Handelsblatt Industriegipfel
Deutsche Unternehmen sollen enger zusammenrücken

Viele Firmen haben das Thema Industrie 4.0 noch nicht erkannt. Was passieren muss, damit Deutschland international nicht abgehängt wird, darüber diskutierten die Teilnehmer des 1. Handelsblatt Industriegipfels in Berlin.

BerlinDieter Schweer macht sich Sorgen, dass die deutsche Industrie bei der Digitalisierung ins Hintertreffen gerät: „60 Prozent der Mittelständler haben das Thema nicht erkannt. Das ist eine erschreckend hohe Zahl“, warnte das Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) beim 1. Industriegipfel des Handelsblatts zum Thema Industrie 4.0 am Montag in Berlin.

Den einen Mittelständler gebe es zwar nicht, erklärte Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer. Doch es gebe einerseits Unternehmen, die ein „bisschen übervorsichtig sind“ und andererseits auch einige, die „gehen richtig nach vorn“. Einig waren sich die Teilnehmer jedoch darin, dass das Thema Industrie 4.0 Chefsache werden muss.

Was die Unternehmen brauchen und worauf es bei der Digitalisierung jetzt ankommt, darüber sprachen die Diskussionsteilnehmer am ersten Tag des 1. Handelsblatt Industriegipfels in Berlin. „Wir betreten Neuland“, sagte Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs zu Beginn der Konferenz, in Anspielung auf die berühmt gewordenen Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit denen sie die Herausforderungen der Digitalisierung beschrieben hatte.

Hat EU-Digitalkommissar Günther Oettinger Recht mit seinem Urteil, dass wir die IT-Führerschaft verloren haben, wollte Handelsblatt-Chefredakteur Jakobs wissen. Die Bilanz der Tagungsteilnehmer fiel nüchtern aus. „Wir haben sie nicht verloren, wir hatten sie nie“, analysierte Henning Kagermann, Chef der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech.

Beim Thema IT sei Deutschland im Mittelfeld. BDI-Geschäftsführer Schweer wurde differenzierter: Oettinger unterscheide nicht genau zwischen Business-to-Business und Business-to-Consumer. Beim Thema Business-to-Consumer seien die Amerikaner zwar besser, aber bei Business-to-Business haben wir eine „hervorragende Ausgangsbasis“, sagte er.

Die Diskussionsteilnehmer identifizierten mehrere Baustellen. So müsse das Internet schneller werden, um Maschinen untereinander besser vernetzen zu können. Die Verbindungen müssten zudem sicherer werden, sowohl bei der Verfügbarkeit als auch bei der Datensicherheit. Europa sollte gemeinsame Standards setzen, damit man mit einer Stimme sprechen könne, wenn es um gemeinsame Standards etwa mit den USA gehe, forderte Fraunhofer-Präsident Neugebauer.

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