Handy-Hersteller
Nokia wird immer pessimistischer

Die Krise der globalen Handy-Branche ist tiefer als befürchtet: Nur knapp einen Monat nach der ersten Umsatzwarnung sieht der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen, Nokia aus Finnland, die Lage der gesamten Branche noch pessimistischer als zuvor. Der Konzern rechnet nun damit, dass im vierten Quartal dieses Jahres nicht die zuvor angegebenen 330 Millionen Geräte weltweit verkauft werden.

STOCKHOLM. Deshalb lasse sich auch die bereits von 1,26 auf 1,24 Mrd. Handys revidierte Prognose im Gesamtjahr 2008 nicht mehr halten, erklärte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo auf dem Kapitalmarkttag seines Unternehmens gestern in New York. Die Kaufzurückhaltung vieler Kunden sei wegen der globalen Finanzkrise deutlich ausgeprägter als zunächst erwartet worden war. Händler hätten zudem Probleme bei der Kreditbeschaffung, teilte der Konzern mit.

Und auch für 2009 gab Kallasvuo keine Entwarnung: Im kommenden Jahr werde der Handy-Absatz weltweit um etwa weitere fünf Prozent zurückgehen. Der Nokia-Chef sprach vor Analysten von einem "Jahr der Herausforderungen". Gleichwohl betonte er, dass Nokia gut gerüstet auch für schwerere Zeiten sei. "Ich glaube, wir werden unsere Position an mehreren Fronten stärken", sagte er und kündigte weitere Kostensenkungen an.

Einzelheiten wurden allerdings nicht genannt. Obwohl Kallasvuo für das laufende Quartal keine Aussage über den Marktanteil seines Konzerns abgeben wollte, stieg die Aktie des Unternehmens an der Börse in Helsinki zwischenzeitlich um fünf Prozent. Analysten sagten, die erneut nach unten revidierte Prognose sei erwartet worden, nachdem bereits die Nokia-Konkurrenten Samsung, Sony Ericsson und LG die Erwartungen deutlich heruntergeschraubt hatten.

Nokia war im dritten Quartal dieses Jahres mit einem Weltmarktanteil von 38 Prozent größer als die drei Verfolger zusammen. Positiv wurde auch bewertet, dass Nokia 2009 wieder mit einem vorsichtigen Ausbau seines Weltmarktanteils rechne. Beitragen sollen dazu neue Handys, die Nokia erst vor zwei Tagen auf der hauseigenen Messe "Nokia World" vorstellte: Mit dem neuen N97, das im ersten Halbjahr 2009 in die Geschäfte kommen soll, bläst der finnische Konzern zur Attacke gegen Apples iPhone. Das neue Nokia-Gerät besitzt einen berührungsempfindlichen Bildschirm und hat zusätzlich eine ausklappbare Tastatur. Mit neuen internet-basierten Diensten wie Email, digitalen Karten und Musik will das Unternehmen künftig ebenfalls punkten.

Die Flaute in der Telekommunikationsbranche trifft auch das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks, das Mobilfunknetze anbietet. 2009 geht Nokia von einem branchenweiten Rückgang von rund fünf Prozent aus.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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