Handelsblatt-Gespräch
Warsteiner will nicht mehr in Hektolitern denken

Brauerei-Chef Gustavo Möller-Hergt verkündet eine Gewinnsteigerung und hält sich von internationalen Brauriesen fern.

WARSTEIN. Während die Brau und Brunnen AG und die Holsten AG Ausschau nach starken internationalen Partnern halten, sieht die sauerländische Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG dazu keinen Anlass. Warsteiner-Geschäftsführer Gustavo Möller-Hergt verweist auf die Schwierigkeiten bei der Suche nach einer gleichberechtigten Kooperation mit globalen Brauriesen: „Die großen der Branche wollten uns alle quasi als Hund an der Leine führen“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Deshalb sind wir stattdessen eine zukunftsträchtige Kooperation mit der türkischen Efes Brauerei eingegangen, um darüber Zugang zum russischen Markt zu erhalten.“

Im Heimatmarkt ist die Warsteiner Brauerei allerdings nach kräftigen Absatzverlusten von 15 % im ersten Halbjahr 2003 in der „Hitliste“ der Biermarken hinter Krombacher und Bitburger auf Rang drei abgerutscht. Und doch hat Möller-Hergt noch gut Lachen. „Es ist nicht wichtig, wie viele Kühe man besitzt, sondern wie viel Milch die Kühe produzieren“, sagt der 41-jährige Deutsch- Peruaner, der vom Warsteiner-Inhaber Albert Cramer vor knapp einem Jahr an die Spitze des Unternehmens gehievt wurde.

Warsteiner kann laut Möller-Hergt auch einen Umsatzrückgang von fast 7 % auf 235 Mill. Euro verkraften, denn das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei im ersten Halbjahr im niedrigen Bereich zweistellig gestiegen. „Organisches Gesundschrumpfen“ nennt Möller- Hergt diesen Prozess, den er seit seinem Amtsantritt angestoßen hat. Das hat unter anderem dazu geführt, dass in den letzten Monaten 300 der 1 100 Arbeitsplätze in Warstein abgebaut wurden.

„Das Denken in Hektolitern ist ungesund“, schreibt Möller-Hergt der Branche ins Stammbuch, die sich seit jeher in Mengen misst. Allen Unkenrufen zum Trotz sei der Warsteiner- Mehrwegabsatz auch nach einer erneuten Preiserhöhung stabil geblieben. „Die Absatzverluste kommen aus dem Einwegbereich“, der nach Einführung des Dosenpfandes und dem Abbau von unrentablen Geschäftsbeziehungen um 70 % eingebrochen sei, erläutert Möller-Hergt. Trotz des rückläufigen Dosenabsatzes will Möller-Hergt nicht auf das Einweg-Geschäft verzichten. Die Warsteiner Brauerei erklärte als erstes Unternehmen ihre Teilnahme am Einwegpfand-System der Großhandelskette Lekkerland- Tobaccoland . Lekkerland beliefert vor allem Tankstellen und Kioske, wo eine Dose Warsteiner auch zum margenstarken Endverbraucherpreis von über 1,20 Euro noch Käufer findet.

Jetzt gelte es, für jeden Vertriebsweg, die richtige Verpackung und den richtigen Preis zu finden, führt Möller-Hergt aus. So bietet Warsteiner für die Szene-Gastronomie seit kurzem ein „Premium Verum“ in einer klaren Weißglas-Flasche mit abgewandeltem Rezept und einem fluoreszierendem Etikett an.

Als eine der letzten großen Brauereien ist Warsteiner jetzt in das Segment der Biermischgetränke eingestiegen. Dafür rührt die Brauerei ab sofort die Werbetrommel und setzt einen Teil ihres jährlichen Marketingbudgets von 50 Mill. Euro ein.

Doch hier muss Möller-Hergt mit Widerstand rechnen: So will die Krombacher Brauerei ihr Cola-Biergetränk „Cab“ mit der nächsten Staffel der TV-Show „Deutschland sucht den Superstar“ vermarkten. In Warstein heißt es allerdings: „Es gibt kein Zu-Spät. Derjenige, der über die nötige Verkaufskraft verfügt, hat schließlich Erfolg“, sagt Möller-Hergt. Es sei allerdings noch ein langer Weg, bis Warsteiner wieder auf der Position sei, die man anstrebe.

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