Hauptversammlung
Eon-Chef Teyssen hört auf zu kuscheln

In der Kernenergie-Debatte gab Eon-Chef Johannes Teyssen bislang den netten und kompromissbereiten Atom-Manager. Auf der Hauptversammlung schlägt er lautere Töne an.
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EssenWohin die Reise gehen soll, wird schon in der U-Bahn klar, am Bahnsteig Essen Hauptbahnhof. Der Infoscreen der örtlichen Verkehrsbetriebe, der gelangweilte Fahrgäste ablenken soll, meldet heute einen besonderen Jubiläumstag: Am 5. Mai 1981 ging auf Sizilien das erste Solarkraftwerk der Welt ans Netz, Eurelios.  

Kaum einer der weißhaarigen Männer und Frauen auf dem Bahnsteig nimmt davon Notiz. Sie drängeln sich am Bahnsteig, sie wollen zur Grugahalle, wo heute jemand eine Menge zum Thema Sonnenenergie, mehr aber noch über Atomkraft, erzählen wird. Johannes Teyssen, Chef des Energiekonzerns Eon, stellt sich an diesem Donnerstag der Hauptversammlung.

Für die Aktionäre ist es aber zunächst einmal ein Spießrutenlauf. Sie werden begrüßt von einer Schar Demonstranten, von bunten Transparenten, „Atomausstieg jetzt“, „Stromkonzerne entmachten“, „Atomanlagen stilllegen“, von Trillerpfeifen. Es sind freundliche Protestler, an denen die grauhaarigen Herren vorbeiziehen. Clowns pusten Seifenblasen, eine Frau jongliert zwischen einem Papp-Kohlekraftwerk und einem Windrad.   

„Diese Berufsprotestierer“, schimpft ein Mann mit dunklem Anzug und Pilotenkoffer. Der Polizist in Kampfmontur daneben grinst. Die Beamten sehen entspannt aus, hier ist es friedlich. Vor gut zwei Wochen, als RWE zur Hauptversammlung rief, war vor der Tür der Grugahalle deutlich mehr los.

Das muss für Eon-Chef Teyssen allerdings nichts heißen. Der 51-Jährige muss heute schwierige Fragen beantworten: Wie reagiert der größte Betreiber von Kernkraftwerken in Deutschland auf die von der Politik propagierte Energiewende? Was will Teyssen mit der Tochter Ruhrgas anfangen, die wegen Verwerfungen auf dem Gasmarkt in Schieflage geraten ist? Wo soll Eon wachsen? Und wie will der Chef die hohe Verschuldung abbauen?

Im Zentrum der Aufmerksamkeit aber steht die Atomfrage. Immerhin betreibt Eon sechs Kernkraftwerke in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein und ist an weiteren fünf beteiligt. Sie machen zusammen 45 Prozent des produzierten Stroms des Konzerns aus – deutlich mehr als die 27 Prozent bei RWE.

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  • Wann wird Deutschland endlich verstehen, dass Erneuerbare Energien gravierende Änderungen in unserer Natur mit sich ziehen?! Ich will gar nicht wissen, wie unser Schwarzwald und der Thüringer Wald aussieht, wenn wirklich der schnelle Atomausstieg ohne ein fundiertes langfristiges Konzept durchgesetzt wird. Es wird von Energiespeicherbecken und oberirdischen Stromleitungen wimmeln und die Lebensräume für artbedrohte Tiere werden vernichtet. "LANGFRISTIGKEIT" und vor allem, "Nachdenken, vor dem Handeln" heißt die Divise. Aktuell geht es doch nur um Wählerstimmen. Eine langfristige politische Strategie (vielleicht auch mit entsprechender Förderung bzw. Akzeptanzmaßnahmen - z.B. unterirdische Verlegung von Leitungen) besteht derzeit nicht. Das finde ich sehr schade. Denn schließlich ist es der Lebenraum, in dem wir alle leben!

  • Da muss ich ihnen energisch widersprechen. Deutschland wird mit dem Abschalten der Kernkraftwerke kein Strom-Exportland sein. Zu Ihren anderen Äußerungen will ich keine Stellung nehmeen, da ich es für sinnlos halte mit Ihnen sachlich zu diskutieren.

  • Ich möchte mich ganz kurz für meine schlechte Rechtschreibung entschuldigen. Ich habe den Text nicht nochmal durchgelesen, bevor ich ihn gesendet habe.

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