Handelspolitik
Autoindustrie profitiert von Chinas Zollsenkung

China beugt sich dem Druck der WTO und nimmt seinen erhöhten Importzoll für ausländische Autokomponenten zurück. Besonders deutsche Autohersteller und -zulieferer können von der neuen Handelspolitik profitieren - und höhere Marktanteile im Reich der Mitte erobern.

PEKING. Mit der Rücknahme der erhöhten Importzölle auf Autoteile hat die chinesische Regierung die Rahmenbedingungen für ausländische Investoren auf Druck der Welthandelsorganisation (WTO) verbessert. Davon profitieren vor allem diejenigen Autohersteller und Zulieferer, die bislang nur wenig vor Ort produzierten. Für den Stuttgarter Autokonzern Daimler etwa ergeben sich wesentlich bessere Marktmöglichkeiten in einem der weltweit am stärksten wachsenden Automärkte.

Die Regierung in Peking hatte bislang von der Autoindustrie einen lokalen Fertigungsanteil von mindestens 40 Prozent gefordert. Lag der Anteil darunter, wurde bereits seit 2005 ein Importzoll von 25 Prozent – statt zehn Prozent – auf alle eingeführten Autokomponenten erhoben. Diesen Aufschlag nahm Peking mit Wirkung zum 1. September zurück und beugte sich damit erstmals dem Druck der WTO, dem das Land seit Ende 2001 angehört.

Mit dem Zollaufschlag hatte Peking verhindern wollen, dass ausländische Hersteller in China ihre Fahrzeuge nur zusammenschrauben und so den Markt überschwemmen. Diese Sorge sei letztlich übetrieben gewesen, sagen jetzt Autoanalysten wie Zhong Shi in Peking: „Peking hat übersehen, dass sich viele internationale Firmen wirklich in China engagieren und nicht nur verkaufen wollen“, sagt auch Jörg Wuttke, Präsident der EU-Kammer in Peking.

Aber auch unter dem Kostendruck der erhöhten Importzölle haben inzwischen viele Hersteller ihre Zulieferketten in China längst angepasst. Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern etwa bezieht nach Angaben von China-Chef Winfried Vahland bei den lokal gefertigten Modellen bereits gut 90 Prozent der Teile aus dem Reich der Mitte.

Auch die Zulieferriesen wie die US-Firmen Delphi und Visteon oder die deutschen Firmen Bosch und Freudenberg haben Fertigungen in China aufgebaut. Sie gelten damit als lokale Anbieter.

Wichtiger ist der jetzige Zoll-Wegfall dagegen für den Stuttgarter Daimler-Konzern. Der importiert rund zwei Drittel der Komponenten für seine Produktion in Peking. Auch der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) begrüßte die Entscheidung. „Es ist ein Zeichen dafür, dass China immer in den Welthandel hineinwächst“, sagte ein Sprecher. Allerdings sei es nicht so, dass die Zölle komplett entfielen.

Auch viele kleinere Autozulieferer hoffen nun auf mehr Aufträge vom 19 Mrd. Dollar schweren chinesischen Markt für Zubehörteile. Vor allem bei hochwertigen Teilen wird in der Branche beklagt, dass die Qualitätsstandards von chinesischen Anbietern nicht erfüllt werden. „Meist werden die Teile importiert, die China gar nicht liefern kann“, sagt der Pekinger Autoanalyst Shangguan Zhoudong.

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