Hauptversammlung
Aktionäre schelten Adidas wegen Reebok-Kauf

Die Adidas-Führung ist voll des Lobes über die Integration des US-Sportartikelherstellers Reebok in den Konzern. Die Kleinaktionäre sind indes weit weniger glücklich über den milliardenschweren Zukauf. Sie befürchten ein Fiasko wie bei der Übernahme von Salomon.

HB FÜRTH. „Brauchen wir wirklich Reebok?“, fragte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Fürth. Während die Marke Adidas und die Golfsparte Taylormade mit hohen Zuwächsen glänzten, habe Reebok große Probleme. Ein Kaufpreis vom Achtfachen des operativen Gewinns sei zudem „nicht gerade ein Schnäppchen“.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sieht das Reebok-Geschäft kritisch. „Reebok ist für mich ein großes Risiko“, sagte SdK-Vertreter Harald Petersen, auch wenn dieses Geschäft große Chancen biete. Petersen erinnerte zudem an die erfolglose Übernahme des französischen Wintersport- und Outdoor-Spezialisten Salomon, der 1997 für umgerechnet 1,2 Mrd. Euro erworben wurde und sich als Verlustbringer erwies. Salomon wurde 2005 für 485 Mill. Euro an die finnische Amer Sports Corporation weiterverkauft. Die miterworbene Golfsparte Taylormade hat Adidas behalten.

Adidas hatte Reebok im Januar für 3,2 Mrd. Euro übernommen. Umsatz und Auftragsbestand von Reebok sanken zuletzt aber deutlich. Der Rückgang im ersten Quartal fiel nach am Mittwoch vorgelegten Zahlen aber geringer aus als von Analysten erwartet.

Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer betonte dann auch auf der Hauptversammlung, dass die größte Akquisition in der Geschichte der weltweiten Sportartikelindustrie eine „fantastische Chance“ für Adidas sei, den Unternehmenswert nachhaltig zu entwickeln und die Wettbewerbssituation in Nordamerika zu verbessern.

„Wir wollten Reebok, weil es hervorragend zu uns passt, und wir sind dabei, Reebok zügig in unsere Unternehmensgruppe zu integrieren“, sagte Hainer. Nun müsse Reebok markentechnisch und finanziell auf den richtigen Weg gebracht und an die Maßstäbe herangeführt werden, die mit den Marken Adidas und Taylormade bereits erzielt worden seien.

„Es läuft in der Tat sehr gut, und ich darf Ihnen sagen, dass wir aus den Fehlern der Salomon-Akquisition gelernt haben“, sagte Hainer. In diesen Zusammenhang verteidigte der Adidas-Chef die Entscheidung, die vor neun Jahren übernommene Wintersport-Sparte zu verkaufen. „Die Trennung von Salomon erlaubt es uns, uns ganz auf die Bereiche zu konzentrieren, in denen unser Know-how unbestritten ist: die Entwicklung erstklassiger Sportschuhe und Sporttextilien sowie den wachsenden Golfbereich.“

Auf der Hauptversammlung hat Adidas das Kapitel Salomon endgültig geschlossen. Nach dem Verkauf im vergangenen Jahr beschlossen die Aktionäre nun mit annähernd 100-prozentiger Zustimmung die Umbenennung des Unternehmens in Adidas AG. Der Name Salomon wird nach neun Jahren wieder aus der Firmenbezeichnung gestrichen. Der seit Januar zur Gruppe gehörende amerikanische Hersteller Reebok taucht im Firmennamen nicht auf.

Die Aktionäre stimmten zudem mit 99,99 Prozent des anwesenden Kapitals für einen Aktiensplit, um das Papier optisch billiger zu machen. Wann die Aktionäre für jeweils 1 alte Aktie 4 neue erhalten, steht noch nicht exakt fest. „Der Termin wird noch bekannt gegeben“, sagte eine Sprecherin.

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