
DÜSSELDORF. Deutschlands Firmen in der zweiten Reihe sind sehr viel tiefer in die Krise gerutscht als die großen Dax-Konzerne. Schlimmer noch: Sie finden nur mühsam und mit langer Verzögerung aus der Krise heraus. Vielen droht nach dem katastrophalen Krisenjahr 2009 noch eine lange Durststrecke. Grund dafür ist die mangelnde Verankerung in den boomenden Schwellenländern wie Indien, China und Brasilien. Das belegen die Konzernabschlüsse für das abgelaufene Geschäftsjahr, die Bilanzen für das Auftaktquartal 2010 und die sehr verhaltenen Ausblicke etlicher Unternehmen.
Die neue Handelsblatt-Rangliste der nach Umsatz 100 größten deutschen Industriekonzerne zeigt: Im abgelaufenen, schwersten Rezessionsjahr der Nachkriegsgeschichte halten sich die Dax-Industriekonzerne in den schwarzen Zahlen. Sie fuhren unter dem Strich in der Summe immerhin 21 Mrd. Euro Gewinn ein, nach 32,6 Mrd. Euro im Vorjahr. Hingegen rutschten die im MDax notierten Unternehmen, also die aus der zweiten Reihe, mit 1,4 Mrd. Euro in die roten Zahlen. 2008 hatten sie noch ein Plus von 5,6 Mrd. Euro erzielt.
Ausgerechnet Deutschlands Schlüsselbranchen leiden noch sehr
Grund für die Misere in der zweiten Reihe sind die schweren Umsatzeinbrüche in den deutschen Schlüssel- und Exportbranchen Automobil, Elektro und Maschinenbau. Der Stahlhändler Klöckner & Co, der Maschinenbauer Gildemeister und der Motorenhersteller Deutz büßten mehr als ein Drittel ihres Umsatzes ein. Dieser brach insgesamt bei den mittelgroßen Unternehmen um durchschnittlich 11,4 Prozent ein - bei den Dax-Konzernen "nur" um 8,9 Prozent.
Selbst Kurzarbeit in großem Stil, vorübergehende Werksstilllegungen und radikale Kostensenkungen konnten beim Rückgrat der deutschen Wirtschaft rote Zahlen nicht verhindern. Denn die Nachfrage und damit die Aufträge sanken noch sehr viel schneller als sich die Kosten reduzieren ließen. Deshalb stehen den Aufwendungen geringere Umsatzerlöse gegenüber. Das drückte empfindlich die Gewinnmargen.
Ursache für die Schwäche vieler mittelgroßer Unternehmen ist ihre hohe Spezialisierung. Das macht sie in konjunktursensiblen Branchen anfällig, wenn die Nachfrage der Endkunden wegbricht. Die großen Dax-Konzerne gleichen solche Schwächen mit Stärken in weniger anfälligen Bereichen aus.
Hinzu kommt die immer noch starke Fokussierung auf die alten Wachstumsregionen Europa und Amerika, die bei vielen Unternehmen zu beobachten ist. "Firmen, die 60 bis 80 Prozent ihrer Umsätze in heute unterdurchschnittlich wachsenden Regionen wie Europa und Amerika erwirtschaften, werden es in den nächsten zwölf bis 24 Monaten schwer haben, überdurchschnittlich zu wachsen", sagt Thomas Kautzsch von der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Wer frühzeitig die Emerging Markets entdeckt habe, dort produziere und verkaufe, profitiere von deren Wachstumsschub und zähle in der nächsten Zeit zu den Gewinnern.
Viele große Konzerne schöpfen dieses Potenzial bereits aus. Der weltgrößte Chemiehersteller BASF, der Mischkonzern Siemens und Volkswagen kamen 2009 vor allem deshalb glimpflich durch die Krise, weil sie enorme Nachfrageeinbrüche in Europa und Nordamerika durch steigende Aufträge im wachsenden chinesischen Markt und anderen Emerging Markets zumindest deutlich abfedern konnten.
DEUTZ ist im S-Dax und nicht im M-Dax gelistet. Der Umsatzeinbruch ist nicht alleine durch die Krise begründet sondern vielmehr durch Hausgemachte Probleme und Missmanagement.
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