Hannover Messe
Industrie: Gut gelaunt, am Boden zerstört

Auf der Hannover Messe macht sich verhaltener Optimismus breit. Zwar erwarten fast alle auf der weltgrößten Industrieschau vertreten Unternehmen und Verbände ein schwieriges Jahr. Viele rechnen aber im kommenden Jahr mit besseren Zeiten. Das Handelsblatt zeigt, wie es den Branchen geht - und wie diese die Rezession überstehen wollen.

HANNOVER. Anfang kommendes Jahres wird es besser. Davon gehen viele auf der Hannover Messe vertretenen Unternehmen aus. Vor großen Entlassungen scheuen die meisten Firmen deshalb zurück: Sie wollen im Aufschwung nicht erst mühsam nach den raren Fachkräften suchen müssen. Auch der Besuch in Hannover scheint nicht unter der Konjunkturkrise zu leiden, die Aussteller berichten über gut besuchte Hallen.

Fertigungsautomatisierung

Für die deutsche Automatisierungsindustrie wird 2009 ein Jahr der Rezession. Die Branche rechnet mit einem Umsatzrückgang von fünf bis zehn Prozent, nachdem es im vergangenen Jahr noch ein Umsatzwachstum von 8,3 Prozent auf 45,8 Mrd. Euro gegeben hatte. Die Unternehmen der Fertigungsautomatisierung liefern vor allem Komponenten und Systeme an den Maschinenbau, die Autoindustrie und die Chemie - und ist deshalb besonders von deren Schwierigkeiten betroffen.

"Auftragseingang und Umsatz liegen derzeit zweistellig hinter den Werten des Vorjahres", sagte in Hannover Gunther Kegel, Vorsitzender des Fachverbandes Automation im Verband der Elektronikindustrie (ZVEI) und Vorsitzender der Geschäftsführung von Pepperl + Fuchs. Ein Wachstum erwartet er erst wieder zu Beginn des nächsten Jahres.

Rund zwei Drittel der Unternehmen nutzen derzeit die Kurzarbeit, um die Flaute zu überbrücken. Je näher die Unternehmen am Maschinenbau seien, desto mehr Kurzarbeit gebe es, berichtet Kegel. Für den Herbst seien positive Impulse beim Auftragseingang nötig, damit die Unternehmen nicht doch zu Entlassungen greifen müssten. 2008 beschäftigten die deutsche Automatisierungsindustrie 234 000 Personen, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Prozessautomatisierung

Etwas besser als in der Fertigung sieht es in der Prozessautomatisierung aus. Bei Kunden aus den Bereichen Metallurgie, Stahlindustrie, Rohstoffe, Chemie und der Papierindustrie laufe das Geschäft zwar sehr schlecht, berichtete Michael Ziesemer vom ZVEI Automation-Fachverband und Vorstand bei Endress + Hauser. Deutlich besser als der Durchschnitt entwickelt sich nach seinen Worten aber das Geschäft mit der Kraftwerkstechnik, dem Bereich Öl und Gas und der Wasser- und Abwassertechnik.

Ziesemer erwartet insgesamt für die Prozessautomatisierung 2009 einen Rückgang des Auftragseingangs von acht bis zwölf Prozent. Im ersten Quartal 2009 sank der Auftragseingang um 15 bis 20 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. "Das ist ein massiver Rückgang, der aber immer noch niedriger ausfällt als in anderen Bereichen des Investitionsgütersektors", so Ziesemer. Der Rückgang werde sich vermutlich bis Ende des Jahres fortsetzen. Erste Anzeichen für eine Stabilisierung sieht Ziesemer jedoch in Asien, wo es wieder Aufträge vor allem aus China gebe. "Dies ist jedoch ein zartes Pflänzchen, aus Europa und den USA gibt es noch keine Verbesserung", sagte er.

Kompressoren und Drucklufttechnik

Die deutschen Hersteller von Druckluft- und Vakuumtechnik erwarten für 2009 einen deutlich einstelligen Umsatzrückgang für die Branche. "In einigen Marktsegmenten kann es auch deutlich stärkere Rückgänge geben", sagte der Vorsitzende des VDMA-Fachverbandes und Geschäftsführer der Kaeser Kompressoren, Thomas Kaeser. Die Branche spürte bereits im vergangenen Jahr den Abschwung, als die Auftragseingänge um sieben Prozent unter dem sehr guten Jahr 2007 lagen.

Kraftwerke

Wesentlich besser als vielen anderen Industrien geht es den Herstellern von Kraftwerken. "Wir spüren noch nicht mal eine Delle", sagte der Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Motoren und Systeme, Thorsten Herdan. Auftragseingang und Umsatz würden weiter steigen. 2008 ist der Umsatz der Industrie nach Branchenschätzungen weltweit auf rund 25 Mrd. Euro gestiegen, nach 22 Mrd. Euro im Vorjahr.

Die in Deutschland aktiven Hersteller Siemens, Alstom, MAN-Turbo und Hitachi haben nach Schätzung von Herdan im vergangenen Jahr ihren Umsatz um zehn bis 15 Prozent gesteigert. In Europa würden weiter neue Kraftwerke gebaut, da es lange keine Neuinvestitionen gegeben habe. Weltweit errichte vor allem China neue Kohlekraftwerke. Finanzierungsprobleme gebe es bei den Investitionen im Gegensatz zu vielen anderen Branchen nicht.

Energietechnik

Auch die Energietechnik-Branche ist bisher erheblich weniger von der weltweiten Krise betroffen als andere Branchen. "Wir haben Bereiche wie die Hochspannungstechnik, die auch in diesem Jahr mit Wachstum rechnen", sagte der Vorsitzende des ZVEI-Fachverbandes Energietechnik und Vorstand von ABB, Joachim Schneider. Eine Prognose für das laufende Jahr wollte er wegen der unsicheren Lage nicht geben.

Das Geschäft mit der Industrie war bereits 2008 von starken Einbrüchen im Ausland gezeichnet. In den Golf-Staaten und in Russland werde wesentlich weniger investiert. Der Umsatz der Branche stieg 2008 um 7,4 Prozent auf 13,5 Mrd. Euro. In den Jahren 2006 und 2007 hatte es noch jeweils zweistellige Zuwachsraten gegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%