Handyausrüster
Balda ersetzt glücklosen Vorstandschef

Teils mit Gleichgültigkeit, teils mit Erleichterung haben Analysten und Arbeitnehmer den angekündigten Abschied von Vorstandschef Joachim Gut, 46, beim Handyausrüster Balda aufgenommen. Die Nachfolge von Gut, dessen Vertrag noch vier Jahre läuft, tritt Finanzchef Dirk Eichelberg an. Die Geschichte eines Niedergangs.

DÜSSELDORF. Wie das Unternehmen aus ostwestfälischen Bad Oeynhausen mitteilte, wird Gut, der seit 2003 im Amt ist und dessen Vertrag noch bis Ende 2012 läuft, Balda zum Ende des Jahres verlassen.

„Diese Nachricht kommt nicht völlig überraschend“, sagt Analyst Nicolas von Stackelberg vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Herr Gut hat zuletzt eher glücklos agiert.“

Dies ist noch die freundlichste Einschätzung, die am Wochenende zu hören war. Lutz Schäffer, der als IG-Metall-Vertreter den Niedergang der deutschen Produktionsstätten von Balda begleitete, formuliert sein Urteil so: „Für die Standorte in Bad Oeynhausen war Herr Gut überhaupt nicht gut.“ In der Tat zeigt ein Blick auf die Arbeitsplatzbilanz von Gut einen dramatischen Verfall. Waren 2005 noch mehr als 2 300 Mitarbeiter für Balda im Inland tätig, so sind es heute 200. Zwar lastet niemand Gut an, dass die Handybranche ihre Produktion fast geschlossen nach Asien verlegt hat und Zulieferer wie Balda folgen mussten. Die Art und Weise, wie Gut hierbei agierte, wirft jedoch Fragen auf.

Der völlig missratene Verkauf des deutschen Handyschalengeschäfts an den Finanzinvestor Aurelius brachte Balda Anfang 2008 bis an den Rand der Insolvenz. Balda verpflichtete sich dazu, sämtliche Verluste der verkauften Tochter zu übernehmen und vergaß, Grenzen zu setzen. Gut musste das Geschäft unter hohen Verlusten rückgängig machen.

Dies und andere Fehler erzürnten sie Aktionären. 2006 galt Balda noch als Geheimtipp. Unter der Pleite des Großkunden BenQ hatte das Unternehmen zwar schwer zu leiden, doch es gab auch eine große Hoffnung: Die chinesische Tochtergesellschaft TPK lieferte die berührungsempfindlichen Bildschirme für das iPhone. Vom Riesen-Hype des Apple-Telefons würde auch Balda profitieren, so die Vorstellung. Internationale Investoren wie Audley Capital und Guy Wyser-Pratte stiegen ein. Der Aktienkurs kletterte auf zwölf Euro.

Heute ist das Papier noch 50 Cent wert. Ganz gleich, wie gut sich das iPhone verkauft – die Investoren haben jegliches Vertrauen in Balda verloren. Balda verfehlt weiterhin seine Ziele und schrieb in den ersten neun Monaten bei einem Umsatz von 207 Mio Euro einen Verlust von 31 Mio. Euro. Wyser-Pratte stieg schon im März aus – nicht ohne Gut Täuschung und Schlimmeres vorzuwerfen. Auf der Hauptversammlung von Balda im Juli wurde Gut von den Aktionären nicht entlastet, blieb aber zunächst trotzdem im Amt.

Die Nachfolge wird nun Finanzchef Dirk Eichelberger antreten. Er soll Balda als Alleinvorstand führen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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