verbrennungsmotoren frei machen.

Der neue Elektromotor wird andere Gestaltungsmöglichkeiten zulassen. Benziner oder Diesel benötigen vorne an der Frontpartie heute noch größere Luftschlitze zur Kühlung. Mit dem Batterieantrieb wird das nicht mehr nötig sein, also ergeben sich auch neue Chancen für das Design. Was wird mit der BMW-Niere vorn am Auto passieren? Adrian van Hooydonk beruhigte seine Zuhörer: Typische Gestaltungsmerkmale, die zum Bild einer Marke dazugehören, würden sicherlich nicht verschwinden. „Unser Markenzeichen werden wir vorne am Auto auch nicht senkrecht anbringen“, versicherte der BMW-Chefdesigner.

Was die weltweit wichtigsten Autoländer bewegt
Ausblick auf den Automarkt
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Ob ein Automarkt floriert oder einbricht, hängt immer öfter mit dem staatlichen Handeln zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Weltweit haben die Experten die Situation auf den Automärkten analysiert und zeigen den starken Einfluss von Subventionen, Steuersenkungen und Marktanreizen. Ein Überblick.

China
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Der chinesische Markt war jahrelang das El Dorado der Branche. Großes Wachstum und ebenso große Margen gingen Hand in Hand. Durch staatliche Anreize dürfte der Autoabsatz in China das Jahr mit einem Plus von acht Prozent abschließen. Nächstes Jahr soll es mit einem Plus von fünf Prozent auf 24 Millionen Fahrzeuge etwas langsamer vorangehen.

USA
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erWegen des niedrigen Ölpreises und der niedrigen Zinsen steuert der US-Markt auf ein neues Rekordjahr zu. Allerdings fällt der Zuwachs mit einem Prozent sehr mager aus. Im kommenden Jahr rechnen die Experten sogar damit, dass der Markt um zwei Prozent auf 17,6 Millionen verkaufte Fahrzeuge schrumpfen könnte.

Japan
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Der japanische Automarkt ist seit Jahren auf einer Achterbahnfahrt – gefangen zwischen starkem Yen und neuen Kaufanreizen durch die Regierung. Nach einer Mehrwertsteuererhöhung und einem Absturz hat sich der Absatz dieses Jahr wieder bei fünf Millionen verkauften Fahrzeugen stabilisiert. Im kommenden Jahr wird ein Wachstum von fünf Prozent erwartet.

Großbritannien
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Auf der Insel geht das Brexit-Gespenst um. Obwohl noch nicht einmal die Verhandlungen über den Ausstieg aus der EU begonnen haben, rechnen die Experten mit einem Abschwung des Automarktes. Im Jahr 2016 legt der Markt zwar noch leicht zu, für 2017 wird ein Absturz um neun Prozent erwartet.

Deutschland
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Der deutsche Automarkt hat sich von seiner Schwäche erholt und dürfte das laufende Jahr mit einem Plus von fünf Prozent und 3,35 Millionen verkauften Fahrzeugen abschließen. Im Jahr 2017 soll es langsamer vorangehen. Vorausgesagt wird ein Wachstum von einem Prozent.

Frankreich
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Die französischen Autobauer PSA und Renault können aufatmen. Ihr Heimatmarkt entwickelt sich mit eine Plus von sechs Prozent oder 2,1 Millionen verkauften Fahrzeugen wieder überdurchschnittlich, allein der Diesel schwächelt. Allerdings soll das Absatzplus im kommenden Jahr mit drei Prozent deutlich geringer ausfallen.

Bei Volvo wollen die Designer an Frontansicht und Logo festhalten, die Kunden haben sich an das Erscheinungsbild des schwedischen Herstellers gewöhnt. Aber es gibt noch mehr. „Die Markenerkennung über die Scheinwerfergestaltung ist zu einem ganz wichtigen Thema geworden“, erläuterte Volvo-Designchef Thomas Ingenlath auf dem Auto-Gipfel in München.

Auch bei Renault dürfte der Elektromotor für größere Veränderungen sorgen. „Vielleicht werden die Fahrzeuge wirklich wieder leerer“, sagte Renault-Designchef Laurens van den Acker. Er spielte damit auf die vielen neuen Bedienelemente und Technikneuheiten an, die schon in den vergangenen Jahren im Auto Einzug gehalten und Platz verbraucht haben.

„Ästhetik und Schönheit spielen immer noch eine Rolle“
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4 Kommentare zu "Handelsblatt Auto-Gipfel: „Ohne großen Metallblock gibt es mehr Platz“"

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  • Äh doch, da gibt es einen riesigen Metallblock -die Batterie.

  • "Frau Annette Bollmohr
    Als gäbe es nicht mehr als genug Sinnvolleres zu tun, und zwar für jeden."

    Wie zum Beispiel aber auch jeden Artikel zu kommentieren.....

  • Und wo lassen die Herren Designer die riesigen, schweren Batterieblocks? Einfach vergessen, oder? Und der Motor, der vorn sitzen "muss", wegen der Kühlung. Schon mal was von Mittelmotor oder gar Heckmotor gehört? "Benziner oder Diesel benötigen vorne an der Frontpartie heute noch größere Luftschlitze zur Kühlung." Oh mein Gott. DIE wollen die Zukunft des Automobils gestalten? Ich fahr bloß noch Oldtimer.

  • Das Design...Aerodynamisch würde ich mal sagen. Und Batterien bleiben Batterien und werden einen Verbrennermotor nicht das Wasser reichen können.
    Goldene Zeiten wird es mit dem E-Auto nicht geben. Schließlich ist Tesla schon seit Jahren auf dem Markt und jeder will einen Tesla....wohl kaum!

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