Hans-Peter Villis
EnBW-Chef hat keine Angst vor den Grünen

Bald übernimmt in Baden-Württemberg mit Winfried Kretschmann ein Grüner die Macht. Das wird für EnBW, an dem das Land knapp die Hälfte der Anteile hält, ein Zeitenwechsel. Sorgen macht sich EnBW-Chef Villis aber nicht.
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StuttgartEnBW-Chef Hans-Peter Villis fordert von der Bundesregierung eine bessere Förderung der Windkraft. „Wir brauchen Investitionsanreize. Ich plädiere dafür, die Förderung von Offshore-Windparks zu verbessern. Es geht nicht darum, insgesamt mehr auszugeben, sondern wir brauchen eine höhere Förderung in weniger Jahren“, sagt Villis dem Handelsblatt.

Derzeit bekämen Energieerzeuger 13 Cent je Kilowattstunde Windstrom. Das rechne sich kaum. Bis 2015 gebe es eine Sprinterprämie von zwei Cent. Da sehe die Kalkulation schon besser aus. „Durch eine Konzentration der Förderung auf weniger Jahre, das heißt durch eine Stauchung, und durch die Aufstockung der Sprinterprämie könnten viele neue Projekte schneller in Angriff genommen werden."

Für den EnBW-Chef ist es vor allem eine Frage des Geldes, wie schnell die Branche den Schalter umlegen kann. Dabei ist Villis die Brennelementesteuer bei gleichzeitiger Verkürzung der Restlaufzeiten ein Dorn im Auge. „Wenn über die steuerliche Belastung neu nachgedacht würde, wäre dies vernünftig. Die Steuer schränkt die Investitionsfähigkeit der Energiekonzerne ein." Bislang hat EnBW anders als RWE nicht gegen das Moratorium der Bundesregierung zur Abschaltung von sieben Kernkraftwerken geklagt. Aber Villis hält sich diese Option offen: „Entscheiden müssen wir uns, wenn der erste Steuerbescheid vorliegt. Das wird im Sommer sein. Dann werden wir uns das Gesamtpaket anschauen und abwägen.“

Bei der Diskussion um die Dezentralisierung der Stromversorgung bleibt Villis gelassen und hält die großen Energiekonzerne für unverzichtbar: „Ja. Wer soll denn investieren. Die Stadtwerke? Die haben zuletzt zwar gefühlt viel gemacht. Aber in der Realität? Wer soll denn eine Milliarde Euro für Offshore-Windparks in die Hand nehmen, wenn nicht die großen Konzerne?"

Nicht festlegen wollte sich Villis, bis wann ein Atomausstieg realistisch ist: „Das kann ich ihnen nicht sagen. Wir müssen aber darauf achten, dass wir vor allem die Industrie nicht zu sehr mit hohen Strompreisen belasten. 70 Prozent des Absatzes geht schließlich an Industrie und Gewerbe.“ Deutschland müsse eine Industrienation bleiben, betonte Villis.

Künftig wird bei EnBW eine grün-rote Landesregierung mit 46,5 Prozent als größter Anteilseigner neben dem kommunalen Zweckverband OEW ein gewichtiges Wort mitreden und auf einen schnellen Atomausstieg drängen. „Ich mache mir da keine Sorgen. Schauen Sie doch, was selbst von den Grünen aus Berlin zum Thema Kernenergie kommt. Die sagen ja auch nicht, dass wir sofort raus müssen, sondern nur, so schnell wie möglich. Und wie schnell das letztlich geht, darüber muss man reden – in der Gesellschaft und auch wir im Unternehmen.“

Villis selbst sieht sich trotz der schwierigen Gemengelage nicht bedroht: „Ich fühle mich sehr wohl und sehr sicher auf meinem Posten.“

 

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