Hauptversammlung des Haarpflegespezialisten
Auf der Wella-HV geht's heiß her

Der Wert des Darmstädter Kosmetik-Konzerns Wella soll jetzt vor Gericht geklärt werden. Aktionärsvertreter kündigten am Dienstag bei der Hauptversammlung in Frankfurt ein entsprechendes Verfahren an. Unterdessen hat der Vorstand des Haarpflegespezialisten den Beherrschungsvertrag mit dem US-Mutterkonzern Procter & Gamble (P&G) gegen die teils harsche Aktionärskritik verteidigt.

HB FRANKFURT. Wella könne damit flexibler am Markt auftreten und umfassendere Synergien erreichen, erläuterte Unternehmenschef Heiner Gürtler den Aktionären auf der Hauptversammlung in Frankfurt. „Dies ist die Voraussetzung dafür, dass wir unseren Mitarbeitern wieder langfristige Perspektiven aufzeigen und unseren Kunden versichern können, dass Wella auch in Zukunft ein verlässlicher Partner ist.“ Aktionärsvertreter kritisierten unter anderem die Höhe der im Vertrag enthaltenen Abfindung an die Vorzugsaktionäre. Schon zu Beginn des Treffens ging es hoch her, als Aktionäre mit Geschäftsordnungsanträgen den Fortgang der Versammlung unterbrachen. Gürtler legte den Anteilseignern auch Umsatzschätzungen für die ersten fünf Monate vor. Danach schwächte sich das Wachstum im Vergleich zum Auftaktquartal ab.

„Eine wirtschaftlich vernünftige Alternative zum Abschluss eines Beherrschungsvertrages zwischen der Wella AG und P&G besteht nicht“, betonte Gürtler. P&G hatte in dem Vertrag nach monatelangem Hin und Her den außen stehenden Wella- Vorzugsaktionären eine aufgestockte Barabfindung angeboten. Der durch Produkte wie Pampers-Windeln bekannte P&G-Konzern hatte Wella vergangenes Jahr für etwa 5,6 Mrd. € aufgekauft, dabei aber nicht die notwendige Schwelle von 95 % für das Hinausdrängen der Minderheitsaktionäre (Squeeze out) erlangt. Dem Abfindungsangebot zufolge sollen Inhaber von Vorzugsaktien nun 72,86 € je Wella-Papier erhalten. Das ist zwölf Prozent mehr als das letzte Kaufangebot.

Mit Empörung müsse sie feststellen, wie Großaktionäre mit Minderheitsaktionären bei Wella umgingen, sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und kritisierte die Höhe der Abfindung. Minderheitsaktionäre hatten im Vorfeld der Versammlung bereits einen deutlich höheren Wert von 85 bis mehr als 90 € je Vorzugsaktie taxiert. Die Wirtschaftsprüfer PriceWaterhouseCoopers hatten nach Angaben von Wella-Chef Gürtler dagegen den Unternehmenswert bei 4,6 Mrd. € gesehen, was je Vorzugs- und Stammaktie 69,27 € entspricht.

Zur Geschäftsentwicklung in den ersten fünf Monaten sagte Gürtler, bis Mai sei die Entwicklung nicht mehr so gut gewesen wie im ersten Quartal. „Das Ebit bis Mai liegt noch nicht vor, wird sich aber entsprechend der Umsatzentwicklung abgeschwächt haben“, ergänzte er. In der Friseur-Sparte sei die Wachstumsrate für die ersten fünf Monate währungsbereinigt auf 3,6 % zurückgegangen nach 6,7 % in den ersten drei Monaten. Im Kosmetik- und Duftgeschäft habe sich der Umsatzzuwachs auf 13,1 % verringert nach 17,3 % im Auftaktquartal. Das Consumer-Geschäft mit Produkten für den Endverbraucher sei mit dem Vorjahreszeitraum nicht mehr vergleichbar. Die Geschäfte sind nach Wella-Angaben in einigen Ländern schon auf den Mutterkonzern P&G übergegangen.

Für den Geschäftszeitraum 2003/2004 bis Ende Juni rechnet das noch im MDax gelistete Unternehmen mit einem operativen Gewinn (Ebit) von 328 Mill. €. Wella hat vor kurzem seine Bilanzierung von der ganzjährigen Berechnung auf ein gebrochenes Geschäftsjahr umgestellt und von Januar bis Ende Juni 2004 ein Rumpfgeschäftsjahr eingeschoben. Im Geschäftsjahr 2005/2006 soll sich der Betriebsgewinn auf 360 Mill. € erhöhen. Ein Jahr später werde ein operativer Gewinn von 445 Mill. € angepeilt.

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