Hauptversammlung des Luft- und Raumfahrtkonzerns
EADS vertagt Entscheidung über Doppelspitze

Nach monatelangem Machtkampf zwischen den französischen und deutschen Hauptaktionären hat EADS am Mittwoch einen neuen Verwaltungsrat erhalten. Auf die Ernennung von Airbus-Chef Noël Forgeard und dem Chef der EADS-Rüstungssparte, Thomas Enders, zu Co-Chefs des europäische Luft- und Raumfahrtkonzerns konnte man sich aber nicht einigen.

HB AMSTERDAM. Das EADS-Board hat die Berufung seiner neuen Doppelspitze auf den 1. Juni verschoben. In der Zwischenzeit werde die Konzernführung in die Hände der beiden Co-Chairmen Manfred Bischoff und Arnaud Lagardere gelegt, teilte das Unternehmen am Mittwoch im Anschluss an eine Sitzung des Boards in Amsterdam mit. Die designierten Co-Chefs Noel Forgeard und Thomas Enders blieben zunächst in ihren bisherigen Positionen als Airbus-Chef beziehungsweise Chef der EADS-Verteidigungssparte.

Die Hauptversammlung hatte zuvor wie erwartet Forgeard und Enders in den Verwaltungsrat gewählt. Forgeard hatte ursprünglich den Konzern alleine führen wollen, doch der deutsche Großaktionär Daimler-Chrysler bestand auf einer Doppelspitze mit Enders an seiner Seite. Der von Daimler-Chrysler gestellte Manfred Bischoff und Arnaud Lagardère sollten als Co-Präsidenten mit Aufsichtsfunktion bestätigt werden. Bischoff versicherte, das Management werde mit Forgeard und Enders an der Spitze Kontinuität wahren. Er bat die Hauptversammlung um Zeit, die richtige Personalentscheidung für Airbus zu treffen.

Forgeards Mandat als Airbus-Chef läuft bis zum 11. Juli. Forgeard wollte auch als EADS-Co-Chef die Airbus-Leitung behalten, doch DaimlerChrysler wollte den Posten neu besetzen. Eine Lösung mit einem Deutschen - im Gespräch ist der Airbus-Manager Gustav Humbert - an der Spitze ist für den französischen Staat nicht vor dem Referendum über die EU-Verfassung am 29. Mai möglich. Um das deutsch- französische Gleichgewicht im Konzern zu wahren, müsste nach deutscher Lesart entweder Airbus oder Eurocopter eine deutsche Spitze bekommen. Der Pariser Wirtschaftsminister Thierry Breton fordert, dass Forgeard „weiterhin sehr eng verfolgt, was bei Airbus passiert“.

Auch über die Zukunft des größten europäischen Flugtechnik- und Rüstungskonzerns gibt es zwischen Deutschen und Franzosen Differenzen. Forgeard möchte den Rüstungselektronik-Konzern Thales mit EADS verschmelzen, trifft dabei aber auf Widerstand von Daimler-Chrysler. Lagardère bekräftigte als EADS-Großaktionär in Amsterdam, die Fusion mit Thales bleibe eine Option. Lagardère und der französische Staat, der ebenfalls die Fusion befürwortet, haben gemeinsam wie Daimler-Chrysler rund 30 % der EADS-Aktien.

Bischoff zollte den bisherigen Co-Vorsitzenden Rainer Hertrich und Philippe Camus Anerkennung für ihre Arbeit. Unter ihrer Leitung sei EADS auf den Weg von einem europäischen Exporteur zu einem weltweiten Unternehmen gekommen. Die Auftragsbücher seien gefüllt und EADS habe das Jahr auf einer starken finanziellen, wirtschaftlichen und technologischen Basis begonnen. EADS hat im vergangenen Jahr mit 110 000 Mitarbeitern 31,8 Mrd. € umgesetzt. Die Hauptversammlung beschloss eine Dividende von 50 Cent je Aktie.

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