Handelsblatt-Bilanz
Hauptversammlungen vor leeren Rängen

Desinteresse und gähnende Leere auf den Rängen: Im Jahr eins der weltweit schwersten Rezession in der Nachkriegsgeschichte interessieren sich die Anleger weit weniger für ihre Unternehmen als im vergangenen Boom. An brisanten Themen mangelte es nicht und dennoch erschien nur etwas mehr als die Hälfte des stimmberechtigten Kapitals.

DÜSSELDORF. Stahlbaron Lakshmi Mittal sollte prüfen, ob sein Konzern statt in Luxemburg nicht besser in Deutschland angesiedelt wäre. Dann wären ihm die aufgebrachten Stahlarbeiter und Aktionäre wohl erspart geblieben, die jüngst zur Arcelor-Mittal-Hauptversammlung den Eingang zur Zentrale versperrten und sich Schlachten mit der Polizei lieferten.

Denn in Deutschland zeichnen sich Hauptversammlungen mehr und mehr durch Desinteresse und leere Ränge aus. Zur Hauptversammlung der Deutschen Börse etwa erschienen zwar rund 1 100 Teilnehmer – fast ein Drittel davon aber waren Gäste und Medienvertreter.

Die Anleger bleiben fern, wie die Handelsblatt-Bilanz nach den Hauptversammlungen der 30 Dax-Konzerne in diesem Frühjahr belegt, die am Mittwoch mit der Vollversammlung der Anteilseigner des Stahlkonzerns Salzgitter in der Stadthalle Braunschweig zu Ende ging.

Damit steht fest, dass zwischen Januar und Mai auf den wichtigsten Jahrestreffen der Firmen nur 57,6 Prozent des stimmberechtigten Kapitals erschienen. Damit kippt ein langer Trend. Etliche Anreize der Unternehmen und Politik zur vereinfachten Stimmrechtsabgabe hatten die Präsenzen drastisch steigen lassen: von 46 Prozent im Jahr 2005 auf 60 Prozent im vergangenen Jahr.

Beispiel Commerzbank: An turbulenten Themen mangelte es der zweitgrößten deutschen Bank angesichts ihrer finanziellen Schieflage und der Staatshilfe beileibe nicht. Das belegen die schier endlosen Debatten von Freitagmorgen bis Samstagmittag. Solch lange Jahrestreffen genießen selbst im diskussionsfreudigen Deutschland Seltenheitswert. Doch am Ende frohlockte eigentlich nur einer, der künftige Großaktionär: Weil sich insgesamt nur gut ein Drittel des stimmberechtigten Kapitals für die Geschicke der Commerzbank interessierten, war die vorgesehene Zwei-Drittel-Mehrheit bei der Abstimmung für den geplanten Staatseinstieg ungefährdet. Mehr noch: Rechnet man die beiden Großaktionäre Allianz und Generali heraus, dann verloren sich auf der Hauptversammlung gerade einmal 13,5 Prozent der Anleger.

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