Handelsblatt-Tagung „Stahlmarkt 2008“
Erfolgsverwöhnten Stahlherstellern drohen Risiken

Mittelfristiger Wachstumskurs, kurzfristige Bedrohungen: So schätzt die Stahlbranche ihre Zukunft ein. Noch wirkt sich die Finanzkrise nicht aus, aber die Kosten steigen, und der starke Euro bremst die Nachfrage. Die Marktführer planen Preiserhöhungen.

DÜSSELDORF. Die internationale Stahlindustrie bleibt auf mittlere Sicht auf Wachstumskurs. Kurzfristig jedoch nehmen die Risiken deutlich zu. Zu dieser Einschätzung kamen am Dienstag die Referenten und etwa 300 Führungskräfte auf der 12. Handelsblatt Jahrestagung "Stahlmarkt 2008" in Düsseldorf.

Sorgen bereiten den Unternehmen insbesondere der drastische Anstieg der Rohstoffkosten sowie die starke Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar. Ab April müssen die Stahlhersteller für den wichtigen Rohstoff Eisenerz auf Dollarbasis 65 Prozent mehr bezahlen als vor einem Jahr.

Auch Kokskohle wird voraussichtlich erheblich teurer. Aufgrund von witterungsbedingten Produktionsausfällen in Australien ist das Angebot derzeit äußerst knapp und der Preis für sofortige Lieferungen ist in die Höhe geschossen. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, schloss gestern für die Kokskohle einen ähnlich großen Preissprung wie beim Eisenerz nicht aus. Allerdings sind die Verhandlungen der Stahlhersteller mit den Kokskohlelieferanten über neue Jahreskontrakte noch nicht abgeschlossen.

Die starke Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar hilft zwar den Stahlherstellern in Europa, einen Teil des Kostenschubs aufzufangen. Innerhalb eines Jahres hat die US-Währung gegenüber dem Euro mehr als 15 Prozent verloren. "Dennoch dürfte unter dem Strich ein Kostenanstieg von 60 Euro pro Tonne für das Referenzprodukt Warmband stehen", hat BHF -Bank Analyst Hermann Reith errechnet. Experten befürchten, dass sich vor allem für die exportintensive Automobilindustrie und den Maschinenbau die Absatzchancen als Folge der Euro-Aufwertung eintrüben. Die beiden Branchen sind die wichtigsten Kunden der deutschen Stahlhersteller.

Zumindest für die erste Jahreshälfte erwartet der größte Stahlhersteller Thyssen -Krupp allerdings noch keine Geschäftseinbußen. "Wir hatten im Januar und Februar den stärksten Auftragseingang seit fünf Jahren", sagte Vorstandsmitglied Jost Massenberg gestern. Die im Sommer 2007 noch sehr hohen Lagerbestände seien inzwischen abgebaut worden. Außerdem hätte der Importdruck, besonders aus China, spürbar nachgelassen.

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