Handelsblatt-Studie
Molkereien geraten in Existenznot

Nach den deutschen Milchbauern, die weiter um die Sicherung ihrer Existenz kämpfen, geraten jetzt auch die heimischen Molkereien in akute Bedrängnis. Nach einer Handelsblatt-Studie erhöht der aktuelle Milchpreisverfall den Druck auf viele Unternehmen sich zusammenzuschließen.

DÜSSELDORF. Ein Großteil der Betriebe kann die derzeit weiter sinkenden Milchpreise kaum noch verkraften. „Die aktuell mit dem Lebensmitteleinzelhandel abgeschlossenen Kontrakte setzen viele Molkereien enorm unter Druck“, sagt Martin Tschochner, Autor einer gemeinsamen Studie der Beratungsgesellschaft Rölfs Partner Management Consultants und des Handelsblatts über Konsolidierungstrends in der deutschen Ernährungsindustrie.

„In der Phase des Sinkflugs der Preise haben nicht alle Molkereien entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit ausbezahlt“, sagt Tschochner, der Partner der Düsseldorfer Unternehmensberatung ist. Um die Lieferanten, die vielfach auch Anteilseigner der Molkereien sind, durch die eigentlich gebotenen noch niedrigeren Preise nicht zu provozieren, haben einige Betriebe offenbar auch ihre Reserven aus dem Vorjahr gänzlich aufgezehrt. Zuletzt erreichte die deutsche Milchwirtschaft mit ihren rund 36 500 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 22 Mrd. Euro.

Viele Landwirte klagen, bereits die zuletzt gezahlten Milchpreise von rund 25 Cent pro Liter seien keinesfalls kostendeckend gewesen und hätten sie beinahe in den wirtschaftlichen Ruin getrieben. Die Milchbauern fordern zur Existenzsicherung 35 bis 40 Cent pro Liter. Dafür waren Landfrauen des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) kürzlich sogar in den Hungerstreik getreten.

Als „realitätsfern“ bezeichnet Marktexperte Tschochner solche Ansprüche, befindet sich der Milchauszahlungspreis für die Landwirte doch weiterhin auf Talfahrt. Lediglich 19 Cent pro Liter, in einigen Fällen sogar nur noch 17 Cent, zahlen viele Molkereien aktuell für ihren Rohstoff. Und dennoch gibt es Landwirte, die auch zu diesen Preisen liefern können.

Ausgelöst hatten die Debatte um die Milchpreise die heimischen Discounter wie Aldi und Lidl, die in spektakulären Preissenkungsaktionen den Ladenpreis für Frischmilch auf 48 Cent pro Liter festsetzten und auch Quark, Sahne und Butter für den Verbraucher verbilligten. Aufgrund ihrer großen Marktmacht sind die wenigen deutschen Handelskonzerne gegenüber ihren Lieferanten in der deutlich stärkeren Verhandlungsposition. Zudem setzt eine deutliche Überproduktion den Markt zusätzlich unter Druck.

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