Handelsblatt Exklusiv
Opel-Bochum ist in ernsthafter Gefahr

Die Opel-Mitarbeiter in Bochum zittern um ihre Jobs. Dabei würde die Schließung des Werkes zunächst einmal sehr viel Geld kosten. Doch eine Studie zeigt: Sie rechnet sich in weniger als drei Jahren.
  • 34

FrankfurtDer Opel-Mutterkonzern General Motors wird sich von hohen Kosten für seine anvisierten Werksschließungen in Europa voraussichtlich nicht stoppen lassen. Ein Aus der Fertigungsstätte in Bochum könnte dem US-Giganten nach einer Analyse des CAR Centers Automotive Research für das Handelsblatt trotz hoher Abfindungszahlungen leichter fallen als gedacht. Selbst wenn GM den 3.200 Mitarbeitern Abfindungszahlungen von 150.000 Euro pro Kopf zahlen müsse, würde sich bei einer Verlagerung der Produktion nach Polen angesichts der günstigeren Lohnkosten ein goldener Handschlag innerhalb von drei Jahren amortisieren, lautet das Ergebnis von Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer. „Danach spart Opel durch die Maßnahme schätzungsweise rund 210 Millionen Euro pro Jahr.“ 

Für die Verteidigungslinie der Opel-Arbeitnehmer gegen die Sparpläne des Managements sind das schlechte Nachrichten. Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte jüngst gewarnt, dass eine teure Schließung von Fabriken eine Rückkehr der GM-Tochter in die Gewinnzone auf Jahre verhindern würde. Auch der Bochumer Betriebsrat warnte bereits vor der  „teuersten Werksschließung aller Zeiten“. Die Modellrechnung der Branchenexperten vom CAR Center berücksichtigt allerdings nicht mögliche Transfers von Anlagen nach Polen sowie den Imageschaden und die daraus folgende Kaufzurückhaltung, den ein Aus für Bochum verursachen könnte. So hatte der Handyhersteller Nokia nach der Schließung seiner Fertigungsstätte in Bochum deutliche Marktanteilsverluste in Deutschland erlitten.

Das Handelsblatt und das Wall Street Journal hatten vergangene Woche vorab berichtet, dass der interne vorläufige Sanierungsplan für Opel das Aus für zwei Werke in Europa vorsieht - vor allem Bochum und das britische Ellesmere Port sind gefährdet. Denn der seit Jahren Verluste schreibende Hersteller ächzt trotz einer zwei Jahre dauernden Restrukturierung und der 2010 erfolgten Schließung des Werkes Antwerpen unter massiven Überkapazitäten. Nach Prognose des CAR-Centers wird Opel und seine Schwestermarke Vauxhall im Jahr 2015 lediglich 1,05 Millionen Autos in Europa verkaufen - die momentan installierte Kapazität reicht aber für mehr als 1,5 Millionen Autos.  Opel und seine Schwestermarke Vauxhall laufe jedoch derzeit schon nur mit 70 Prozent seiner Kapazität, schätzt Dudenhöffer, und werde im laufenden Jahr noch höhere Verluste als im Vorjahr einfahren. 2011 hatte das Minus rund 570 Millionen Euro betragen.

Doch im anbahnenden Überlebenskampf zwischen den europäischen Werken hat Bochum schlechte Karten. Sowohl was Logistikstrukturen als auch was Arbeitskosten angeht, liegt das Werk in Nordrhein-Westfalen im europäischen Vergleich mit den anderen Opel-Werken nach Einschätzung von Dudenhöffer im hinteren Feld. Arbeitskosten sind zwar beim Kapazitätsabbau nicht die allein entscheidende Größe - auch der Wert der Gebäude und Anlagen sind ein wichtiges Kriterium. Doch das 1962 eröffnete Werk in Bochum habe aufgrund seines hohen Alters auch einen deutlich geringeren Wert als etwa die jüngeren Fertigungsstätten in Eisenach oder am Stammsitz Rüsselsheim.

Kommentare zu " Handelsblatt Exklusiv: Opel-Bochum ist in ernsthafter Gefahr"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zu Beate: Den Steuerzahler hat das nix gekostet, da Opel innerhalb eines halben Jahres seine Bürgschaften zurückgezahlt hatte und dies mit 10%!!! Zinsen. Kein schlechtes Geschäft für den Statt, oder ???Übrigens ich weiss dies deshalb so genau weil es in den zeitungen nicht publk gemacht wurde sondern nur intern bei Opel und im Wirtschaftsministerium.Komisch dies oder. Die Journaille sollte mal besser recherchieren.Ein Danke an Opel wäre auch mal gut gewesen!!

  • bin mal gespannt, ob sich eine partei wahlkampftaktisch darauf einschiesst während der nrw-wahl. kein wunder, dass viele kumpels und opel-werkler nicht mehr konservativ wählen würden. röttgen und lindner: übernehmen sie;-) achja. als opel nach rettung geschrieen hat, wurde von brüderle nach ein paar gläschen rotwein klar und deutlich jedwede hilfe verwehrt.

  • Schaut Euch hierzu den Film auf You Tube an: Warum das Elektroauto sterben mußte. Video über 1,28 Std. oder im ca. 10 Min.-Takt in mehreren Teilen. Das erklärt viel bei Opel bzw. GM. Dazu wäre noch zu erwähnen, daß Opel 2009 schon mal gerettet wurde, zu welchem Preis für den Steuerzahler ist mir heute nicht mehr bekannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%