Hauptversammlung

Aus Porsche wird VW

Den Übernahmekampf mit Porsche hat Volkswagen gewonnen - von der Fusion ist bislang aber wenig zu sehen. VW-Chef Winterkorn muss auf der Porsche-Hauptversammlung für neue Begeisterung sorgen.
Update: 17.06.2011 - 13:50 Uhr 1 Kommentar
Wie sieht die Zukunft von Porsche und VW aus?
Porsche verdoppelt Quartalsergebnis
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Porsche kommt auf seiner Fahrt unter das Dach von Volkswagen nicht voran. Der Sportwagenbauer hat zwar in den vergangenen Monaten die Voraussetzungen für die ursprünglich noch in diesem Jahr geplante Verschmelzung mit Europas größtem Autobauer geschaffen. Doch auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft gibt es Hürden, die die Architekten des neuen Auto-Giganten nicht aus eigener Kraft aus dem Weg räumen können. Was bleibt?
Warten. Oder der Plan B

Volkswagen macht Übernahmeangebot für MAN
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Seit Wochen ist es in Stuttgart und Wolfsburg, was die gemeinsame Zukunft betrifft, ungewöhnlich ruhig geworden. In den Fokus sind das wieder brummende Autogeschäft und der Plan für eine Lkw-Allianz von MAN und Scania unter Führung von VW gerückt. Auch dies ist Teil des Imperiums vom Kleinwagen über Luxuslimousinen und Sportwagen bis hin zum Schwerlaster, an dem der mächtige VW-Patriarch Ferdinand Piëch bastelt.

Zusammenschluss Porsche-VW kommt nicht voran
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An diesem Freitag (17. Juni) werden VW-Chef Martin Winterkorn (rechts), der in Personalunion auch Vorstandsvorsitzender der Porsche SE ist, und Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch nicht darum herumkommen, Fragen zum Zeitplan für das Zusammengehen von VW und Porsche zu beantworten. Dann treffen sich in Stuttgart die Aktionäre der Porsche Automobil Holding SE zur Hauptversammlung. Im Mittelpunkt dürfte die Frage stehen: Wie geht es weiter mit Porsche und VW? Beobachter rechnen allerdings nicht damit, dass Winterkorn bei dem Aktionärstreffen eine entscheidende Weichenstellung verkünden wird.

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Die Wahrscheinlichkeit, dass die Verschmelzung noch in diesem Jahr gelingt, wird immer geringer. Die Fusion ist die Wunschlösung, auf die sich VW und Porsche nach der monatelangen Übernahmeschlacht 2009 geeinigt hatten. Das Problem sind Altlasten und Risiken aus der Vergangenheit der Porsche SE, die sich VW nicht aufhalsen will. Zwar hat die Holding den während des Übernahmekampfes mit VW angehäuften Schuldenberg massiv abgetragen. Dies gelang unter anderem dank des Verkaufs von 49,9 Prozent der Anteile des Porsche-Sportwagengeschäfts (Porsche AG) an VW und einer Kapitalerhöhung.

Entscheidung über Klage von Porsche-Aktionären
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Keinen Einfluss haben die Manager in Stuttgart und Wolfsburg dagegen darauf, wie lange sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Deutschland wegen des Verdachts auf Untreue gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (rechts) und seinen Finanzvorstand Holger Härter hinziehen. Dies gilt auch für die Schadensersatzklagen von Investoren in Millionenhöhe in den USA, die sich von Porsche über die wahren Absichten bei der geplanten VW-Übernahme getäuscht fühlen. Hinzu kommt die schwierige rechtliche und steuerliche Bewertung des Zusammenschlusses.

Porsche Panamera Turbo S
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Zuletzt hatten Winterkorn und Pötsch die Wahrscheinlichkeit, dass die Verschmelzung noch wie geplant 2011 klappt, auf 50 Prozent beziffert. Damit wird Plan B immer wichtiger: Danach könnte Volkswagen auch die restlichen 50,1 Prozent der Anteile an der Porsche AG übernehmen. Der Clou: Auch so hätte VW das komplette operative Porsche-Sportwagengeschäft in der Tasche - ohne die ungelösten Probleme der Porsche SE. Die Holding, unter deren Dach derzeit 50,1 Prozent der Porsche AG und rund 50,7 Prozent der VW-Stammaktien gebündelt sind, bliebe dann bestehen und müsste alleine mit den juristischen Problemen fertig werden.

Winterkorn: Porsche-Integration kommt «auf jeden Fall»
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Ein Scheitern des Deals hatte Winterkorn zuletzt ausgeschlossen. „Der integrierte Automobilkonzern wird umgesetzt.“ Die Frage ist nur: Wann und wie.

StuttgartPorsche und Volkswagen wollen sich trotz zahlreicher ungelöster Probleme nicht von ihrem Weg in eine gemeinsame Zukunft abbringen lassen. „Das Vertrauen zwischen Porsche und Volkswagen ist groß und der Teamgeist stimmt“, sagte Porsche-SE-Chef Martin Winterkorn am Freitag bei der Hauptversammlung in Stuttgart. „Unser klares gemeinsames Ziel ist die Verschmelzung“, bekräftigte Winterkorn. Schon jetzt arbeiteten die beiden Unternehmen etwa bei Einkauf und Entwicklung zusammen. Jährlich sparten Volkswagen und Porsche durch die Synergien zusammen etwa 700 Millionen Euro.

„Wir wachsen Stück für Stück zusammen“, konstatierte Winterkorn. Der Zeitpunkt für die enge Zusammenarbeit könne kaum günstiger sein, sagte er. „Die Weltwirtschaft wächst, die Verbraucher haben wieder Vertrauen gefasst.“ Das merken nicht zuletzt VW und Porsche. Porsche steigerte seinen Absatz im Mai vor allem dank der Nachfrage in China um mehr als zwei Drittel. In den ersten fünf Monaten des Jahres erzielte Porsche ein Plus von 38,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Bei VW wuchs der Absatz zwischen Januar und Mai auf 3,37 Millionen Fahrzeuge, fast 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit sind die Wolfsburger auf Rekordkurs.

Kein Termin für die Verschmelzung

Doch wann die beiden Autohersteller zusammengehen, ist noch offen. Avisiert war eigentlich dieses Jahr. Durch die erfolgreiche Kapitalerhöhung in Höhe von 4,9 Milliarden Euro im April hat sich laut Winterkorn die Netto-Verschuldung von Porsche deutlich verbessert - ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Verschmelzung. Sie liege inzwischen bei unter 1,5 Milliarden Euro. Zwischenzeitlich plagte Porsche ein Schuldenberg von rund neun Milliarden Euro, der sich in der Finanzkrise durch die geplatzte Übernahme des VW-Konzerns angehäuft hatte.

Für Mitte Dezember 2011 wurde eine außerordentliche Hauptversammlung terminiert, auf der die Aktionäre über die Verschmelzung abstimmen sollen - und an dieser wird offiziell zumindest noch festgehalten, sagte der Finanzchef der Porsche SE, Hans Dieter Pötsch, auf der Hauptversammlung. Eine Klärung der offenen Fragen sei möglich, einen Termin nannte er jedoch nicht. Die noch für dieses Jahr anvisierte Verschmelzung könne aber auch noch ab dem kommenden Jahr gelingen, fügte Pötsch hinzu.

Das Landgericht Stuttgart habe auf Antrag von Porsche die Wirtschaftsprüfung Rölfs RP als Verschmelzungsprüfer bestellt. „Wir bereiten alles nötige für die anvisierte Verschmelzung vor“, sagte Pötsch. Der Aufsichtsrat habe „zur aktiven Begleitung“ der Verschmelzung einen Verschmelzungsausschuss gebildet.

Porsche und VW hatten sich nach dem gescheiterten Übernahmeversuch der Stuttgarter Mitte 2009 auf eine Fusion beider Konzerne verständigt. Dieser Verschmelzung stehen aber noch einige juristische und steuerliche Hürden im Weg. So sind gegen Porsche wegen angeblicher Kapitalmarktmanipulationen Schadenersatzklagen in den USA anhängig sind. Gegen die früheren Porsche-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter ermittelt zudem die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ebenfalls wegen möglicher Verstöße gegen Kapitalmarktregeln.

Darüber hinaus könnten bei einer baldigen Fusion hohe Steuerzahlungen anfallen, an einem klärenden Anwendungserlass zum Umwandlungsgesetz wird von den Steuerbehörden gearbeitet. Bisher liege ein erster Entwurf dazu vor, sagte Porsche-Finanzchef Pötsch, der in gleicher Funktion auch bei VW tätig ist. „Eine abschließende Beurteilung des Entwurfs kann derzeit noch nicht erfolgen“, sagte der Manager. „Wir sind aber zuversichtlich, in einem überschaubaren Zeitraum zu einer erfolgreichen Klärung der Steuerfragen kommen zu können“, fügte Pötsch hinzu.

Höhen und Tiefen einer Familiensaga
PORSCHE
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1931 - Der Beginn einer Saga

Ferdinand Porsche (1875-1951) gründet sein Konstruktionsbüro Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH in Stuttgart. Die ausgefallenen Entwürfe des Ingenieurs sorgen bald für Furore.

huGO-BildID: 12975952 ** ARCHIV ** Adolf Hitler spricht am 26. Mai 1938 in Fallersleben bei Hannover vor der Grundsteinlegung einer neuen Automobil-F
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1933 - Pakt mit dem Regime

Porsche trifft erstmals Hitler, um den Volkswagen zu besprechen. 1934 folgt der Konstruktionsauftrag, 1936 rollt der Prototyp, 1938 legt Hitler den Grundstein für das VW-Werk. Auf dem Bild spricht Adolf Hitler am 26. Mai 1938 in Fallersleben bei Hannover vor der Grundsteinlegung einer neuen Automobil-Fabrik.

Ferdinand Porsche mit dem Käfer auf Versuchsfahrt
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1937 - Der Konstrukteur und seine dunkle Vergangenheit

Ferdinand Porsche wird wird NSDAP-Mitglied - und ist damit auch auf dem Papier ein Teil der Macht in Nazideutschland. Seine Modelle entwickeln sich im Deutschen Reich zu Verkaufsschlagern.

Ferry Porsche
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1963 - Eine Legende wird geboren

Unter dem Gründer-Sohn Ferry entwickelt sich Porsche zu einem Sportwagenbauer von Weltrang. Seine berühmteste Konstruktion gelingt dem Ingenieur 1963: Mit seinem Team produziert er den ersten 911.

Benzin im Blut - VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird 70
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1972 - Porsche-Enkel mit Machtambitionen

Seine Mutter Louise ist die Tochter von Ferdinand Porsche, sein Vater ist der Wiener Anwalt Anton Piëch: Mit seiner pragmatischen, analytischen Art steht der junge Ingenieur Ferdinand Piëch seinem Großvater in Nichts nach. Doch bei Porsche reicht das nicht zum Erfolg. Nach jahrelangen Streitigkeiten ziehen sich alle Familienmitglieder aus dem Porsche-Management. Ferry Porsche wird Aufsichtsratsvorsitzender, Ferdinand Piëch geht zu Audi (auf dem Bild).

huGO-BildID: 2525353 A toddler pases along a line of Porsche sports cars gathered at the esplanade of the Cinquentenaire Arch in Brussels, Sunday Mar
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1984 - Porsche geht an die Börse

Um zu expandieren wagt Porsche den gange auf das Parkett. Allerdings legen die Familien Porsche und Piëch weiterhin höchste Priorität darauf, die Zügel im Unternehmen in der Hand zu halten. Darum werden nur nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien ausgegeben. Die Stammaktien bleiben im Besitz der Familien

Wiedeking kämpft um Unabhängigkeit von Porsche
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1992 - Der Retter namens Wiedeking

Nach dem Börsengang kämpft Porsche mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, fährt 1992 einen Verlust von 240 Millionen DM ein. Bis er das Steuer übernimmt: Wendelin Wiedeking steigt kurz nach der Wende zum Vorstandsvorsitzenden auf und saniert den angeschlagenen Autobauer innerhalb kürzester Zeit.

  • dpa
  • dapd
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1 Kommentare zu "Hauptversammlung: Aus Porsche wird VW"

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  • Aus Edelkarosse wird Massenprodukt

    Man waren das Zeiten als Porsche noch was besonderes war.

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