Handelsblatt Standort-Check
Rhein-Ruhr-Region lockt Konzerne an

Das Rhein-Ruhr-Gebiet und der Großraum München sind mit Abstand die beliebtesten Standorte der führenden deutschen Unternehmen. In beiden Regionen sind jeweils 22 der 124 deutschen Top-Konzerne angesiedelt. Damit hat München mit dem nordrhein-westfälischen Standort gleichgezogen. Andere Standorte in Deutschland können in diesem Zweikampf der industriellen Kernregionen nicht mithalten, sie fallen deutlich ab.

DÜSSELDORF. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben sich in München sechs Medien- und Biotechunternehmen angesiedelt. Doch mit dem geplanten Börsengang des Chemie- und Stromkonzerns RAG wird das traditionsreiche Revier in Nordrhein-Westfalen ab 2008 wieder vorne liegen.

Das ist das Ergebnis einer Analyse des Handelsblatts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität Saarbrücken und der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Untersucht wurden die Industrie-, Dienstleistungs- und Handelskonzerne aus den Börsenindizes Dax, MDax, SDax und TecDax.

Die nach wie vor starke Stellung des Rhein-Ruhr-Gebiets zeigt, dass es dem alten Industriestandort gelungen ist, auch neue Wirtschaftszweige anzulocken. Neben dem Energiekonzern Eon und Konsumgüterhersteller Henkel siedelten sich Firmen wie Qiagen (Biotechnologie), QSC (Kommunikation) und Solarworld an.

Frankfurt verliert Anschluss

Die Bedeutung der Konzernsitze von Firmen ist für die einzelnen Regionen nicht zu unterschätzen. „Von den Entscheidungszentralen der Unternehmen gehen wichtige Impulse für das Umfeld aus“, sagt Uwe Neumann, Wissenschaftler am RWI-Institut in Essen. Unternehmensnahe Dienstleiter wie beispielsweise Berater siedelten sich daher bevorzugt im Umfeld großer Konzerne an. Ein Zweigbetrieb werde schon eher einmal stillgelegt. Hinzu komme der positive Imageeffekt für eine Region, in der viele große Konzerne angesiedelt sind.

Auch eine Prognos-Studie über die Zukunftsfähigkeit der deutschen Städte vom März dieses Jahres ergab, dass sich weite Teile des Südens auf der Überholspur befinden. Unangefochten an der Spitze des sogenannten „Zukunftsatlas“ lag allerdings der Ballungsraum München. In NRW war vor allem Düsseldorf als besonders wettbewerbsfähig aufgefallen.

Nach dem jetzigen Firmencheck befindet sich insbesondere das Rhein-Main-Gebiet auf absteigendem Ast. Der Raum um Frankfurt hat einen enormen Aderlass hinter sich. In den vergangenen Jahren gingen Namen wie Hoechst (Chemie), Agiv (Mischkonzern) oder Metallgesellschaft (MG) verloren. Die Überreste der früheren MG firmieren heute als Maschinen- und Anlagenbauer Gea in Bochum, Ex-Hoechst-Werke produzieren zwar noch im Raum Frankfurt, das Unternehmen ist aber in dem französischen Pharmakonzern Sanofi aufgegangen. Die Agiv ist praktisch entkernt und aufgelöst. Und schon bald dürfte auch der Name des Zementherstellers Dyckerhoff aus Wiesbaden vom Kurszettel verschwinden, wenn Großaktionär Buzzi Unichem den Abschied von der Börse einleitet.

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