Hauptversammlung
Aktionäre spalten Altana

Das letzte Aufbäumen der Kleinaktionäre hat nichts gebacht. Der Bad Homburger Pharma- und Chemiekonzern Altana spaltet sich auf. Die Großaktionärin wollte es so. Die Pharmasparte geht nun zu einem „Ladenhüterpreis“ weg, wie ein Kleinaktionär wetterte.

shf/HB FRANKFURT/BAD HOMBURG. Die Aktionäre stimmten dem 4,6 Mrd. Euro schweren Verkauf der Pharmasparte an das dänische Pharmaunternehmen Nycomed zu, wie Altana nach seiner außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag mitteilte. „Insgesamt 63 Prozent des Grundkapitals waren bei der Abstimmung vertreten, also 88 Mill. Stimmen – davon haben 87 Mill. Stimmen für den Verkauf votiert“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Dem Verkauf mussten 75 Prozent des anwesenden Kapitals zustimmen. Die Transaktion soll bis zum 29. Dezember 2006 über die Bühne gehen.

Um die Zustimmung hatte der Vorstand trotz heftiger Kritik an seiner Strategie nicht ernsthaft bangen müssen. Großaktionärin und Quandt-Erbin Susanne Klatten hält mehr als die Hälfte aller Altana-Aktien und hätte angesichts der mäßigen Beteiligung an der Hauptversammlung die Aufspaltung alleine durchdrücken können. Die übrigen 49,9 Prozent befinden sich im Streubesitz, davon 32,4 Prozent bei institutionellen Investoren.

Altana trennt sich von der Pharmasparte, da zum Ende des Jahrzehnts der Patentschutz für das Magenmittel Pantoprazol ausläuft, mit dem Altana den Löwenanteil der Pharmaerlöse erwirtschaftet. Neue Medikamente, die den zu erwartenden Umsatzausfall ausgleichen könnten, sind nicht in Sicht. Nach dem Verkauf der Pharmasparte, die zuletzt 2,4 Mrd. Euro Jahresumsatz machte, bleibt von Altana nur das deutlich kleinere Chemiegeschäft mit Sitz in Wesel am Niederrhein übrig.

Der Käufer, die dänische Nycomed, ist ein Pharmamittelständler, der von den Beteiligungsfirmen Nordic Capital, Blackstone und CSFB Private Equity finanziert wird. Die Transaktion wurde im September besiegelt. Der endgültige Kaufpreis fällt nach Angaben Schweickarts mit 4,6 Mrd. Euro aufgrund eines höheren Umlaufvermögens in der Sparte voraussichtlich noch um 100 Mill. Euro höher aus als ursprünglich vereinbart und soll im kommenden Jahr in Form einer Sonderdividende von 32 Euro je Aktie an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

„Zu Ladenhüterpreis losgeschlagen.“

Etliche Kleinaktionäre waren trotz des Geldregens jedoch erboßt über den Deal. Altana-Chef Nikolaus Schweickart, der nach Ablauf der ordentlichen Hauptversammlung im kommenden Mai in den Ruhestand geht, musste sich heftige Kritik gefallen lassen. Christian Strenger, der frühere Chef der Fondsgesellschaft DWS, sprach von einem enttäuschend niedrigen Preis, für den letztlich auch die Großaktionärin Susanne Klatten aufgrund ihrer Ausstiegsstrategie mit verantwortlich sei. Naheliegende Möglichkeiten zum Ausbau der Pharmasparte, etwa durch eine stärkere Beteiligung an GPC, habe man versäumt. „Am Ende konnte man die Sparte nur noch zu Ladenhüterpreisen losschlagen.“

In ein ähnliche Kerbe schlugen Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Das Management von Altana habe bei dem Versuch, Pharma auf eine breitere Basis zu stellen, eklatant versagt, so SdK-Sprecher Wolfgang Kirn. Dem Verkauf könne man nur mit Bauchschmerzen zustimmen, „um noch größeren Schaden vom Unternehmen abzuwenden“. Auf Kritik von Seiten der Kleinaktionäre stieß unter anderem die Tatsache, dass der Verkaufserlös per Dividende ausgeschüttet werden soll und nicht über einen – steuerlich günstigeren – Aktienrückkauf. Denn auf die Ausschüttung müssen Steuern gezahlt werden.

Die europäischen und amerikanischen Kartellbehörden haben die Übernahme bereits ohne Auflagen genehmigt. Etliche Kleinaktionäre nutzten die Versammlung allerdings, um Voraussetzungen für eine spätere Anfechtung der Beschlüsse zu schaffen.

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