Hauptversammlung
Bayer-Investoren warten auf den großen Wurf

Im ersten Quartal hat Bayer starke Zahlen vorgelegt. Den Investoren fehlt es an Vertrauen in das Potenzial des Chemie- und Pharmakonzerns. Sie warten auf den großen Wurf, doch dazu wird es wahrscheinlich nicht reichen.
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Frankfurt„Evolution statt Revolution“, lautete die Devise, mit der Marijn Dekkers vor eineinhalb Jahren die Führung des Bayer-Konzerns übernahm. Bisher hat er Wort gehalten. Der Niederländer überraschte früh mit einem Sparprogramm, alles in allem transformiert er den Chemie- und Pharmakonzern aber eher in kleinen Schritten.

Und diese zeigen durchaus ihre Wirkung. Im ersten vollen Jahr der Ära Dekkers steigerte Bayer den Betriebsgewinn immerhin um die Hälfte auf den neuen Rekordwert von 4,2 Milliarden Euro, den Betriebsgewinn vor Abschreibungen um ein Zehntel und das bereinigte Ebitda, die zentrale Steuerungsgröße des Konzerns, noch um sieben Prozent auf 7,6 Milliarden Euro.

Mit den meisten Ertragsgrößen bewegt sich Bayer in die richtige Richtung, was gestern auch die starken Zahlen für das erste Quartal 2012 unterstrichen. Immerhin überraschte der Konzern mit einem unerwartet kräftigen Anstieg des bereinigten Ebitda um neun Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um sieben Prozent auf zehn Milliarden Euro, der Nettogewinn um die Hälfte auf gut eine Milliarde Euro.

Den Aufwärtstrend in Leverkusen indessen begleitet auch eine stetige Serie von kleineren oder größeren Enttäuschungen. Waren es 2010 vor allem operative Schwächen und Sonderlasten im Pharma- und Pflanzenschutzgeschäft, die das Ergebnis bremsten, sorgen seit Mitte 2011 schwache Zahlen der Kunststofftochter BMS für Enttäuschung.

Die Bergfahrt von Bayer verläuft so gesehen auf einer Holperstrecke. Und der frische Wind, den Dekkers in Leverkusen entfacht, entfaltet am Kapitalmarkt entsprechend wenig Wirkung. Noch fehlt es an Vertrauen in das Potenzial des Konzerns. Die Bayer-Aktie hat seit Dekkers Amtsantritt bescheidene zwei Prozent zugelegt und in dieser Zeit weder gegenüber den anderen Dax-Werten noch im Pharmasektor Boden gutgemacht. Gemessen am Börsenwert liegt Bayer rund 15 Milliarden Euro hinter dem Chemiekonkurrenten BASF zurück.

Das mag zum einen daran liegen, dass die operativen Fortschritte bisher im Nettogewinn noch nicht angekommen sind. Zum anderen dürfte aber auch eine Rolle spielen, dass sich die Wachstumspotenziale des Bayer-Konzerns noch immer im Nebel verbergen.

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