Handelsblatt-Interview
Lukoil-Präsident: "Der Ölpreis in Europa wird steigen"

Wagit Alekperow, der Präsident und Miteigentümer des größten russischen Ölkonzerns Lukoil rechnet damit, dass China schon baldzum größten Konkurrenten der Europäer um russische Energielieferungen werden wird.

Handelsblatt: Herr Alekperow, Lukoil ist heute Russlands größter Ölkonzern. Wo wird Ihre Firma in fünf Jahren stehen?

Alekperow: Unsere Pläne sind sehr ambitioniert: Wir wollen zu den drei weltweit größten börsennotierten Ölkonzernen aufsteigen. Dafür haben wir nicht nur einen konkreten Strategieplan bis 2014, sondern verfügen für seine Umsetzung auch über die nötigen Öl- und Gasreserven. Wir wollen auf eine Ölförderung von 780 Millionen Barrel im Jahr und eine Gasproduktion von 50 Milliarden Kubikmetern jährlich kommen. Wir wollen aber nicht nur wachsen, sondern auch unsere Profitabilität und Marktkapitalisierung steigern.

Reizt es Sie nicht, zum weltgrößten Ölkonzern aufzusteigen?

Nein. Wir wollen der effizienteste und profitabelste Ölkonzern der Welt werden. Und der Einstieg der US-Ölfirma Conoco-Phillips bei Lukoil zeigt, dass wir sehr reizvoll für Investoren sind. Allein in diesem Jahr hat sich unser Börsenwert fast verdoppelt.

Haben Sie keine Angst, dass der russische Staat weitere Ölkonzerne schluckt? Schließlich hat er bereits über seine Energieriesen Gazprom und Rosneft die wichtigste Yukos-Tochter und die Ölfirma Sibneft gekauft.

Dass heute Staatskonzerne in Russland auf dem Markt mitspielen, ist normal. Aber dass der Staat solch große Ausgaben zum Kauf neuer Aktiva tätigt, ist sicher nicht sinnvoll. Allerdings hat der Staat so hohe Einnahmen durch das Öl- und Gasgeschäft, dass er das Geld irgendwo anlegen und nicht von der Inflation auffressen lassen will. Doch Gazprom ist schon heute der weltweit größte Energieproduzent. Und wenn Rosneft alle russischen Ölförderer übernimmt, wird er ein Gigant.

Schließen Sie aus, dass der Staat zum größten Ölproduzenten werden will?

Alles ist möglich. Aber ich denke nicht, dass es dazu kommt.

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