Handelsblatt Business-Monitor: Zulieferer müssen mit Nachverhandlungen rechnen
Firmen erwarten steigende Materialpreise

Etwa die Hälfte der deutschen Unternehmen rechnet damit, dass ihre Materialkosten in den kommenden zwölf Monaten steigen. Dies gilt auch, wenn sich der Ölpreis leicht entspannt, wie es in den vergangenen Tagen der Fall war. Nur ein Zehntel der Unternehmen geht von einer Entlastung beim Einkauf aus.

HB FRANKFURT. Das ist das Ergebnis des aktuellen Handelsblatt Business-Monitors, einer repräsentativen Umfrage des Hamburger Meinungsforschungsinstituts Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. Die Antworten ergaben, dass ein großer Teil der Unternehmen mit einer Bündelung der Einkaufsvolumina, Nachverhandlungen mit den Zulieferern und der Suche nach neuen Bezugsquellen auf die steigenden Kosten reagieren will.

Besonders hohe Belastungen erwarten neben dem direkt betroffenen Energiesektor die energieintensiv produzierenden Branchen wie die Chemie sowie die von hohen Stahlpreisen betroffene Maschinen- und Fahrzeugindustrie. Besonders der explodierende Stahlpreis trifft die Industrie empfindlich: „Dieser Anstieg kam überraschend und war nicht einkalkuliert. Entspannung ist nicht in Sicht: Auch 2005 wird der Preis hoch bleiben“, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA. Roh- und Betriebsstoffe machen bei den Maschinen- und Anlagenbauern rund 40 Prozent der Kosten aus.

Die Energiewirtschaft leidet besonders unter wachsenden Kosten für Kohle und Gas. Eine Entspannung ist auch in diesem Bereich nicht absehbar. Die Preise treiben die Kosten in den Kraftwerken und damit die Großhandelspreise nach oben. „Bei Kohle und Gas verzeichnen wir Höchststände“, sagte eine Sprecherin des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft: Zwischen Juni 2003 und Juni 2004 stiegen die Preise für eine Tonne Steinkohle zur Stromproduktion im Durchschnitt von 37 Euro auf fast 60 Euro. Die Ursache ist, wie beim Stahl, die hohe Nachfrage aus Asien. Bei der Energiewirtschaft ist allerdings der Druck nicht allzu hoch, weil die Erzeuger die Belastung weitgehend an ihre Kunden weiter geben können.

Anders sieht dies in anderen Branchen, wie beispielsweise der Fahrzeugindustrie aus: Beim Verband der Automobilindustrie wird seit Monaten zwischen Autobauern und Zulieferern darüber verhandelt, wie die steigenden Materialkosten aufgefangen werden können. Angesichts der schwachen Lage auf dem Automobilmarkt besteht kaum die Chance, höhere Kosten an die Kunden durchzureichen.

Hinzu kommt, dass die Automobilhersteller in den vergangenen Jahren gerade niedrigere Materialkosten als Möglichkeit ausgemacht haben, die Gesamtkosten zu senken. Beispielsweise will der Wolfsburger VW-Konzern in diesem und kommenden Jahr seine Produktionskosten um 800 Millionen Euro senken. Ein günstigerer Einkauf ist der Hauptpfeiler dieses Programms.

Kleinere Unternehmen fürchten noch stärker als Großkonzerne, dass sich die Materialkostenspirale weiter dreht. Darauf deuten die Umfrageergebnisse hin. Die Manager setzen hier zwar wie ihre Kollegen bei den Konzernen auf erneute Preisverhandlungen mit den Stamm-Lieferanten, doch schätzen sie die Chancen, die Kosten durch eine Bündelung der Volumina im Griff zu halten, deutlich geringer ein. Stattdessen hoffen auch die Verantwortlichen in kleineren Firmen, mit der Suche nach günstigeren Zulieferern erfolgreich zu sein.

Bei dieser Suche ist der Fokus – unabhängig von der Unternehmensgröße – deutlich auf das Ausland gerichtet. Dort schaut sich mehr als ein Drittel um; auf neue Geschäftspartner im Inland setzt nur jedes achte Unternehmen: „Die Lieferantensuche ist längst nicht mehr auf Osteuropa beschränkt. In einigen Bereichen ist vielmehr der Asien, speziell China, in den Blickwinkel der Industrie gelangt“, sagt Sven Behrens, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Spectaris, in dem Medizintechnik- und optische Industrie vertreten sind. Das Internet spielt trotz der stärkeren Internationalisierung der Beschaffung nur bei jeder zehnten Firma eine Rolle – kleine Firmen setzen noch öfter auf das weltweite Netz als die Konzerne.

Doch auch durch Verbesserungen bei den internen Abläufen und eine bessere Verzahnung mit den Zulieferern wollen die deutschen Unternehmen steigenden Materialkosten entgegenwirken. Jeder sechste Befragte kritisiert innerhalb des Unternehmens unklare Verantwortlichkeiten beim Einkauf.

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