Handybranche
Sony Ericsson verzichtet auf Geld der Mütter

Sony-Ericsson braucht keine Finanzspritzen seiner Mütter, betont Konzernchef Hideki Komiyama - und widerspricht damit Verlautbarungen aus der Sony-Zentrale. Komiyama sieht die Zukunft seines Unternehmens optimistisch und will nach dem Absatzeinbruch mit neuen Geräten für Wachstum sorgen.

DÜSSELDORF. Der angeschlagene Handy-Hersteller Sony Ericsson verzichtet vorerst auf finanzielle Unterstützung seiner Mütter. Vor zwei Wochen erst hatte Sonys Finanzchef gesagt, die Handy-Tochter benötige eine Kapitalspritze von mehr als 100 Mio. Euro. Dem widerspricht Sony-Ericsson-Chef Hideki Komiyama im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Wir gehen nicht davon aus, dass wir das Geld benötigen. Wir hatten im ersten Quartal eine starke Cash-Position und erwarten das auch für das zweite Quartal.“

In der gegenwärtigen volkswirtschaftlichen Lage sei allerdings alles möglich, schränkt Komiyama ein und versichert: „Wenn wir Geld brauchen, werden uns Sony und Ericsson welches geben.“

So optimistisch wie der Firmenchef schätzen Branchenkenner die Lage des weltweit viertgrößten Handy-Herstellers nicht ein. Für die ersten drei Monate dieses Jahres weist Sony Ericsson zwar 1,1 Mrd. Euro Netto-Finanzguthaben aus – das sind die liquiden Mittel abzüglich der Finanzverbindlichkeiten. Dies ist aber nur halb so viel wie Ende 2007: Damals betrug das Netto-Finanzguthaben noch 2,2 Mrd. Euro und ist seitdem stetig geschrumpft.

Auch die anderen Kennzahlen haben sich dramatisch verschlechtert: Das schwedisch-japanische Joint Venture verkaufte Anfang dieses Jahres mit 15 Mio. Handys nur halb so viele Geräte wie Ende 2007 und schreibt seit drei Quartalen Verluste, die sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf knapp 300 Mio. Euro gesteigert haben.

Marktbeobachter überrascht es nicht, dass Mutter und Tochter die finanzielle Lage anders einschätzen. „Das Verhältnis zwischen den beiden scheint angespannt“, sagt Neil Mawston vom amerikanischen Marktforscher Strategy Analytics.

Im Markt heißt es, Sony ärgere sich darüber, dass es zwar seine erfolgreichen Marken wie Walkman und Cybershot für die Handy-Modelle zur Verfügung stelle, aber nur die Hälfte des Ertrags aus dem Joint Venture einfahren könne. Gerüchte, Ericsson wolle aus dem Gemeinschaftsunternehmen ausscheiden, dementieren jedoch beide Partner. „Wir arbeiten sehr eng zusammen“, beteuert Komiyama.

Der 66-Jährige sitzt seit eineinhalb Jahren auf dem Chefsessel und sieht trotz der aktuellen Krise langfristig gute Wachstumschancen. „Das erste Halbjahr wird das schlimmste werden“, prognostiziert er. „Was unsere Zukunft angeht, bin ich aber sehr optimistisch.“ Als Grund nennt er ein neues Produktportfolio sowie Restrukturierungsmaßnahmen, die unter anderem die Streichung von 4 000 der 11 500 weltweiten Stellen umfassen. „Die Fixkosten sind bei uns aus dem Ruder gelaufen“, räumt Komiyama ein. In Konzernkreisen heißt es, zu den Wasserköpfen hätten auch drei Entwicklungsabteilungen gezählt, die Komiyama zu einer zusammenfasste.

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