Handelsblatt Business-Monitor
Die Spinne im Netz

Deutsche Unternehmen werden in den nächsten Jahren verstärkt weitere Forschungs- und Entwicklungskapazitäten im Ausland aufbauen. Davon zeigen sich gut zwei Drittel der befragten Top-Manager im aktuellen Handelsblatt Business-Monitor überzeugt.

DÜSSELDORF. An der repräsentativen Umfrage des Psephos-Instituts im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. nahmen 806 deutsche Führungskräfte teil.

Insgesamt erwarten 63 Prozent der Befragten eine weitere Stärkung der Forschung & Entwicklung (F&E) an den ausländischen Standorten der Firmen. Je größer die Unternehmen, desto eher rechnen die Entscheider mit einer solchen Entwicklung: Bei Führungskräften in Konzernen mit mehr als 5 000 Beschäftigten sind es bereits 76 Prozent, wie der Handelsblatt Business-Monitor ergab.

Die Top-Entscheider wurden auch danach gefragt, welche Motive sie hinter dem Trend zum Ausbau von F&E im Ausland sehen: Dabei zeigt sich ein Mix aus Kostenüberlegungen, Nähe zum Markt und der Qualifikation der Techniker, die im Ausland mittlerweile erreicht wird. 75 Prozent nannten niedrige Löhne für Fachkräfte als Motiv, deren hohe Qualifikation nannten 41 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich). Immerhin gut die Hälfte der Top-Manager macht auch das schlechte Forschungsklima in Deutschland für die Ausweitung von F&E im Ausland verantwortlich. Eine Minderheit von 35 Prozent aller befragten Manager erwartet keine zunehmende Verlagerung von F&E – aus ihrer Sicht sind dafür höhere Qualifikation der Mitarbeiter in Deutschland und Nähe zu hiesigen Hochschul- und Forschungseinrichtungen entscheidende Motive.

Die Ergebnisse decken sich mit Beobachtungen von F&E-Experten und Unternehmensberatern. „Der Trend zeichnet sich seit mehreren Jahren ab: Es geht nicht um Verlagerung, sondern darum, dass viele Unternehmen zusätzliche Kapazitäten in Forschung & Entwicklung fast nur noch im Ausland aufbauen“, sagt Frank Zurlino, geschäftsführender Partner bei Droege & Comp. Bayer-Vorstandschef Werner Wenning brachte diese Entwicklung jüngst auf einem Managamentkongress auf die griffige Formel: „Die Produktion folgt den Märkten, und die Forschung & Entwicklung folgt der Produktion.“ Folge: Die F&E-Ausgaben der deutschen Chemie stiegen mittlerweile nur noch im Ausland, sagte Wenning.

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