Hauptversammlung des Spezialchemiekonzerns
Degussa-Abschied von der Börse besiegelt

Der Spezialchemiekonzern Degussa hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr bekräftigt. Gleichzeitig haben die Degussa-Aktionäre den Abschied des Traditionsunternehmens von der Börse beschlossen.

HB DÜSSELDORF. Mit der Stimmrechtsmehrheit des Hauptaktionärs RAG votierte die Hauptversammlung am Montag nach einer fast zehnstündigen Debatte zu jeweils mehr als 99 Prozent für die zwangsweise Barabfindung der Minderheitsaktionäre und gab grünes Licht für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der RAG. Die RAG hält aktuell 98,11 Prozent an der Degussa, deren Wurzeln auf das Jahr 1843 zurückgehen. Mit der Fusion der Degussa-Hüls AG und der SKW Trostberg AG war 2001 der drittgrößte deutsche Chemiekonzern und die Nummer Eins in der Spezialchemie weltweit entstanden.

Der scheidende Degussa-Vorstandsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht betonte, dass die RAG an dem Börsengang im Verlauf des zweiten Quartals 2007 festhalte. „Das ist kein Schuss ins Blaue, sondern beruht auf einer wohldurchdachten langfristigen Strategie,“ verteidigte er die Strategie von RAG-Chef Werner Müller. Felcht wird zum 1. Juni von Klaus Engel abgelöst, dem früheren Chef des Chemikalienhändlers Brenntag.

RAG-Chef Müller betonte in seiner Funktion als Aufsichtsratschef der Degussa die Bedeutung des Chemiekonzerns in der neuen RAG-Struktur. Die Degussa habe 2005 zu 60 Prozent zum Umsatz der RAG ohne deren Steinkohleaktivitäten beigetragen, mit der Steinkohle liegt der Anteil sogar bei 75 Prozent.

„Trauriger Tag für Aktionäre“

„Der heutige Tag ist für die Degussa-Aktionäre ein besonders trauriger Tag“, kritisierte dagegen Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er regte an, den Degussa-Aktionären beim Börsengang der RAG ein bevorzugtes Zeichnungsrecht zuzugestehen. Dies werde geprüft, ob und wie dies ermöglicht werde, sei aber ungewiss, sagte Felcht.

Mehrere Aktionärsvertreter monierten den Verkauf der Bauchemie an BASF für 2,8 Mrd. Euro inklusive Schulden. Sie verdächtigten das RAG-Management, Druck auf den Degussa-Vorstand ausgeübt zu haben, um mit den Einnahmen die Komplettübernahme der Degussa zu finanzieren. Felcht erwiderte, der Verkauf gehe auf Diskussionen im Aufsichtsrat der Degussa zurück, „auch mit den Vertretern der RAG im Aufsichtsrat - ich betone auch.“ Hauptgrund seien die begrenzten Aussichten der Sparte auf organisches Wachstum gewesen.

Mehrere Kleinaktionäre stießen sich daran, dass die RAG für ein Paket von sechs Mill. Aktien einen Preis von durchschnittlich 45,11 Euro je Aktie zahlte, während die Minderheitsaktionäre im Zuge des Squeeze Out nun 42,66 Euro je Anteilsschein erhalten. Felcht zufolge lag der höchste Preis bei 46,40 Euro.

Ausblick für 2006 bekräftigt

Das operative Geschäft der Degussa läuft nach Angaben von Felcht gut. Degussa rechne unverändert mit einem höheren Umsatz und Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) als im Vorjahr, sagte er. Die hohen Steigerungsraten des ersten Quartals würden sich aber abschwächen. Konkret erwartet der Vorstand bei dem um den Verkauf der Bauchemiesparte bereinigten Umsatz mehr als zehn Mrd. Euro, beim Ebit rund 800 Mill. Euro und beim Ebitda 1,4 Mrd. Euro. Dem weiteren Anstieg der Rohstoff- und Energiekosten will Degussa mit Preissteigerungen und Kosteneinsparungen begegnen.

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