Handelsblatt Autogipfel
Winterkorn will die Datenhoheit

„Die deutsche Wirtschaft darf das Internet nicht Apple und Google überlassen“, sagt Martin Winterkorn. Der VW-Chef will bei vernetzten Autos das Heft in die Hand nehmen. Daimler-Chef Zetsche verspricht sichere Daten.
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MünchenDie deutsche Autoindustrie will sich im Kampf mit den Internetkonzernen nicht die Spielregeln diktieren lassen. „Wir Autobauer müssen alles daran setzen, den Datenzugriff nicht leichtfertig aus der Hand zu geben“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag auf dem Handelsblatt-Autogipfel in München. „Die deutsche Wirtschaft darf das Internet Apple, Google und Co. nicht überlassen“, mahnt Winterkorn.

Winterkorn spielt wie Daimler-Chef Dieter Zetsche auf die wachsende Vernetzung der Autos mit dem Internet an. Diese Vernetzung wird in den kommenden Jahren drastisch zunehmen. Für die Autohersteller bedeutet das eine massive Veränderung der Geschäftsprozesse. „Heute liegt der Wertschöpfungsanteil der Elektronik an einem Fahrzeug wie dem Golf bei rund 30 Prozent. Im Jahr 2020 werden es bereits 50 Prozent sein“, sagt Winterkorn. Bereits jetzt beschäftige VW 10.000 IT-Spezialisten weltweit.

„Es ist ganz entscheidend, wie wir unsere Unternehmen führen“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in München, der die Führungsriege offener für digitale Themen machen will. Denn die Stuttgarter haben vor allem eine Vision: Die des autonomen und unfallfreiem Fahrens.

„Das selbstständige Auto weiß immer, wo es ist, was es sieht und wie es reagieren soll“, sagte Zetsche. „Das autonome Fahren ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern des Wann“, so der Daimler-Chef, der bereits im vergangenen Jahr eine autonom fahrende S-Klasse vorgestellt hat. Die enorme Menge an Daten, die in einem computergesteuerten Auto anfällt, will Daimler für sich und seine Kunden unter Kontrolle behalten. „Wir wollen nicht nur für unsere Kunden die sichersten Autos bauen, sondern auch für ihre Daten“, versprach Zetsche.

Der Übergang zum vernetzten und autonom fahrenden Auto hat gerade erst begonnen. „Das alles ist kein Selbstläufer, der Wettbewerb um die Zukunft wird knallhart sein“, mahnte VW-Chef Winterkorn. „In Summe hat die Autoindustrie noch nie so gute Aussichten gehabt wie heute“, so Zetsche. Es ist alles eine Sache der Perspektive.

Kommentare zu " Handelsblatt Autogipfel: Winterkorn will die Datenhoheit"

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  • Herr Winterkorn soll schauen, dass seine miese Rendite von unter 2 % dem VW Konzern nicht das Genick bricht. Ohne Audi u. Porsche wäre tote Hose in der Bilanz.
    Dass mit der Vernetzung u. dem INet soll er Jüngeren überlassen.
    Ein junger Nachfolger würde das souverän meistern!

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