Harald Krüger legt BMW-Bilanz vor BMW verliert Spitzenplatz an Mercedes

BMW-Chef Krüger kann den siebten Umsatz- und Gewinnanstieg in Folge verkünden. Rundum glücklich ist er dennoch nicht. Denn Konkurrent Mercedes ist in der Oberklasse wieder Spitzenreiter – und festigt sein Siegerimage.
Update: 21.03.2017 - 10:09 Uhr 13 Kommentare

100.000 Elektroautos bis zum Jahresende – Das ist BMWs neue Strategie

100.000 Elektroautos bis zum Jahresende – Das ist BMWs neue Strategie

MünchenNach dem siebten Umsatz- und Gewinnanstieg in Folge will BMW auch im laufenden Jahr zumindest leicht zulegen. „Wir streben 2017 erneut Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Ergebnis an“, sagte Vorstandschef Harald Krüger am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in München. Für einen erfolgreichen Auftakt habe im Februar der neue 5er gesorgt – nach Stückzahl und Rendite mit das wichtigste BMW-Modell.

BMW hat im vergangenen Jahr 2,25 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft, wurde im direkten Markenvergleich nach elf Jahren an der Spitze aber von Mercedes überholt. Der Gewinn stieg um acht Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Krüger kündigte bis Ende nächsten Jahres über 40 neue und überarbeitete Modelle an – darunter den neuen Luxus-SUV X7. Im besonders rentablen oberen Luxussegment wolle der BMW-Konzern seinen Verkaufszahlen in den nächsten Jahren deutlich steigern, sagte Krüger.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Elektroautos. Neben dem batteriegetriebenen i3 will BMW ab Sommer acht Plug-in-Hybride anbieten und im laufenden Jahr 100.000 Autos mit E-Motor verkaufen. Ab 2019 werde BMW alle Baureihen auch als reine E-Autos anbieten, sagte Krüger.

Das sind die Bestseller von BMW
Platz 10 - Mini Countryman - 68.301 verkaufte Fahrzeuge*
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Den Auftakt in der Reihe der zehn Bestseller von BMW macht der Crossover der kleinen Schwester. Der Absatz des Countryman ist zwar um 22,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Das reicht aber noch für die Top Ten.

*Stand: Gesamtjahr 2016, Quelle: BMW Geschäftsbericht

Platz 9 - BMW 4er - 133.272 verkauft Fahrzeuge
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Den Auftakt in der Reihe der BMW-Modelle macht dieses Mittelklassefahrzeuge Der Absatz ist zwar um 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Das reicht aber noch für Platz neun.

Platz 8 - BMW X3 - 157.017 verkaufte Fahrzeuge
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Die Konkurrenz im Segment der kompakten SUVs wird immer enger. Der Bestseller konnte aber seinen Absatzknick aus dem Vorjahr ausbügeln – die Verkäufe legten wieder um 13,9 Prozent zu.

Platz 7 - BMW X5 - 166.219 verkaufte Fahrzeuge
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Der dritte Generation des SUVs bleibt ein Verkaufserfolg. Im vergangenen Jahr sank der Absatz des Modells jedoch leicht um ein Prozent.

Platz 6 - BMW 1er - 176.032 verkaufte Fahrzeuge
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Beim Kleinen wagen die Münchener bald den Tabubruch. Das aktuelle Facelift ist der letzte mit Heckantrieb. Der Absatz sank 2016 aber um gut drei Prozent.

Platz 5 - BMW 2er - 196.183 verkaufte Fahrzeuge
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In der Nomenklatur der Münchener ist der 2er eine der jüngsten Modellreihen. Das Coupé ging im März 2014 an den Start. Nach dem starken Start legen auch 2016 die Verkaufszahlen erneut um ein Viertel zu.

Platz 4 - Mini Cooper - 198.373 verkaufte Fahrzeuge
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Egal welche Generation - der britische Klassiker hat sich längst zu einem der Bestseller der Münchener entwickelt. Nach einem starken Sprung 2015 ließen in diesem Jahr aber die Verkäufe wieder um rund zehn Prozent nach.

Trotz dieser Erfolgsbilanz dürfte BMW-Chef Harald Krüger den Verlust des Spitzenplatzes in der Oberklasse an Mercedes ärgern. Das mag wie ein kleiner Kratzer im Lack der BMW-Strategie „Number One“ erscheinen – aber: Der Spitzenreiter zieht zusätzliche Kunden an und darf auch etwas teurer sein. Oliver Heil, Professor für Marketing an der Universität Mainz, vergleicht das mit dem Fußball: „Es gibt treue St. Pauli-Fans, und es gibt Sieger-Fans. Barcelona ist Spitze, ich bin Barca-Fan, ich bin auch ein Siegertyp.“ Marktführer zu sein bedeute zusätzliche Verkäufe und ermögliche höhere Preise. Das gelte nicht nur für teure Autos: „Die Uhr, die die Erfolgreichsten tragen, darf ruhig ein bisschen mehr kosten.“ Und auch als Arbeitgeber ist ein führendes Unternehmen für die Besten eine Top-Adresse.

„Erfolg macht sexy“, sagt Frank Biller, Auto-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, und verweist auf den Werbeslogan von Mercedes: „Das Beste oder nichts.“ Mehr Autos zu verkaufen bringt auch Kostenvorteile: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, für Fabriken und Verwaltung verteilen sich auf mehr Autos, und beim Einkauf gibt der Zulieferer Mengenrabatt.

Dieser 7er ist der stärkste jemals gebaute BMW
BMW M760Li xDerive
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Gewöhnlich hört man eine Zwölfzylinder-Luxuslimousine nicht, wenn sie um den Häuserblock biegt. Allenfalls ein dezentes Rauschen ist zu vernehmen. Die Zeiten ändern sich, zumindest bei BMW. Der M760Li xDrive röhrt bisweilen wie ein Sportwagen und macht unmissverständlich klar: Hier kommt etwas Besonderes...

BMW M760Li xDrive
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Wundern kann man sich über die seltsame Bezeichnung am Kofferraumdeckel des neuen Siebener-Flaggschiffs. Was macht der Buchstabe M dort? Und warum plötzlich xDrive? Das gab es doch bislang beim Zwölfzylinder gar nicht.

Die Antwort: Erstmals in der Geschichte des Siebeners hat sich die Performance-Tochter M GmbH des Flaggschiffs der Marke angenommen. Herausgekommen ist ein rollender Superlativ...

Die Zwölfzylinder-Limousine markiert das oberste Ende des Produktportfolios
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Nie zuvor gab es einen stärkeren BMW. 610 PS und 800 Newtonmeter an Drehmoment dürften den vorläufigen, nein vermutlich den endgültigen Schlusspunkt im bayerischen Motorenbau setzen. Die Kraft reicht aus, um den 2,2 Tonnen schweren Luxusliner in nur 3,7 Sekunden von null auf 100 km/h zu katapultieren. Das ist bestes Porsche-Niveau.

„Kein Wettbewerber spurtet schneller los“, sagt der Chef der M GmbH, Frank van Meel. Nicht einmal ein leistungsstärkerer Mercedes-AMG S65 kann hier mithalben. Der Schwaben-Limousine fehlt der Allradantrieb...

BMW setzt seit einigen Jahren zwischen einem reinen M-Modell und dem jeweils stärksten Modell der Kernmarke eine Art Brückenglied
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Beim Fünfer ist dies zum Beispiel der M550i unterhalb des M5. Beide gehen noch dieses Jahr in den Markt. Beim Siebener jedoch gibt es und wird es keinen M7 geben. „Unsere Kunden würden die dann doch sehr sportliche Positionierung des Fahrzeugs vermutlich nicht gutheißen“, sagt Timo Resch, Leiter Produktmanagement für die großen Baureihen bei BMW.

Folglich ist der M760Li xDrive das Spitzenmodell der Baureihe und wird ausschließlich mit langem Radstand und Allradantrieb angeboten...

BMW M760Li xDrive
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Ungewöhnlich für einen Siebener ist die Optik, die manchem Kunden sicher zu sportlich erscheinen wird. Kein Chrom, riesige Lufteinlässe, blaue Bremssättel, mächtige, schwarz lackierte 20-Zoll-Räder und M-Logos an Flanke und Heck.

Wählt man dann noch einen Mattlack hinzu – wie bei den zur Verfügung gestellten Testwagen – fehlt es dem Luxusliner an der klassenüblichen Eleganz... 

Die Excellence-Edition kommt ohne das M
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Für Kunden, die statt sportlicher Akzente Wert auf Eleganz legen, bietet BMW die Excellence-Version an. Bei ihr spielt Chrom die Hauptrolle, die Frontschürze ist dezenter und M-Badges sind nirgends zu sehen.

Lediglich die V12-Embleme an C-Säule und Kofferraumdeckel sowie die Vierrohr-Abgasanlage weisen darauf hin, dass hier jemand mindestens 166.900 Euro ausgegeben hat. Das klingt nach viel, andere wiederum sehen das als Schnäppchen an. Der BMW ist unter den Zwölfzylindern dieser Welt das günstigste Angebot...

BMW M760Li xDrive
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Der Zwölfzylinder dürfte seinem Segment gewiss der sportlichste sein. Den Ingenieuren gelang eine einzigartige Kombination aus Fahrdynamik, Geschmeidigkeit, Laufkultur und Langstreckenkomfort. Mehr geht nicht, möchte man meinen, wenn draußen die Landschaft vorbeifliegt...

Den monatlichen Vergleich der Absatzzahlen gibt es einzig und allein in der Autoindustrie. Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen nennt zwei Gründe: „Sie ist sehr transparent, die amtlichen Zulassungszahlen sind öffentlich“, sagt er. Außerdem interessieren Autos die Menschen mehr als die Verkaufszahlen von Kühlschränken oder Windeln.„Das Rennen um Platz eins kann hier so spannend sein wie die Bundesliga-Tabelle. Es zeigt schnell, wer stärker und wer schwächer wird.“

Angefangen hat der Größenvergleich in den 1950er-Jahren in den USA. General Motors warb mit Blick auf die Konkurrenten Ford und Chrysler mit dem Spruch „We are the greatest“. Das war GM auch, bis 2008, als Toyota sie überholte. Ein Jahr später war GM insolvent. „Pure Größe sagt gar nichts. Der Größte beim Absatz zu sein, das kann auch ein Pyrrhus-Sieg sein“, sagt Dudenhöffer. „Rendite ohne Größe ist Nische. Größe ohne Rendite ist Schwachsinn.“

Mercedes hat heute sowohl beim Absatz als auch bei der Gewinnmarge die Nase vor BMW; Audi folgt inzwischen mit einigem Abstand. Jahrzehntelang hatten die Schwaben in der Oberklasse den Ton angegeben - 2005 war dann BMW vorbeigezogen, 2011 wurden sie auch noch von Audi überholt. Aber mit neuem Design, neuen Modellen und neuem Vertriebsnetz in China holte Daimler-Chef Dieter Zetsche die Krone jetzt zurück. „Mercedes steht an der Spitze des Premiumsegments“, sagte er stolz: „Number one.“

BMW-Aufsichtsratschef Reithofer hat seinen Managern deshalb die Leviten gelesen: Sie sollten sich gar nicht erst ans Verlieren gewöhnen. „Wir müssen als BMW die Nummer eins sein“, zitierte ihn die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Krüger, seit knapp zwei Jahren Nachfolger Reithofers als Vorstandschef, muss nun angreifen.

Die Meilensteine der Konzerngeschichte
7. März 1916
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Die Bayerischen Flugzeugwerke werden in München gegründet.

1922
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Das Unternehmen wird in Bayerische Motorenwerke (BMW) umbenannt. Hier das Werk Milbertshofen in den 1920er-Jahren.

1923
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Das Unternehmen baut sein erstes Motorrad, das R32.

1928/1929
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BMW übernimmt die Fahrzeugwerke in Eisenach und baut sein erstes Auto. Der Dixi entsteht in Lizenz des englischen Autobauers Austin.

1932
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BMW entwickelt den 303 – mit der seither charakteristischen Niere als Kühlergrill.

1944
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BMW baut Motoren für die Luftwaffe und beschäftigt rund 25.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Nach Kriegsende verliert das Unternehmen das Werk Eisenach.

1952
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Erstes Nachkriegsauto ist 1952 der große „Barockengel“ 501, 1955 folgt die winzige Isetta.

Im Rennen um die Krone in der Oberklasse holen Jaguar-Land Rover und Volvo auf – und die Tesla-Elektroautos mit Autopilot mischen die ganze Branche kräftig auf. Neue Technologien, die Vernetzung, Shared Mobility und andere neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle ändern die Spielregeln grundlegend. „Wer hat die meisten Kunden? Das ist vielleicht bald interessanter als die Zahl der verkauften Autos“, sagt Biller. Der Titel des Absatzkönigs verliert an Bedeutung. „In Zukunft gewinnen wird, wer die Kunden besser versteht, wer ihnen mehr Spaß, Emotionen, Komfort bieten kann, sagt Dudenhöffer. „Wer nur an Stahl und Reifen denkt, dem wird es gehen wie Nokia mit seinen Handys.“

Gerade die globale Spitzenposition von Mercedes, BMW und Audi könnte zum Nachteil werden, befürchtet Heil: „Wer das heutige Spiel am perfektesten und erfolgreichsten beherrscht, tut sich schwer, wenn alles anders wird“, sagt der Wirtschaftsprofessor. „IBM hat die besten Schreibmaschinen gemacht, Kodak die besten Filme, Nokia die besten Handys. Wo sind sie heute?“

  • dpa
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  • Alles Roboter!

  • Für mich sind das alles App-Deppen, vollkommen lebensunfähig ohne iphone und iPad.

  • Für jeden Scheiss eine App, was soll der Mist?

  • Gleiches gilt für Handys.
    Ich habe keines und mir gehts bestens!
    Zudem würde ich mir auch nicht alle zwei Jahre wieder ein Neues anschaffen, wozu?
    Schauen sie sich doch um, was diese HGandys mit der Gesellschaft anstellen.
    Alle glotzen nur noch auf ihre Displays, die Umwelt und die Mitmenschen werden gar nicht mehr wahrgenommen. An der Bushaltestelle, in der Bahn, im Supermarkt, auf dem Sportplatz, in der Kneipe, alle glotzen auf dieses dämliche Hnady, als ob es sonst nichts mehr gebe. Absolut krank, dieser Handywahn!

  • unterbewusst

  • @ Andreas

    Ich habe keine Glotze und wenn, würde ich mir nicht ständig ein neues Gerät anschaffen.
    Wozu?
    Um mich täglich untergewusst manipulieren und mit Werbung zumüllen zu lassen?
    Ohne mich!
    „Wir leben nun einmal in einer Leistungsgesellschaft...“ Auch dass stimmt nicht, fragen sie mal bei den Leiharbeitern nach, die hart arbeiten und trotzdem dauerhaft finanziell auf keinen grünen Zweig kommen, oder im Altenheim, oder bei den Putzfrauen, den Handwerkern, den Friseuren, Bäckern und Metzgern nach, wieviel die im Monat als Angestellter verdienen.
    Und die leisten wahrscheinlich für die Gesellschaft mehr, als so ein Sesselfurzer bei einer Bank oder Versicherung.

  • Joachim Löwensteiner...

    Sie können ja, wenn der Kapitalismus sooo schrecklich ist und die AfD alles besser macht ja das doppelte für ein Brötchen bezahlen, da wird sich die Verkäuferin sicherlich bedanken...
    Wenn SIE doch so ein empathischer Mensch sind....dann machen Sie das sicherlich schon. -Wir leben nun einmal in einer Leistungsgesellschaft und wir alle freuen uns über mehr Leistung bei gleichen Preis, sei es ein Handy, ein Fernsehen etc... Sie doch auch :-)

  • Es tut wahrlich gut zu lesen, dass es noch Menschen gibt, die diese Ansichten haben von unserem Finanzsystem und unserer mittlerweile daraus resultierenden Gesellschaft. Ich wünsche mir, dass es mal jemanden geben wird, der diesem System das Kontra gibt und sich damit durchsetzen wird.

  • Wäre auch mal interessant zu erfahren, wieviel von den Target 2 Forderungen der Bundesbank gegen die EZB auf die deutschen Automobilhersteller entfallen.
    Die Automobilkonzerne wurden zwar von der Deustchen Bundesbank bezahlt, aber die Bundesbank hat gleichzeitig „Foderungen gegen das Eurosystem (Target 2) verbucht, die immer noch als offene Posten in der Bilanz stehen.

  • empathisch

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