Handelsblatt-Interview mit Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der BASF SE
„Es wird weniger Chemieunternehmen geben“

Der Chemiekonzern BASF richtet sich auf eine neue Konsolidierungsphase in der Chemiebranche ein. Die Zahl der Unternehmen werde in den nächsten Jahren zurückgehen, sagte BASF-Chef Jürgen Hambrecht in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Als Signal für eine mögliche Fusionswelle in der Chemie betrachten Branchenkenner mehrere größere Transaktionen in jüngerer Zeit, darunter die mehr als 15 Milliarden Dollar teure Übernahme von Rohm & Haas durch den US-Konzern Dow Chemical oder die Fusion der Spezialchemiefirmen Ashland und Hercules. "Angetrieben wird das M&A-Geschehen derzeit vor allem von Unternehmen, die ihre Abhängigkeit von der Basischemie verringern wollen", heißt es in einer Studie der Bank HSBC. Außerdem dürften viele Spezialchemieanbieter bestrebt sein, ihre Basis zu verbreitern.

Für eine Fusionswelle spricht ferner die Tatsache, dass die Branche nach wie vor stark zersplittert ist und selbst die Spitzenunternehmen weniger als fünf Prozent Marktanteil halten. Unter anderem durch die Aufspaltung von Großchemie-Konglomeraten wie Hoechst und ICI hatte die Zahl der Chemiefirmen ab Mitte der 90er-Jahre deutlich zugenommen. Inzwischen zeichnet sich aber eine Gegenbewegung ab.

Der Branchenführer BASF will dabei eine aktive Rolle spielen, wie Hambrecht deutlich machte. Auch eine Großübernahme schließt der BASF-Chef nicht aus. Allerdings werde BASF nur zukaufen, soweit die betreffenden Geschäfte zu BASF passten und der Kaufpreis noch ein profitables Wachstum erlaube. Die Gefahr, dass BASF selbst zum Übernahme-Objekt werden könnte, schätzt Hambrecht als sehr gering ein.

Hier lesen Sie das komplette Interview:

Herr Hambrecht, die Konjunkturaussichten für Deutschland und Europa haben sich in den letzten Wochen offenbar eingetrübt. Muss damit auch die BASF ihre Prognosen nach unten korrigieren?

Nein, wir waren ja mit unseren Einschätzungen bei Vorlage der Halbjahreszahlen sehr realistisch. Es gibt daher keinen Grund, die Aussagen zu ändern. Wir gehen weiterhin davon aus, trotz des konjunkturellen Gegenwinds unseren Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen im Jahr 2008 leicht zu steigern.

Inwieweit spüren Sie denn eine geschäftliche Abkühlung?

Wir registrieren auch, dass in der Weltwirtschaft einiges nicht mehr ganz rund läuft. Das Wachstum ist geringer als in den vergangenen drei Jahren, und 2009 wird voraussichtlich ein schwierigeres Jahr. Wir spüren das zum Beispiel im Geschäft mit der Bau- und Automobilindustrie in Nordamerika und teilweise auch in Europa. Aber wenn man das globale Bild anschaut, sollten wir besonnen bleiben und nicht zu pessimistisch werden. Die Weltwirtschaft wird weiter wachsen. Von einer Rezession kann keine Rede sein.

Selbst mit Blick auf China sind jüngst Zweifel aufgekommen, dass das Wachstum nachlassen könnte und die Konkurrenzfähigkeit der chinesischen Industrie abnimmt. Sehen Sie dafür Indizien?

China befindet sich wie jedes Land im internationalen Wettbewerb. Und es gibt dort einzelne Industriebereiche wie etwa die Stahl- oder die Textilindustrie, wo der Konkurrenzkampf aufgrund von Überkapazitäten extrem hart wird. Aber generell bewegt sich China auf einem hohen Wachstumsniveau. Zeichen für eine signifikante Abschwächung kann ich nicht erkennen.

Inwieweit wird auch die Chemiebranche von Überkapazitäten in China belastet?

Für die Chemie sind Überkapazitäten in China bislang kein Thema. Es gibt einzelne Produkte, für die es inzwischen eine ausreichende Kapazität gibt. Aber insgesamt ist und bleibt China ein Netto-Importeur von Chemieprodukten.

In Europa und Nordamerika versuchen sich Chemieunternehmen inzwischen offenbar verstärkt durch Übernahmen gegen ein raueres Konjunkturklima zu rüsten. Bahnt sich damit eine neue Fusionswelle an?

Damit muss man rechnen. Transaktionen wie die Übernahme von Rohm & Haas durch Dow Chemical oder von Lyondell durch Basell deuten ja auf einen Konsolidierungstrend. Das wird zunehmen.

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