Hauptversammlung auf Englisch
Sprachenstreit bei Zapf

Dem angeschlagenen fränkischen Puppenhersteller Zapf Creation steht eine turbulente Hauptversammlung bevor. Beobachter rechnen damit, dass die Aktionäre am kommenden Dienstag allein schon deshalb auf die Barrikaden gehen werden, weil die Veranstaltung auf Englisch abgehalten werden soll. Und das ist noch das kleinste Übel.

MÜNCHEN. Bei Zapf hieß es am Montag, zu dem ungewöhnlichen Schritt habe sich der Aufsichtsrat entschlossen. Der Grund: Alle drei Mitglieder des Gremiums kommen aus Spanien und können offenbar nicht gut genug Deutsch. Einen deutschsprachigen Versammlungsleiter zu wählen hätten die Aufseher abgelehnt. Im Umfeld von Zapf verlautete, dass nach derzeitigem Stand eine Simultanübersetzung angeboten werden soll.

Diese für eine deutsche börsennotierte Gesellschaft außergewöhnliche Maßnahme könne die Stimmung weiter aufheizen, warnen Firmenkenner. Viele Kleinaktionäre sind ohnehin wütend über die Vorgänge bei Zapf in den vergangenen Wochen und Monaten.

Das Bandai-Angebot war doch nicht so schlecht

Europas größter Puppenproduzent ist vergangenes Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Daraufhin musste im Frühjahr der Vorstandschef seinen Hut nehmen. Im Juni kündigte der japanische Wettbewerber Bandai an, ein Übernahmeangebot vorzulegen. Diese Offerte scheiterte jedoch Ende Juli, weil nicht genügend Anteilseigner bereit waren, ihre Aktien zu dem von Bandai gebotenen Preis abzugeben. Sie handelten dabei auf Empfehlung des Aufsichtsrats, der den Preis für zu niedrig hielt. Zwischenzeitlich war zudem der amerikanische Wettbewerber MGA eingestiegen und hatte sich 20 Prozent der Aktien gesichert.

Was die freien Anteilseigner heute ärgert: Der Kurs liegt mit etwa 7,50 Euro deutlich unter den 10,50 Euro, die Bandai geboten hatte. Dazu kommt, dass MGA nach dem Scheitern des Angebots von Bandai eine Vertriebskooperation mit Zapf vereinbart hat. Ohne ein Übernahmeangebot hätte MGA nun erreicht, wofür Bandai die ganze Firma hätte übernehmen müssen, beklagen sich viele Aktionäre. Nach wie vor ist völlig offen, was MGA langfristig mit seinem Anteil vorhat.

Frisches Geld muss her

Zudem ist unklar, wie es finanziell mit Zapf weiter geht. Vorstandschef Georg Kellinghusen spricht mit Investoren über eine Kapitalerhöhung. Zapf hat frisches Geld nötig, weil die Eigenkapitaldecke dünn ist. Am Montag stand noch nicht fest, ob MGA sich beteiligen würde oder ob andere Partner zum Zug kommen. Ungeachtet dessen rechnet die Hypo-Vereinsbank damit, dass Zapf am Freitag deutlich verbesserte Zahlen vorlegt. Weil das umsatzstarke Osterfest erst im April war, hätte sich Zapf im zweiten Quartal gegenüber dem Jahresanfang in jedem Fall verbessert, so die Analysten.

Die britische Beteiligungsgesellschaft Trafalgar Asset Managers rechnet aber offenbar nicht damit, dass der Kurs merklich steigt. Sie hat ihren Anteil am 9. August auf 4,69 Prozent und damit unter die meldepflichtige Schwelle von 5 Prozent gesenkt, wie Zapt am Dienstag bekanntgab. Im Juli, als sich Bandai und MGA um Zapf stritten, waren die Briten mit 5,63 Prozent eingestiegen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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