Hannover Messe
Indien lockt deutsche Firmen

Die Hannover Messe steht ganz im Zeichen Indiens. Der aufstrebende Staat ist Partnerland der Investitionsgütermesse. Mit Verträgen und Absichtserklärungen dokumentieren deutsche Unternehmen auf der Hannover Messe ihr steigendes Interesse am Markt des Subkontinents.

DÜSSELDORF/BERLIN/NEU DELHI. So wollen nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Airbus und Kingfisher Airlines einen Vertrag über den Verkauf von fünf Langstreckenflugzeugen A340-500 abschließen. Neoman und Force Motors planen ein Gemeinschaftsunternehmen zur gemeinsamen Produktion von Bussen in Indien. Eine Absichtserklärung soll dieses Vorhaben besiegeln. Eine weitere Absichtserklärung plant unter anderem die Deutsche Bahn, die mit der indischen Bahn enger kooperieren will.

Im China- und Osteuropa-Rausch der vergangenen Jahre haben deutsche Firmen Indien wenig Beachtung geschenkt. Jetzt zieht ihr Interesse an. „Seit einem Jahr verstärkt sich der Zustrom von Mittelständlern merklich, die in Indien Produktionsstätten errichten“, sagt Bernhard Steinrücke, Leiter der Handelskammer in Bombay. Im Schnitt melden jede Woche zwei bis drei Deutsche Interesse an einer Neugründung in Indien, besonders in den Branchen Maschinenbau und Autozulieferer, berichtet Jens-Michael Otte, der für das Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank in Bombay zuständig ist. „In Einzelfällen ist der Optimismus so groß, dass Firmen nicht mehr mit dem nötigen Risikobewusstsein an den Markt herangehen.“

Auch die diesjährige Hannover Messe steht im Zeichen von Indien. Zahlreiche Veranstaltungen befassen sich mit dem Wachstumsmarkt. Das Land schickt 341 Firmen auf das Messegelände. Insgesamt präsentieren sich in Hannover 5 175 Aussteller aus 66 Ländern. „Die Möglichkeiten für deutsche Firmen sind enorm“, preist die indische Botschafterin Meera Shankar. Mit einem Wirtschaftswachstum von zuletzt acht Prozent biete das Land immense Chancen.

Deutsche Unternehmen sehen sich gut gerüstet. Viele sind bereits seit längerem in Indien aktiv. Um 28 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro sind die deutschen Exporte nach Indien vergangenes Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gestiegen. Vor allem Maschinen und chemische Erzeugnisse sind in Indien gefragt. Damit liegt das Land auf der Liste der Handelspartner Deutschlands zwar nur auf Platz 36, doch die Wachstumsraten sind beeindruckend.

So lieferten die deutschen Maschinenbauer 2005 für 1,5 Mrd. Euro Maschinen und Anlagen nach Indien, eine Steigerung um 43 Prozent. Vor allem Textilmaschinen, Antriebe und Werkzeugmaschinen sind gefragt. Bei Maschinen ist Deutschland inzwischen der wichtigste Lieferant Indiens. Zudem starten immer mehr deutsche Unternehmen eine Produktion vor Ort, um die noch immer hohen Einfuhrzölle zu umgehen und von Indien aus die gesamte Region zu beliefern.

Reibungslos ist das Engagement nicht. Indien legt Investoren noch immer beträchtliche Hürden in den Weg. Beklagt werden vor allem bürokratisches Wirrwarr, Korruption und schlechte Infrastruktur. BDI-Indienexperte Eckart von Unger kritisiert Gesetze, „bei denen ausländische Unternehmen benachteiligt werden“. So müssten bei der Privatisierung von Staatsunternehmen ausländische Bieter Aufschläge hinnehmen. Es gebe jedoch über Ansätze zur Besserung und angesichts der Marktchancen seien Manager zunehmend bereit, Probleme zu überwinden.

Indiens enormer Bedarf an Infrastruktur schafft Geschäftsmöglichkeiten: In einem Konsortium übernahm die Fraport AG kürzlich den Flughafen in Delhi. Dieser wird in den kommenden fünf Jahren für 800 Mill. Dollar ausgebaut. Langfristig kann die Investitionssumme auf vier Milliarden Dollar steigen. Eine Kommission präsentierte Premier Manmohan Singh vorige Woche einen Report, dem zufolge das Land in den kommenden fünf Jahren Investitionen in Höhe von 550 Mrd. Dollar anziehen muss, um seine Entwicklungsziele zu erreichen. Allein 140 Mrd. Dollar sind bei der Stromversorgung nötig, wo 90 000 Megawatt Kraftwerksleistung gebraucht werden. Private Autobahnen benötigen 30 Mrd. Dollar bis 2010 und für die angepeilte Verdoppelung der Kohleförderung braucht Indien Investitionen von 30 Mrd. Dollar.

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