Hauptversammlung
Die neue Jenoptik steht

Der Verkauf der größten Sparte Reinraum-Bau ist für Jenoptik Geschichte. Nun schaut der ostdeutsche Technologiekonzern nach Vorne, will mit dem verbliebenen Laser- und Optikgeschäft kräftig wachsen. Die Aktionäre sind zufrieden mit dem Umbau. Jubeln wollen sie jedoch nicht – aus gutem Grund.

HB WEIMAR. „Die strategische Neuausrichtung ist abgeschossen, sagte Vorstandschef Alexander von Witzleben am Mittwoch in Weimar auf der Hauptversammlung. Der Konzern werde sich in Zukunft auf den Bereich Photonics, also auf das Nutzen und Nutzbarmachen von Licht als Werkzeug konzentrieren und kräftig wachsen. Nunmehr könnten die Kapazitäten ganz auf den Ausbau des alten neuen Kerngeschäfts konzentriert werden.

Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bezeichnete die Konzentration auf den Bereich Photonics als die richtige Strategie. Die Kursentwicklung der Jenoptik-Aktie sei allerdings schlecht. Auch Malte Disselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sprach von einer „vernünftigen Lösung“. Die Notlandung sei gelungen, der Beweis müsse nun aber erst noch erbracht werden, ob das Unternehmen wieder aufsteigen könne, sagte Disselhorst. Der Aktionär Horst Keller erinnerte daran, dass der Kurs der Jenoptik-Aktie von einstmals 17 Euro auf derzeit 7,16 Euro gesunken sei. „Welch ein Absturz“, sagte er, der Konzern sei zum Mittelständler geschrumpft.

Durch den Erlös aus dem Verkauf des Teilkonzerns M+W Zander, von dem in der Vergangenheit drei Viertel des Umsatzes kamen, reduziert sich die Nettoverschuldung dem Vorstandschef zufolge erheblich; am 31. März 2006 lag sie bei 337,6 Mill. Euro. „Langfristig streben wir eine Eigenkapitalquote von größer als 50 Prozent an“, sagte von Witzleben weiter. Er begründete den Verkauf von M+W Zander damit, dass die Licht-Sparte Photonics und die nun verkaufte Reinraum-Sparte Clean Systems in den vergangenen zehn Jahren unter dem Dach der Jenoptik stark gewachsen seien. Das Wachstum für beide gleichermaßen auch in der Zukunft weiter zu finanzieren, wäre nicht möglich gewesen.

Wegen der Verkleinerung des Unternehmens soll der Aufsichtsrat ab dem Jahr 2007 von heute 16 auf dann 12 Mitglieder reduziert werden, kündigte von Witzleben an. Im Fokus der künftigen Unternehmensentwicklung stehe der Ausbau der Geschäftsaktivitäten in den Sparten Laser und Optik, Sensorik und Mechatronik. Als Wachstumschancen nannte der Vorstandsvorsitzende unter anderem die Internationalisierung, vor allem in Nordamerika und Asien sowie Kooperationen und Partnerschaften mit Marktführern. Kernmärkte seien die Materialbearbeitung, die Medizintechnik, Sicherheits- und Wehrtechnik, die Halbleiterindustrie, Luft- und Raumfahrt.

Witzleben bekräftigte vor den Aktionären, dass die heimischen Werke erhalten und ausgebaut werden sollen. „Ich sehe wenig Gründe, weshalb man Hochtechnologie-Produktion ins Ausland verlagern sollte“, sagte er. Allein durch die Fertigung in Ostdeutschland spare der Konzern Personalkosten, da die Menschen dort im Vergleich zu Westdeutschland länger arbeiteten und weniger verdienten. Jenoptik produziert vor allem in Deutschland, macht aber mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Derzeit arbeiten 2 800 Menschen für Jenoptik.

„Nach dem erfolgreichen Start des Geschäftsjahres ist es möglich, dass das organische Umsatzwachstum mit rund 10 Prozent am oberen Rand unserer Zielspanne liegen wird“, sagte Witzleben zu den kurzfristigen Aussichten. Der Konzern peilt für das laufende Jahr einen Umsatz von 420 bis 450 Mill. Euro an. „Durch Akquisitionen kann der Umsatzanstieg auch höher sein“, fügte Witzlebenhinzu. Das operative Ergebnis des im Technologieindex TecDax gelisteten Unternehmens soll bei 38 bis 44 Mill. Euro vor Kosten der Holding liegen, das wären 9 bis 10 Prozent des Umsatzes. „Mittelfristig wollen wir diese Zielmarge jedoch inklusive der Holdingkosten erreichen“, sagte der Firmenchef. Unter dem Strich werde nach bisherigen Erwartungen ein Gewinn von 10 bis 15 Mill. Euro stehen. In einem Interview vor gut einem Monat hatte von Witzleben sogar eine Anhebung der Jahresprognose in Aussicht gestellt, sollte sich das zweite Quartal ähnlich gut entwickeln wie das erste.

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