Harte Fronten
Tarifverhandlungsrunde in Textilindustrie vertagt

Bei den Tarifverhandlungen für die rund 140 000 Beschäftigten in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie haben sich die Fronten weiter verhärtet.

HB DARMSTADT. Am Dienstag endete in Darmstadt auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen ohne Annäherung. Die Arbeitgeber wollen weiterhin Lockerungen im Tarifvertrag durchsetzen. Dies lehnte die Gewerkschaft strikt ab und bliebt bei ihrer Forderung nach 3,5 % Einkommenserhöhung. Die Branche zählt in Westdeutschland derzeit 150 000 Beschäftigte, 1995 waren es noch mehr als 250 000 Mitarbeiter. Als Termin für die nächste Runde wurde der 20. September festgelegt. Ein Tagungsort steht noch nicht fest.

„Wir brauchen Öffnungsklauseln für die Betriebe, damit sie im Wettbewerb bestehen können“, sagte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Wolfgang Brinkmann. „Wenn Firmen in Konkurs gehen, ist mit der Gewerkschaft vieles möglich. Aber dann ist es meist zu spät.“ Es müssten alle Möglichkeiten geprüft werden - von längeren Arbeitszeiten bis zum Lohnverzicht -, um das Überleben der Unternehmen zu sichern. Zusätzliche Belastungen könnte die Branche nicht tragen. So seien im ersten Halbjahr 2004 die Bestellungen bei Textil um 3,2 und bei Bekleidung um 7,9 % zurückgegangen.

Peter Donath, Verhandlungsführer der IG-Metall erklärte, dass die Branche bereits die flexibelsten Tarifverträge in Deutschland abgeschlossen habe mit Wochenenddiensten und saisonbedingter Mehrarbeit. „Wir können nicht zulassen, dass der Tarif zur unverbindlichen Preisempfehlung verkommt.“ Die Beschäftigten der Bekleidungs- und Textilindustrie rangierten bereits heute am Ende der Einkommensstatistik. Donath nannte die angepeilte Lohnerhöhung von 3,5 % für die Textilindustrie die „niedrigste Forderung seit der schriftlichen Aufzeichnung von Tarifverträgen“. Das Einsparpotenzial bei den Lohnkosten sei in der Brache gering, da ihr Anteil an den Herstellungskosten unter 20 % liege.

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